Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Archive for the ‘Gedanken’ Category

Der Name ist Programm

Posted by ufiller - 11. April 2014

In der Lesung Gen 17,1a.3-9 wird von dem Patriarchen Abraham berichtet. Das erste Buch der Bibel erzählt seine Geschichte. Vor Abraham erzählt die Heilige Schrift die Urgeschichte von der Schöpfung der Welt und des Menschen, von  Adam und Eva, Kain und Abel, Noah und der Sintflut und dem Turmbau zu Babel. Die Menschheit hat das Paradies verloren, die Gemeinschaft mit Gott, das ewige Leben und in der babylonischen Sprachverwirrung wurde auch die Gemeinschaft der Menschen untereinander schwer gestört. Gott aber gibt nicht auf. Er will Heil und Rettung schenken und er beginnt damit, einen Plan zu verwirklichen, an dessen Beginn ein Mann steht. Dieser Mann wird von Gott gerufen. Er soll seine Heimat verlassen, denn Gott will einen Bund mit ihm schließen. Ursprünglich hieß dieser Mann Abram. „In jenen Tagen erschien der Herr dem Abram. Abram fiel auf sein Gesicht nieder; Gott redete mit ihm und sprach: Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham – Vater der Menge – wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt. Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen; Könige werden von dir abstammen. Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein. Dir und deinen Nachkommen gebe ich ganz Kanaan, das Land, in dem du als Fremder weilst, für immer zu Eigen, und ich will ihnen Gott sein. Und Gott sprach zu Abraham: Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation.“ Die Bedeutung dieses neuen Bundes, dieses neuen Anfangs der Heilsgeschichte kommt in dem Namenswechsel zum Ausdruck: Aus Abram wird Abraham. Abram setzt sich aus ´ab (Vater) und rām (hoch, erhaben) zusammen, hat also die Bedeutung: der Vater (oder: mein Vater) ist erhaben. Die Erweiterung des Namens zu Abraham gibt Zeugnis von der Verheißung Gotts. Die Silbe -ham verweist auf  das Wort hāmōn (Menge). Im Namen wird der Auftrag angedeutet. Abraham soll eine unzählbare Schar von Nachkommen haben, er soll Vater einer Menge, einer Masse von Völkern werden. Auch Abrahams Frau Sarai erhält einen neuen Namen. Auch hier geht es nicht um einen völligen Namenswechsel, sondern um eine kleine Änderung: Sarai ist eine altertümliche Form von Sara, beides bedeutet „Herrin“ oder „Fürstin“. Durch die neue Namensform wird die Berufung Saras herausgestellt: Sie soll die Stammmutter von Königen, gemeinsam mit Abraham Ursprung vieler Völker werden.
Der Name ist Programm! Immer wieder stoßen wir auf diesen Zusammenhang. Simon, der erste der Apostel, erhält von Jesus einen neuen Namen: Simon, der Felsenmann, Simon Petrus. Denn er ist der Fels, auf dem die Kirche erbaut wird. Und noch heute wird bei der Wahl eines neuen Papstes mit Spannung erwartet, wie er sich nennen wird. Und als zur Überraschung vieler der Kardinal aus Argentinien auf den Balkon des Petersdomes trat, da war seine Namenswahl auch Programm. Sie weist auf ein Pontifikat im Geiste des hl. Franz von Assisi hin.
Der Name ist Programm! Das gilt auch vom Gottesnamen selbst. Abraham erfährt ihn noch nicht. Erst Mose hat die Offenbarung am Dornbusch, der brennt und doch nicht brennt. Dort offenbart Gott seinen Namen: Jahwe – Ich bin der „Ich-bin-da“. Jahwe ist der, der da ist, der sein Volk begleitet. Das ist der Name, unter dem das Volk Israel ihn anrufen darf, und bis heute erweist das Volk der Juden dem Gottesnamen den größten Respekt. Der Alte Bund wird im Neuen Bund erfüllt. Von Jesus wird im Philipperbrief gesagt: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9ff.) Durch Taufe und Firmung gehören wir in der Kirche zu der Gemeinschaft derer, die den Namen des Herrn anrufen dürfen. Unsere Antwort auf unsere Berufung zum Glauben ist die Anrufung des Gottesnamens durch Jesus Christus, mit dem Namen, den der Vater zum Namen des Heils gemacht hat: Jesus, Je-schua heißt: Jahwe rettet! Und Christus heißt: Der Gesalbte, der vom Heiligen Geist erfüllte Messias, der Herr. Indem wir in der Gemeinschaft der Kirche auch heute den heiligen Namen Jesus anrufen, erfüllen wir die Verheißung Gottes, der im brennenden Dornbusch zu Mose sagte: „Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.“ (Ex 3,15)
Der Name ist Programm! Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird die engültige Vollendung der Welt beschrieben. Am Ende der Zeiten erhalten auch wir Menschen einen neuen Namen. Aber auch das Böse, die antichristlichen Mächte, werden durch den Namen, die lästerlichen Titel auf ihrem Haupt, beschrieben. Und es wird deutlich, wie das Böse in seiner Herrschaft den Menschen unfrei macht. Aber es siegt der auferstandene Herr – und die an ihn glauben, nehmen teil an seinem Sieg und tragen den Namen des Lammes auf ihrer Stirn, das heißt, sie nehmen teil am Leben des Dreifaltigen Gottes. „Schließlich – als hätte der Seher von Patmos auch die leidenschaftliche Sehnsucht des Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung und die Angst vor Überfremdung vorausgeahnt – wird dem „Sieger“, der den „Namen des Tieres“ nicht einmal annimmt und das Bild des Tieres nicht anbetet, verheißen: ‚Ich will ihm einen weißen Stein geben und auf den Stein einen neuen Namen schreiben, den niemand weiß als der Empfänger‘ (2,17). Der Mensch, und zwar der einzelne, wird also vollendet in seiner Eigenart, in seiner Individualität, in seiner Persönlichkeit, in seiner Unantastbarkeit, nach der Idee seines Schöpfers, der keine Serienproduktion kennt. Gott wird den ‚Namen des Menschen‘ nicht – wie dies alle Mächte tun – missbrauchen, sondern ‚heilig machen‘. Das ist das letzte Ziel des Gebotes, den Namen Gottes heilig zu halten.“ (Alfred Kardinal Bengsch)

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Gott verflucht den Menschen !?

Posted by ufiller - 6. April 2014

In der Fastenzeit hören wir in der Messfeier immer wieder die Botschaft der Propheten. Eine eindringliche Lesung stammt aus dem Buch des Propheten Jeremia (17,5-10). Dieser wurde bereits als junger Mensch von Gott zum Propheten berufen und hat sein ganzes Leben diesem Dienst gewidmet.  Wie kein Zweiter hat er sich in diesem Dienst förmlich aufgerieben. Größter Jubel und größte Verzweiflung, Euphorie und Depressionen, das Ringen und Hadern mit Gott und den Menschen, die seine Botschaft nicht verstehen und annehmen wollen – die ganze Bandbreite menschlichen Fühlens finden wir in den Texten des Jeremia. Fluch und Segen, Heil und Unheil, Tod und Leben – dieser Gegensatz bestimmt auch diese Lesung:
“So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.”
Ein hartes Wort. Gott verflucht den Menschen! Worum es im Wesentlichen geht, steht wie ein Angelpunkt des ganzen Abschnitts im Zentrum des Textes: Verflucht der Mann, dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Hier haben wir die entscheidende Frage unseres Lebens, die Frage, die uns in den Tagen der österlichen Bußzeit wieder von neuem eindringlich vorgelegt wird: Wie ist es um dein Herz bestellt? Wohin wendest du dein Herz? Woran hängst du dein Herz? Wer oder was hat Platz in deinem Herzen? Für wen öffnest du es? Wenn sich unser Herz von Gott abwendet, kann er es nicht mehr füllen mit seiner Liebe, seiner Barmherzigkeit, seinem Leben. Das Herz, das sich von Gott abwendet, entscheidet sich für den Tod. Es verflucht sich selbst. Und wer nicht in Gott ruht, wer nicht auf ihn vertraut, wer nicht als gottgeliebter Sünder aus seiner Liebe heraus lebt, der braucht andere Krücken und Stützen – doch kein Mensch, auch nicht der liebste, kann den Schöpfer und Herrn aller Dinge ersetzen. Das Leben wird zur harten Steppe, zum dürren Wüstenboden, zum salzigen Land. Der Mensch gleicht einem kahlen Strauch in unwirtlicher Gegend, vertrocknet und unfruchtbar. Das ist ein schönes Bild für die Betrachtung, die eigene Gewissenserforschung: Wenn ich mir die Landschaft meines Lebens vorstelle – wo finde ich da die Wüste, die leeren, unfruchtbaren Stellen, wo finde ich das salzige Land des Egoismus, der Ichbezogenheit, der Selbstverliebtheit; wo finde ich die Steppe der Schuld, des Stolzes, des Nicht-Verzeihen-Könnens?
Doch neben den Fluch stellt der Prophet die Zusage des Segens:
“Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.”
Wenn das Herz des Menschen offen ist für die Liebe und das Leben Gottes, gleicht er dem fruchtbringenden Baum am lebensspendenden Wasser. Das Wasser ist ein Bild für den Lebensstrom der göttlichen Gnade, die unser Leben unablässig fruchtbar macht. Der Mensch, der sein Herz für Gottes Liebe geöffnet hat, verfügt über eine ungeheure Möglichkeit: Er kann diese Liebe nehmen und er kann damit beginnen, seinen Alltag mit dieser Liebe zu füllen. Alles, was er tut, und sei es noch so winzig, banal und unbedeutend, kann er mit dieser Liebe und aus dieser Liebe heraus tun und auf diese Weise selbst die Probleme und Schwierigkeiten, die Widerwärtigkeiten des Alltags und sogar das Kreuz in all seinen Formen in etwas Schönes und Kostbares verwandeln. Wie viele Menschen leiden unter dem Gedanken, nichts mehr tun zu können? Wenn man alt und gebrechlich ist, gequält von Krankheit und Schmerz, wenn man eingeschränkt ist in seiner Mobilität oder ans Bett gefesselt, wenn man angewiesen ist auf die Hilfe und den Dienst anderer – gerade dann, wenn es so scheint, als könne man gar nichts mehr leisten und tun, gerade dann kann man wie ein Baum sein, der am Wasser der göttlichen Gnade und Liebe gepflanzt ist und der alles, was ihm widerfährt, mit Hilfe der göttlichen Liebe zu einer wunderbaren Frucht machen kann, zu einer Frucht, die anderen zugute kommt. Hier finden wir die Quelle einer Kraft, die buchstäblich die Welt verändern kann!
Unsere Lesung schließt mit einer Warnung, die auf eine gute Menschenkenntnis schließen läßt:
“Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu vergelten, wie es sein Verhalten verdient, entsprechend der Frucht seiner Taten.”
Ja, wir sind unverbesserlich und arglistig ist unser Herz. Wir sind wahre Meister darin, uns selbst etwas in die Tasche zu lügen, uns etwas vorzumachen, den Balken im eigenen Auge zu ignorieren und nach dem Splitter im Auge unseres Nächsten zu suchen. Verlassen wir uns nicht auf uns selbst! Vertrauen wir auf den himmlischen Vater! Übergeben wir ihm unser Herz, halten wir nichts zurück. Bitten wir ihn, es zu formen, es neu zu gestalten nach dem Herzen seines Sohnes. Dann wird er, der uns besser kennt, als wir uns selbst kennen, unser Herz immer mehr zu sich hinwenden, er wird unser Leben mit seiner Liebe erfüllen und es Frucht bringen lassen. Und dann werden wir auch im Gericht bestehen. Denn dort lautet die entscheidende Frage nicht: Was habe ich alles Frommes geleistet? Die entscheidende Frage lautet: Habe ich zugelassen, daß Gott mein Herz berührt? Habe ich zugelassen, daß er mein Leben mit seiner Liebe erfüllt? Habe ich zugelassen, daß er mir ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt?
Schauen wir auf Maria, die Mutter des Herrn. In ihr sehen wir den Menschen, dessen Herz ganz bei Gott war, der ganz und gar von seiner Liebe erfüllt war. Lassen wir uns von ihr an die Hand nehmen. Sie begleitet uns, sie beschützt uns, sie tröstet uns und macht uns Mut, sie birgt uns unter ihrem Schutzmantel und führt uns immer wieder zu ihrem Sohn Jesus Christus, der uns auch heute seinen Segen schenkt.

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Misereor 2014

Posted by Florian Seiffert - 21. März 2014

Frau Wermter mailt für Misereor 2014:

Misereor 2014

Misereor 2014

Misereor 2014

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Tage der Unschuld

Posted by ufiller - 25. Februar 2014

Gedanken zum 27.2. (Donnerstag der 7. Woche im Jahreskreis)
„Heiliger Gott, du liebst die Unschuld“ – diese Feststellung steht wie ein Fanfarenstoß am Beginn des heutigen Tagesgebets und mit ihr öffnet sich vor unserem geistigen Auge das  ganze Panorama der Heilsgeschichte. Wir blicken zurück auf die ersten Tage der Unschuld, von denen die ersten Kapiteln des Buches Genesis berichten. Es sind die ersten Tage der Schöpfung: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ (1,31) Der heilige Gott hat den Kosmos und die Welt, Natur und Mensch und Tier ursprünglich gut und unschuldig geschaffen und alle Völker und Kulturen haben in der ein oder anderen Weise den Gedanken an das verlorene Paradies, an das goldene Zeitalter der Menschheit, an die Tage der Unschuld bewahrt. Und bis heute bleibt es für uns letztlich rätselhaft, warum Gott es zugelassen hat und bis heute zuläßt, daß seine Geschöpfe ihre Freiheit zum Bösen mißbrauchen und sich gegen ihren Schöpfer auflehnen. Damit sind die Tage der Unschuld zu Ende und auf eine bösartige, unheilvolle Weise wird seither jeder Mensch, mag er auch ohne persönliche Schuld sein, in den Zusammenhang der Schuld und des Bösen hineingeboren. Diesen Zusammenhang der Schuld und des Bösen nennen wir die Erbsünde, ihre Folge ist der Tod. Die Wirklichkeit und die Macht des Bösen sind gegenwärtig – schauen wir nur in unsere Welt, schlagen wir die Tageszeitung auf. Das war auch niemals anders, und doch ahnten bereits die Menschen des Alten Bundes, daß der heilige Gott es dabei nicht wird bewenden lassen, daß er etwas unternimmt, um den Menschen die verlorene Unschuld von neuem zu schenken. Er wird den Messias senden, er wird ein neues Reich des Friedens aufrichten und dann werden die Tage der Unschuld wiederkehren. Der Prophet Jesaja etwa kommt richtig ins Schwärmen, wenn er an diese Verheißung denkt: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frißt Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ (11,6-9)  Der heilige Gott liebt die Unschuld – denn sie entspricht seinem Wesen. Der Unschuldige trägt nichts an sich, was Gott fremd ist, er ist ganz und gar erfüllt von Gottes Leben, von seiner Liebe, von seiner Heiligkeit. Wie sehr haben die Menschen des Alten Bundes, wie sehr haben sich die Menschen aller Völker, aller Religionen danach gesehnt, in diesem Sinne Unschuldige zu werden: Menschen, die Gott gefallen; Menschen, die vor Gott gerechtfertigt sind; Menschen, die Gott erreichen, berühren können. Aber diese Sehnsucht blieb letztlich immer unerfüllt. So lange, bis Gott selbst den entscheidenen Schritt tat, um uns die verlorene Unschuld von neuem zu schenken. Und dann, im Neuen Bund, erblicken wir den ersten wirklich unschuldigen Menschen; den ersten Menschen, der wirklich ganz und gar vom Leben und der Liebe Gottes erfüllt ist, sozusagen die Personifikation des Paradieses: Maria, die jungfräuliche Muttergottes, die uns das Leben selbst geschenkt hat, ihren Sohn Jesus Christus, den menschgewordenen Gott. Er öffnet uns durch seinen Tod und seine Auferstehung die so lange verschlossene Tür: die Tage der Unschuld kehren wieder, das Paradies rückt in erreichbare Nähe, nur ein Augenblick trennt uns von der Ewigkeit, die jetzt nicht mehr Tod und Untergang, sondern Leben und Erfüllung und Glück  bedeutet. Und wir müssen nichts anderes tun, als dieses Geschenk entgegenzunehmen! Gott schenkt uns die Unschuld wieder, wenn wir reumütig zu ihm heimkehren, wenn wir die Wege des Bösen verlassen und uns ausstrecken nach ihm. Aber selbst die Umkehr ist nicht unsere eigene Leistung, sondern Geschenk und Gabe Gottes. Deshalb bitten wir ihn: Wende unser Herz zu dir. Der heilige Gott selbst soll unser Herz berühren, es öffnen, es wenden, damit es ganz von der Liebe und dem Leben Gottes erfüllt werden kann. Wie im berühmten Gleichnis vom barmherzigen Vater deutlich wird, bedeutet Umkehr immer Heimkehr, wer sich öffnet für das Geschenk der Umkehr, der kehrt heim, der kommt nach Hause, der kehrt zurück aus der Fremde, aus der Verlorenheit, aus der Einsamkeit in die gastliche Gemeinschaft des wahren Vaterhauses.  Das so von Gott geöffnete und verwandelte Herz wird erfüllt mit den Gaben des Heiligen Geistes. Wir beten um den neuen Eifer, den der Geist uns schenken soll. Als Christen sollen wir begeistert sein, eifrig, bemüht, engagiert, voller Tatendrang. Wir sollen brennen, leidenschaftlich und ausdauernd und nicht schlapp und gleichgültig, bequem und träge in unserer Komfortzone herumhängen. Zwei wichtige Konsequenzen dieses Eiferns im Heiligen Geist benennt unser heutiges Tagesgebet: die Standhaftigkeit im Glauben – denn „ohne Glauben aber ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.“ (Hebr 11,6) Auf den Glauben also kommt es erstens an und zweitens auf die Frucht des Glaubens, auf die Konsequenz der geschenkten Umkehr: auf unsere Tat, auf unser Bemühen, auf unsere Bereitschaft, das Gute zu tun und Tag für Tag, in kleinen Schritten und mit unseren bescheidenen Möglichkeiten der Wirklichkeit des Bösen immer wieder das Gute entgegenzusetzen. Schauen wir dabei auf Maria, den ersten wirklich unschuldigen Menschen. In ihr wird die Verheißung des Paradieses Wirklichkeit und sie ist diejenige, die uns beschützt, trägt, behütet und unter ihrem Schutzmantel birgt und uns so begleitet in unserem Bemühen um den rechten Eifer im Heiligen Geist und in unserer Bereitschaft, das Gute zu tun.

Heiliger Gott, du liebst die Unschuld und schenkst sie dem Sünder zurück, der reumütig zu dir heimkehrt. Wende unser Herz zu dir und schenke uns neuen Eifer im Heiligen Geist, damit wir im Glauben standhaft bleiben und stets bereit sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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Paradox! Gedanken zum 6. 2. (hl. Paul Miki und Gefährten)

Posted by ufiller - 5. Februar 2014

Das Christentum ist auf den ersten Blick eine paradoxe Religion. Alles wird auf den Kopf gestellt, die uns normal erscheinenden Maßstäbe des Lebens gelten nicht mehr. Oder wie soll man es anders nennen, wenn in der Bergpredigt die Armen, die Trauernden, die Hungernden und Dürstenden, die Beschimpften und Verfolgten seliggepriesen werden? Ist nicht Reichtum und Freude, eine gut gedeckte Tafel, Bestätigung, Lob, Liebe und Freundschaft genau das, was unser Leben lebenswert macht, was ihm Gewicht, Tiefe und Sinn verleiht? Und jetzt soll das genaue Gegenteil gelten? Was ist das für eine paradoxe, ja lebens- und menschenfeindliche Religion? Lebens- und menschenfeindlich wäre unser Glaube tatsächlich, wenn es darum ginge, Armut und Trauer, Hunger und Durst, Beschimpfung und Verfolgung als erstrebenswerten Wert an sich zu bezeichnen; so, als wäre es wünschenswert, daß wir alle arm und traurig, hungrig und durstig sind und beschimpft und verfolgt werden. Doch das ist nicht gemeint! Im Gegenteil: Das Paradoxe des Christentums schenkt uns einen weiteren Horizont, eine größere Perspektive. Sie zeigt uns eine größere Wirklichkeit, die unsere sinnlich wahrnehmbare Welt übersteigt. In dieser größeren Perspektive des Christentums erkennen wir: Unser Streben nach Reichtum und Freude, nach Liebe und Freundschaft, kurz gesagt: unser Streben nach Glück findet in dieser Welt, in diesem Leben keine endgültige Erfüllung. Bereits Nietzsche wußte: jede Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Aber das, was wir in diesem Leben an Glück erhaschen können, bleibt immer flüchtig, fragil, zerbrechlich und wird uns über kurz oder lang aus der Hand geschlagen. Immer steht in jedem Leben das Leid, das Kreuz, der Tod am Ende. Die große Perspektive des Christentums zeigt uns: Unser Gott will uns nicht in diesem, kurzen Leben glücklich machen – er will uns pures Glück und tiefste Freude, Erfüllung und Ekstase in Ewigkeit schenken, für immer. Und wenn in der Bergpredigt paradoxerweise die Armen, die Trauernden, die Hungrigen und Durstigen seliggepriesen werden, dann geschieht es deshalb, weil es den Glücklichen und Satten, den Geliebten und Erfüllten oft so schwer fällt, die größere Perspektive des Chistentums, die Wirklichkeit hinter der sinnlich wahrnehmbaren Realität, zu erkennen. An den Grenzen unseres Lebens, da, wo es brüchig ist, da, wo die Scherbenhaufen liegen, da, wo es mißlingt, da ist es viel einfacher, die größere Wirklichkeit zu erkennen. Deshalb werden die Menschen seliggepriesen, die die Grenzen des Lebens aushalten müssen. Und niemand sage, dies sei doch nur ein billiger Trost für all die, die es nicht so gut haben im Leben. Es ist kein billiger Trost, weil unser Gott selbst es vorgemacht hat: Er ist Mensch geworden, nicht um satt und glücklich zu werden, um in Freuden und mit Freunden und Familie ein schönes, erfülltes, gemütliches Leben zu leben und die anderen, die es schlechter angetroffen haben, mit dem Hinweis auf die Ewigkeit zu vertrösten. Nein, er ist Mensch geworden, um in die Grenzen des Lebens hineinzugehen, um sie auszuhalten und um schließlich die letzte Grenze, Leid und Sterben und Tod zu überwinden und so für alle Menschen aller Zeiten die große Perspektive zu öffnen, die letzte Wirklichkeit, die uns nach unserem kurzen Leben erwartet. Jesus Christus ist diesen Weg vor uns gegangen, er ist uns vorausgegangen und deshalb kann er uns auf diesem Weg begleiten, führen und tragen. Er hat gezeigt, wie es geht: Er ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, aber genau deshalb nicht allein bleibt, sondern reiche Frucht bringt (Joh 12,24). Er ist in Person das Paradoxe des Christentums, und er lädt uns ein, ihm zu folgen und die allgemein-menschlich geltenden Maßstäbe unseres Lebens auf den Kopf zu stellen: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt geringachtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,25) Dieser Einladung sind die Menschen gefolgt, die wir am heutigen Tag als Märtyrer verehren: Im 16. Jahrhundert haben 26 Christen in der furchtbaren Christenverfolgung in Japan ihr Leben hingegeben für den Glauben. Sie wurden gekreuzigt und verbrannt und noch vom Kreuz herab hat der heilige Paul Miki den Glauben verkündet. Diese Christen haben aus der größeren Perspektive heraus gelebt. Sie haben um die Wirklichkeit der Ewigkeit gewußt, die uns erwartet. Sie haben sich mit Jesus Christus verbunden, der ihnen auf dem Weg des Leidens und des Kreuzes vorausgegangen ist und sie haben gewußt, daß Jesus ihnen dann besonders nahe ist und sie trägt, wenn sie selber Leid und Kreuz ertragen und aushalten müssen. So haben sie ihr Leben in dieser Welt geringgeachtet, um es für die Ewigkeit zu gewinnen.
Nun, und was ist mit uns? Sehr wahrscheinlich sind wir „normale Christen“ nicht zum Martyrium berufen. Wir sollen nicht mit unserem Blut Zeugnis ablegen von Christus. Aber die Grundhaltung ist doch ganz dieselbe, darin sollen wir den japanischen Märtyrern gleichen wie ein Ei dem anderen: Wir sollen uns immer wieder um die größere Perspektive bemühen und das Paradoxe unseres Glaubens bejahen. Wir sollen dankbar sein für Reichtum und Freude, für den gedeckten Tisch, für Freundschaft und Liebe. Wir sollen all das als Geschenk entgegennehmen und mit anderen teilen. Und vor allem sollen wir wissen: das alles ist nur ein matter, unscheinbarer Abglanz von dem großen Glück, das uns einst erwartet. Wir müssen bereit sein, all das Loslassen zu können, wenn denn die Zeit kommt. Wir müssen darauf vertrauen, daß Christus uns ganz nahe ist, wenn wir an die Grenzen unseres Lebens stoßen, wenn es wehtut und wir uns aufbäumen wollen. Dann wollen wir uns in die Hand des Herrn geben, uns an ihm festklammern und nicht aufhören, uns zu ihm zu bekennen.

Starker Gott,
du bist die Kraft der Heiligen,
du hast den heiligen Paul Miki und seine Gefährten
durch das Martyrium am Kreuz
zur ewigen Herrlichkeit geführt.
Hilf uns auf die Fürbitte dieser Heiligen,
Christus, dem Gekreuzigten, nachzufolgen
und ihn bis zum Tode gläubig zu bekennen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

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Schnaps, das war sein letztes Wort!

Posted by ufiller - 30. Januar 2014

Jetzt geht es langsam richtig los mit dem Karneval: Uns erwarten Pfarrsitzungen, Kindersitzungen, Jugendsitzungen und Kostümbälle! Jetzt stimmen wir wieder gerne ein, wenn die beliebten Karnevals- schlager gesungen werden. Und bei näherem Hinsehen können wir augenzwinkernd einige höchst interessante Beobachtungen machen:

Der liebe Gott weiß, daß ich kein Engel bin, so‘n kleiner Teufel steckt doch in jedem drin! wird da etwa behauptet. Wird hier nicht eine wahrhaft katholische Sichtweise des von der Erbsünde gezeichneten Menschen zitiert? „Ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.“ Mit diesen Worten beschreibt der heilige Paulus im Römerbrief die uns allen wohlbekannte Zerrissenheit des Menschen (18f.) Der Mensch ist eben weder ganz gut und engelgleich, noch ganz und gar böse und unfähig, von alleine das Gute zu sehen und zu wollen. Es fällt uns schwer, das Gute zu tun; es fällt uns leicht, das Böse zu tun – immer steht unser Leben unter dem Leitwort: Kehrt um! – mit dem Jesus sein öffentliches Wirken beginnt (Mt 4,17). Und wenn dasselbe Lied singt: Liebe, Sünde, Leidenschaft, das ist meine Welt, dann scheint das doch eine exakte Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft zu sein, in der die Sünde salonfähig geworden ist und viele sich von ihren Leidenschaften treiben lassen. Als Christen dürfen wir freilich nicht stolz auf diese Zustände sein – und unser Rezept heißt nicht nur Umkehr, sondern auch Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes. Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin! So endet der Refrain – und das soll keine Ermunterung sein, die Sache nicht ganz so ernst zu nehmen, sondern darf von uns als Aufforderung verstanden werden: Auch und gerade als gottgeliebte Sünder dürfen wir der Barmherzigkeit Gottes vertrauen und uns ihr ganz übergeben.

Einen völlig anderen Standpunkt vertritt der Schlager Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind…  Das glauben selbst die Narren, nicht, die diese Zeilen lauthals singen. Und zwar nicht nur deshalb, weil wir bei ehrlicher Selbstprüfung feststellen müssen, daß wir keineswegs so brav sind, wie wir singend behaupten. Sondern vor allem deshalb, weil es eine ganz unkatholische Forderung ist, sich selbst durch das Bravsein den Himmel zu verdienen. Das führt uns nur in einen unerbittlichen und unersprießlichen Moralismus. Nein, den Himmel können wir uns nicht verdienen: nur schenken lassen können wir uns ihn. Jeder Mensch braucht mehr Liebe, als er verdient – als er verdient hat und als er sich jemals verdienen könnte. Weil Gott uns aber viel mehr liebt, als wir uns vorstellen und verdienen könnten, brauchen wir nur eines zu tun: Dieses großartige Geschenk auch anzunehmen.

In die Reihe der Lieder, die unsere Situation realistisch erfassen, gehört auch der Schlager: Wir sind alle kleine Sünderlein,‘s war immer so, ‘s war immer so. Sehen wir von der verniedlichenden Verkleinerungsform ab, können wir uns an den 1. Johannesbrief erinnern, in dem es heißt: „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1,8) Auch der nächsten Liedzeile können wir zustimmen: Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeihn, ‘s war immer so, ‘s war immer so. Auch das entspricht dem Johannesbrief: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1,9) Doch muß uns der weitere Verlauf des Liedes bedenklich stimmen: Denn nach dem Motto: Wenn es am Ende sowieso heißt: Schwamm drüber, alles ist egal – dann können wir jetzt und hier machen, was wir wollen. Und damit verläßt dieses Lied nun doch den Boden katholischer Frömmigkeit. Denn als Sünder brauchen wir nicht die Aufforderung, uns in der Sünde schön gemütlich einzurichten, sondern im Gegenteil den Ansporn, unsere Sünde zu bekennen – denn dann vergibt uns der Herrgott. Auch der Karnevalist sollte also nicht vergessen, daß zur Vergebung die Reue und das Bekenntnis nötig ist – und daß der Beginn der Fastenzeit gleichzeitig die gute Gelegenheit mit sich bringt, wieder einmal den unbequemen, aber notwendigen Weg zum Beichtstuhl einzuschlagen.

Zum Schluß seien noch dem Lied Schnaps, das war sein letztes Wort einige Gedanken gewidmet. Dieser bekannte Schlager offenbart eine echte Tragik, wenn man nicht nur den bekannten Refrain, sondern auch die einzelnen Strophen betrachtet: Der symphatische Trinker, der mit dem Ruf nach Schnaps auf den Lippen stirbt, fühlt sich im Himmel nicht wohl – denn dort serviert man ihm Milch – aber auch in der Hölle findet er keinen angemessenen Platz – denn dort gibt es nichts außer heißem Schwefel. Und schließlich endet es so: Und so irrt er durch das Weltall, voller Tränen im Jesicht, denn da wimmelts von Raketen, aber Kneipen jibt es nicht. Der Mensch auf der Suche nach Sinn und Erfüllung, der aber nur um sich selbst kreist und nur auf das vertraut, was Menschenweisheit und Menschenkraft zu leisten vermag, endet in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls – verschlossen in seiner Trauer, unerfüllt in seiner Sehnsucht, völlig allein. Eine unheimliche Vorstellung! Sorgen wir dafür, daß unser letztes Wort nicht „Schnaps“ lautet. Das letzte Wort, das unsere Lippen verläßt, sollte heißen: Mein Jesus, Barmherzigkeit.

In diesem Sinne: Prost! Ich wünsche ich Ihnen allen fröhliche Karnevalstage!  

Ihr und Euer Pastor Ulrich Filler

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Geistliches Wort: Jesus von Nazareth – einer den man kennen muss

Posted by Florian Seiffert - 28. Januar 2014

Dechant Pfarrer Michael Cziba mailt:

Geistliches Wort

Jesus von Nazareth – einer den man kennen muss, der mächtig war in Wort und Tat. Auch heute noch vermag seine Ausstrahlungskraft, seine Wort die Menschen zu erfassen. In unserer so technisierten und langlebigen Zeit und in unserem nicht gerade von tiefer Gläubigkeit durchzogenen Land sind, trotz aller Unkenrufe, auch junge Leute immer wieder neu fasziniert durch die Gestalt dieses Mannes aus Nazareth. Wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, wie Jesus in seinem Predigen und Wirken Hoffnung wecken und schenken konnte, das überzeugt, das macht nachdenklich angesichts der Oberflächlichkeit und Rücksichtslosigkeit unserer Zeit. Nur, bei aller Faszination, wird man nicht um die Frage nicht herumkommen: Wie ging das Ganze aus? Was hat er erreicht? Warum sollte das mit Jesus von Nazareth eigentlich noch von Belang sein, nachdem er augenscheinlich gescheitert ist? Die ersten Jünger, die die Kunde von seinem Schicksal als Frohe Kunde in die Welt getragen haben, wissen darauf nur eine Antwort: Der gekreuzigte und begrabene Jesus lebt! Gott hat ihn auferweckt. Ohne Ostern wäre die Geschichte Jesu keine heilsame Geschichte. Dass er mächtig in Wort und Tat war, das haben die beiden Emmausjünger selbst erlebt. Das ändert aber nichts an der tiefen Hoffnungslosigkeit, die sie umfängt nach seinem Ende am Kreuz. Mit dem Osterbekenntnis steht und fällt die ganze Hoffnung, die Menschen in Jesus setzen können. Natürlich haben wir moderne Menschen manchmal Schwierigkeit mit der Botschaft von der leiblichen Auferstehung Jesu. Entscheidend ist doch vielmehr die Bedeutung, die die Osterbotschaft für die Menschen damals wie auch heute hat – entscheidend ist, dass Jesus lebt und mitten unter uns lebendig ist, wie es auch die Jünger erfahren haben. Nun wäre das Evangelium ohne die persönliche Betroffenheit der Jünger gewiss nicht in die Welt gelangt. Wenn man aber die Auferstehungsbotschaft allein auf ihre Bedeutung für den je einzelnen reduziert, dann verliert man für die Deutung die geschichtliche Grundlage. Letzten Endes geht es ja darum, dass Gott gehandelt hat, dass die Auferstehung nicht bloß in einem Stimmungsumschwung der Jünger begründet ist. Die Emmaus-Erzählung gipfelt in dem Bekenntnis der Jüngergemeinde: Der Herr ist wirklich auferstanden. Da wird ausdrücklich die Tatsache der Auferstehung betont. Aus eigenem inneren Antrieb, das zeigt die Erzählung deutlich, hätten die beiden Emmaus-Jünger ihre Hoffnungslosigkeit nicht überwinden können. Der Osterglaube ist vielmehr ein Geschenk des auferstandenen Herrn, der die Seinen unerkannt begleitet und sie ganz behutsam zu dem Punkt führt, wo sie ihn erkennen. Und gerade darin scheint mir auch das Tröstliche für uns moderne Zweifler zu liegen. Der Osterglaube – das ist nichts, was wir aus eigener Kraft leisten, nichts, wofür wir unsere ganze Erklärungskunst aufbieten müssen. Wir dürfen vielmehr darauf vertrauen, dass ihn uns der auferstandene Christus selber schenkt. Und ebenso dürfen wir darauf vertrauen, dass uns der Herr auch in Zeiten, in denen wir ihn nicht erkennen, begleitet und nahe ist.
Darauf vertraue ich in meinem Leben und ich wünsche uns allen, dass der Osterglaube in uns wachse und erstarke.

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Ein wichtiger Punkt im Leben

Posted by Florian Seiffert - 28. November 2013

Das geistliche Wort von Dechant Pfarrer Michael Cziba für Weihnachten 2013:

Liebe Gemeindemitglieder!

Wir stehen wieder am Beginn des Advents und freuen uns auf Weihnachten. Wir werden in den nächsten Wochen wieder von Besinnung zu Besinnung eilen, alles notwendige Einkaufen und alles Vorbereiten, damit alles perfekt wird. Weihnachten ist für uns persönlich und für die Familie ein wichtiges Fest, ein wichtiger Punkt im Leben. Relativ unbeachtet von der Mehrheit der Gläubigen ist im Oktober das Jahr des Glaubens zu Ende gegangen, dass noch von Papst Benedikt dem XVI. ausgerufen worden ist. Die einzelnen Veranstaltungen, die hier bei uns in der Gemeinde stattgefunden haben, sind auch relativ unbeachtet geblieben. Wie im Evangelium Jesus uns gegenüber von der Glaubensstärke spricht, und uns damit die Frage nach unserer ganz eigenen Glaubensstärke stellt, waren wir aufgerufen unseren Glauben kritisch zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen. Manche Christen haben das im Laufe des vergangenen Jahres getan und werden das auch weiterhin tun. Weihnachten erinnert uns an eine wichtige Grundaussage unseres Glaubens. Gott wurde Mensch für uns. Gott wurde einer von uns. Einen größeren Liebesbeweis kann es nicht geben. Aber wir alle brauchen immer wieder Hilfe dies zu erkennen. Damals haben Engel die Hirten auf dieses wunderbare Ereignis hingewiesen und Engel und Menschen haben immer wieder andere Menschen darauf hingewiesen. Uns hilft auch immer wieder die Technik des Navis oder der entsprechenden Suchprogramme im Computer. Die Weisen, die von weit her kamen, leitete damals der Stern. Aber eins dürfen wir bei all unserem Suchen und Vergewisserung niemals vergessen. Von Anfang an ist Jesus ein Außenseiter. Einer, der sich an den Rand begibt, freiwillig, niemand drängt ihn dorthin. Dort, wo die anständige Gesellschaft nicht hinschauen will, wo sich keine Chance bieten, da will dieser Jesus zu Hause sein – von Anfang an. Und er hält diese Solidarität durch bis zum Ende, wo man ihn neben zwei Kriminelle hängt und ihm nicht einmal ein eigenes Grab bereithält. Das ist fest verschlossen, damit niemand kommt und mit staunenden Augen Gott findet. Und auch an Ostern, brauchen wir wieder Engel, die uns sagen, was unser Verstand nicht begreifen kann.
Gott ist Mensch geworden, einer von uns. Er war für alle Menschen da, besonders für die Notleidenden. Da sollten wir an Weihnachten und in unserem ganzen Leben nicht vergessen.

Liebe Gemeindemitglieder, auf diesem Wege möchte ich Ihnen, auch im Namen aller Seelsorger und aller Verantwortlichen in unseren Gemeinden, ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und ein gesegnetes Neues Jahr 2014 wünschen. Möge Gott Ihnen, allen Familienangehörigen und allen Freunden seinen Segen und seine Gnade auf dem Weg durch das nächste Jahr schenken.

Ihr
Dechant Pfr. Michael Cziba

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Wege für wiederverheiratet Geschiedene

Posted by Florian Seiffert - 8. Oktober 2013

Es tut sich was. Im Stadtanzeiger von heute findet sich der Artikel “Gut getarnte Revolution in der Kirche” von Joachim Frank. Auch andere Blätter berichten mehr oder weniger offen von einem Vorpreschen in Freiburg. Es geht um Änderungen beim Umgang mit wiederverheiratet Geschiedene. Das bisherige starre Nein der katholischen Kirche geht hin zu einer Einzelfallbetrachtung. Plötzlich spielt auch Barmherzigkeit eine Rolle. Das ist gut so!

Die Presse berichtet z.B. (sehr unvollständige Übersich):

Wie immer lohnt das Lesen der Originaldokumente. In Freiburg finden Sie alles leicht über Google und Co oder hier:

Johannes Paul II. schrieb: “Die Hirten mögen beherzigen, dass sie um der Liebe zur Wahrheit willen verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden.” Offenbar geht man in Freiburg nun den nächsten Schritt. Was wird sich bei uns in Köln tun? Joachim Frank schließt mit dem Satz: “Dass Katholiken in Köln oder Hamburg verwehrt bleiben sollte, was ihnen in Freiburg künftig erlaubt ist – das ist kaum vorstellbar.”

Florian Seiffert

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Was Christen zusammenhält

Posted by Florian Seiffert - 29. Mai 2013

Dechant Pfarrer Michael Cziba mailt:

Geistliches Wort zum Thema: Was Christen zusammenhält

Heutzutage, genauso wie zu allen Zeiten, wird immer die Frage gestellt: Was hält uns Christen eigentlich zusammen. Definieren wir uns über eine bestimmte Kirche, über einen bestimmten Wohnort oder durch eine besondere Sprache oder Kleidung. Was hält uns zusammen? Diese Frage wird umso dringender in unserer Großgemeinde, wo immer mehr Menschen viel mehr auf den eigenen Vorteil und den Vorteil der eigenen Kirche blicken. Wo die Frage des Miteinanders immer mehr in weite Ferne zu rücken scheint, und die Weichen, die für die Zukunft gestellt werden müssen, immer stärker in Frage gestellt werden. Daher möchte ich als Geistliches Wort bewusst einen Auszug aus dem Diognet-Brief an den Anfang unserer Pfarrkontakte stellen, die wie immer von gewesenem berichten und gleichzeitig einen Ausblick auf die Zukunft geben.
„Die Christen unterscheiden sich weder durch Heimat noch durch Sprache noch durch Brauchtum von den übrigen Menschen; sie bewohnen nirgends eigene Städte, bedienen sich keiner außergewöhnlichen Sprache und führen kein absonderliches Leben. Sie wohnen in den Städten der Griechen und der Barbaren [d.h. Nichtgriechen], wie das Schicksal es jedem zuteilt; sie fügen sich in die Sitten ihres Landes in Kleidung, Speise und übriger Lebensart. Sie wohnen im eigenen Vaterland, jedoch nur wie Beisassen, sie haben an allem Anteil wie Bürger und erdulden doch alles wie Fremdlinge. Jegliche Fremde ist ihnen Heimat, und jegliche Heimat Fremde. Sie verbringen ihr Dasein auf Erden, sind aber eingebürgert im Himmel. Nicht ein irdischer Fund ist ihnen anvertraut. Vielmehr hat der unsichtbare Gott von den Himmeln herab die Wahrheit und das heilige und unauslotbare Wort den Menschen eingegründet und es in ihren Herzen verwurzelt.“
Vielleicht können uns diese Worte etwas mehr Mut für die Zukunft und etwas mehr Verständnis für die notwendigen Veränderungen geben, damit wir doch wieder mehr aufeinander zu zugehen statt voneinander weg. Wir sollten uns in unserer Gemeinde überall zu Hause fühlen und dieses Gefühl auch allen anderen vermitteln.

Pfarrer Michael Cziba

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