Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Ruhe ist mehr als Nichts-Tun

Posted by Florian Seiffert - 8. Juni 2010

Politisch gibt es wohl in diesem Jahr kein Sommerloch: Die Verhältnisse sind zu brisant. Aber in unserem privaten Dasein ist in diesen Wochen bei Vielen Urlaub angesagt
So denke ich nach über das, was man „Ruhe“ nennt. In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Am siebten Tag ruhte Gott“, nachdem er in sechs Tagen die Welt erschaffen hatte, Die Bibelwissenschaftler erklären uns, dass dieser Schöpfungsbericht eigens dazu geschrieben wurde, dem Volk Israel die Sabbatruhe als strenges Gebot zu bestätigen. Was ursprünglich der Ruhe und Erholung diente, wurde durch die Ausleger bald zur Last. Ein frommer Jude darf bis heute am Sabbat kein Licht machen.

Der Tod / Grab Papst Alexander VII.

Man hilft sich mit Schaltautomaten. Es waren am Tag nur tausend Doppelschritte erlaubt. Findige Köpfe haben die Hausgrenze durch Steine erweitert, die sie von zu Hause mitnahmen: Mit jedem abgelegten Stein war halt die Hausgrenze erweitert.
Was hier als scheinbar sinnloses Gebot erscheint, erweist sich als große Lebensweisheit. Ein drastischer Spruch drückt das so aus: „Und am Ende grinst der Tod: kaputt gebrasselt, du Idiot.“

Wir erinnern uns noch mal an den Schöpfungsbericht, wo dem Menschen, der schuldig geworden war, der Fluch der Arbeit auferlegt wurde. Was wir als wirkliche Arbeit bezeichnen, ist also ein Fluch, etwas das nicht sein soll. Ruhe in einem bestimmten Sinn ist also die eigentliche Bestimmung des Menschen, wie er von Gott gedacht war. Ruhe heißt aber nicht Nichts-tun, sondern ohne äußeren oder inneren Zwang das Leben genießen. Wer allerdings einmal die Erfahrung gemacht hat: Nicht ist schwerer zu ertragen als ein Reihe von schönen Tagen, der ahnt, dass wir uns Gedanken machen müssen, was den Tag ausfüllen sollte. Es gehört dazu ein guter Rhythmus von Einsatz und Ausruhen. Wenn der Einsatz von Liebe und Begeisterung getragen ist und die Ruhe ohne Zwang auf den nächsten Einsatz entsprechend dem Willen Gottes zielt, haben wir es richtig gemacht.

Sonst sprechen wir von „Stress“. der nicht gut ist für Seele und Körper. Wer allerdings glaubt, in dieser Welt dem Stress ganz entgehen zu können, gerät früher oder später umso heftiger hinein.

Es ist kein leichtes Unterfangen, sein Leben so zu sortieren, dass es die nötige Ruhe findet und gleichzeitig einen guten Beitrag zu leisten bei der Vollendung der Welt. Denn das ist unsere Berufung. Ein vielleicht blödes Beispiel: Ein Kellner, der seine Gäste anmotzt, erfüllt ja zunächst seinen Dienst. Er dient den Gästen. Auf die Dauer wird das kein Arbeitgeber mitmachen. Dann beginnt für den Kellner der „Stress“.
Ich wünsche allen ein stressarmes Leben und, wenn Sie Urlaub machen, gute Erholung. Zusamen mit lieben Menschen sollte dies gelingen.

Rolf Schneider, Pfarrvikar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: