Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Die Hoffnung auf mehr freie Abende für pastorale Gespräche

Posted by Florian Seiffert - 27. Oktober 2010

Michael Cziba

Michael Cziba

Ein Interview mit Dechant Michael Cziba zur Fusion am 01.01.2011.

Lieber Michael! Am 01.01.2011 fusionieren Deine Gemeinden zu einer Gemeinde. Was wird sich für Dich durch die Fusion verändern?

Ich befürchte, es wird sich erstmal nichts verändern. Es bleiben die selben Kirchen, die selben Menschen und die selben Aufgaben. Es kommt eher mehr Arbeit, als Erleichterung. Es kommen mehr Gespräche mit Menschen, die zu sehr an dem „eigenen Kirchturm hängen“ und sich wünschen, dass alles so ist, wie es vor 50 Jahren war, als der Pfarrer einer Gemeinde noch mehr Zeit hatte.

Was wird sich verbessern?
Ich habe die Hoffnung auf mehr freie Abende. Diese möchte ich dann für pastorale Gespräche und Termine nutzen. Zur Zeit blockieren mich viele Verwaltungsaufgaben, die dann ab April 2011, wenn wir nur noch einen gemeinsamen Kirchenvorstand haben hoffentlich weniger werden.

Wo erwartest Du Probleme?
Probleme erwarte ich in der Akzeptanz der Traditionsvereine. Durch starre Festprogramme und vereinsinterne Notwendigkeiten, werden die Bedingungen, die eine Pfarrei stellt, oft nicht gesehen. Diese Probleme werden sich noch häufen, da in einigen Jahren nur noch ein Priester da sein wird. Jetzt noch mitarbeitende Kollegen sind dann in Rente und können dadurch nicht mehr eingeplant werden.

Was wird Dich im ersten Jahr mehr Zeit kosten als bisher, was wird Dich weniger Zeit kosten?
Eine oft genannte Verwaltungsentlastung besteht zur Zeit nur auf dem Papier. Wegen der KV-Wahl im März 2011, werde ich von Januar bis März erstmal alles alleine machen müssen, was bisher vier Kirchenvorstände gemacht haben. Dann arbeitet der neue Kirchenvorstnad sich erst einmal ein, was auch Zeit kosten wird. Man muss das erstmal abwarten.
Ich hoffe, dass es nicht so schlimm wird, wie man aus anderen Fusionsgemeinden hört. Ich bin aber auf das Schlimmste eingestellt.

Welche nächste größere Veränderung in der Struktur der Gemeinden erwartest Du? Wann?
Die jetzige Gemeindezusammenlegung soll 50 Jahre halten, offiziell. Ich gehe davon aus, dass sich Strukturfragen in der Stadt immer wieder neu stellen, da aufgrund von Wegzug und Sterbefällen sich Seelsorgeeinheiten verkleinern. Gemeinden unter 3000 Seelen werden wohl mit Nachbargemeinden fusioniert werden.
Es wird sich auch die Frage stellen: Was kann sich Kirche noch leisten? Schwierig wird der Erhalt der kirchlichen Gebäude, die wir heute haben. Ich rechne mit einer neuen Sparwelle in den nächsten 10 Jahren aufgrund der wegbrechenden Kirchensteuereinnahmen und der mangelnden Spendenbereitschaft für Projekte vor Ort.

Wenn Dir als Fusionsgeschenk eine Bitte an die Gruppierungen erfüllt würde, welche wäre das?
Ich wünschte mir die Bereitschaft sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und das Vereins- und Gemeindeleben zu unterstüzen und zu erneuern.

Wenn Dir eine Bitte an die Gläubigen erfüllt würde, was wäre das?
Mehr Offenheit für die Notwendigkeiten, die nicht zu umgehen sind statt dem Beharren auf dem Status Quo.

Wenn Dir die Kirche von Köln eine Bitte erfüllen würde – ega welche – was wäre dies?
Mein größter Wunsch: Die zuästzliche Arbeitsbelastung eines Dechanten sollte durch zusätzliches Untersützungspersonal (Kaplan) aufgefangen werden. Unter meinen Abwesenheiten würde die Gemeinde dann weniger leiden.

Wenn Du mehr Zeit hättest, was würdest Du tun?
Ich würde Bücher lesen, die seit Jahren im Regal stehen und auf mich warten. Ich würde mehr Zeit in Themen investieren, die mir seit meinem Studium besonders am Herzen liegen. Zum Beispiel Kirchengeschichte und Cariatasarbeit. Und ich würde mich um die Wiederbelebung von Gottesdienstformen ohne Priester kümmern.

Ich möchte noch ein Resümee nennen. Ich wünsche mir, dass wir trotz der notwendigen Veränderungen offen miteinander umgehen, d.h. wirklich den Anderen zu Wort kommen lassen, die eigene Meinung sagen, andere Meinungen gelten lassen und die Bereitschaft zeigen Kompromisse einzugehen.

Lieber Michael, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, mit den Pfarrkontakten zu sprechen.

Die Fragen stellte Florian Seiffert

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