Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Rundbrief P. Oskar Wermter SJ

Posted by Florian Seiffert - 17. Februar 2012

Frau Wermeter mailt den Rndbrief:

P.Oskar Wermter SJ, St. Peter’s Mbare, P.O.Box194, Southerton, Harare, owermter@zol.co.zw, 16. Februar 2012.
– EIGENVERANTWORTUNG. –

LIEBE FREUNDE!
Gefangenenchöre gibt es in der Oper. Doch am 11. Dezember 2011 kamen zwei Chöre, einer von Männern und einer von Frauen, aus dem großen Chikurubi-Gefängnis zu unserer Gemeinde und nahmen am Gottesdienst teil. Gefangene lasen die Lesungen. Drei von ihnen erzählten der großen Gemeinde, so um die 1 300 Leute, aus ihrem Leben, was sie ins Gefängnis brachte und wie sie nun in langen Gefängnisjahren als Christen leben. Eine junge Frau erschlug im Zorn ein Kind und büsst nun 20 Jahre. – Die Chöre begeisterten. Ein Chorleiter, zugleich Tänzer und Sänger, könnte in der Freiheit ein Star sein. Das Mittagessen gab uns Gelegenheit, die Gefangenen kennen zu lernen. Für jeden gab es einen Geschenkbeutel mit nützlichen Sachen. Der methodistische Gefängnisgeistliche, der sie begleitete, gab zu bedenken: ‘Jeder kann mal im Gefängnis landen, auch unschuldig.’ In Zimbabwe ist das nur zu wahr. ‘Und nehmt Euch der entlassenen Strafgefangenen an. Gebt ihnen eine Chance. Sonst sind sie bald wieder in Chikurubi’. – Die Gemeinde hatte so großzügig gespendet, dass eine Gruppe am folgenden Sonntag mit dem Übriggebliebenen zu einem vernachlässigten Gefängnis aufs Land fahren konnte. Ich brauchte nichts aus der Pfarrkasse beizusteuern. – Elternlose Kinder, Alte und Kranke kamen zu unserer Weihnachtsfeier, viele Hunderte. Alle mussten bei der Essensverteilung mithelfen. Selbst der Pfarrer konnte sich nützlich machen. Hier brauchten wir die Hilfe unserer Freunde, um alle satt zu bekommen. T-Shirts aus Paketen aus Deutschland und England brachten viel Freude. Und natürlich mussten wir erklären, welches Kind wir besonders zu Weihnachten feiern, zusammen mit allen anderen Kindern.

Die Politiker streiten sich, ob dieses Jahr Wahlen abgehalten werden können (Antwort: nicht ohne eine neue Verfassung und neue und faire Wahlgesetze!). Unsere Gemeinde hat die Wahlen bereits hinter sich. Viele neue Gesichter sind unter den neuen Leitern der kleinen christlichen Gemeinschaften/Nachbarschaftsgruppen. Wer schon zweimal gewählt worden ist, kann nicht noch einmal antreten. Wir wollen keine “Präsidenten auf Lebenszeit”. Wir brauchen neues Blut.

An diesem Samstag treffen wir uns mit den “Neuen” (und ein paar “Alten”), um sie in ihre Aufgaben einzuführen: Nachbarschaftshilfe im Todesfall, Sorge um die Kranken und der Kirche Entfremdeten, Hilfe bei Ehekrisen und Familienkonflikten, wöchentliche Gebetskreise. –

Dieses Jahr zählen wir die Gemeindemitglieder. Der Kirchenbesuch liegt in den zwei Kirchen und vier Sonntagsmessen bei 2 500. Die neue Führung muss die Mitchristen ausfindig machen, die am Sonntag nie oder nur sehr selten kommen, und Neuankömmlinge willkommen heißen.

Zum Beginn des neuen Schuljahres Anfang Januar konnten wir arbeitslosen Vätern und Mütter dank der Spenden unserer Freunde mit dem Schulgeld für ihre Kinder helfen (vorzugsweise nur 50 %). Da ist zum Beispiel Joy (“Freude”) Mubvumbi. Die schmächtige Sechzehnjährige hat vier Fächer im Examen bestanden, aber sie braucht fünf (Mathematik), um bis zu Universitaetsreife weitergehen zu können. Sie war lange krank gewesen. Ihre Freundin starb an AIDS, Joy kam mit dem Leben davon. Aber sie muss starke Medikamente nehmen, immer von einer Spezialklinik überwacht. Sie will ein normales Leben führen und einen Beruf lernen. –

Am vergangenen Sonntag brachten Freiwillige aus der Gemeinde sonst bettlägerige Kranke mit ihren Autos zur jährlichen Messe für die Kranken. An anderen Sonntagen erhalten sie die Hl. Kommunion von unseren Helfern zuhause. Nach der Messe gab es ein Frühstück für alle, 70 an der “Neuen Kirche” und 30 an der “Alten Kirche”. Alles war vom Gemeinderat organisiert und von den Gläubigen bezahlt worden. Wir machen Fortschritte in Eigenverantwortung. Meist sind es die Frauen, die die Arbeit tun, aber bei dieser Gelegenheit kamen auch die Männer zum Zug. – Diese Woche bauen die Männer Gerüste in der Kirche auf, um die ausgebrannten Lampen an der hohen Decke auszutauschen. Außerdem werden sie die Fensterscheiben säubern. Die Männer sind auch verantwortlich für alle Reparaturen, die leider sehr oft notwendig sind. – Wir sind im Übergang: wenn ich die Gemeinde an einen jungen einheimischen Mitbruder übergebe (kann noch 2 – 3 Jahre dauern, wer weiß?), soll es eine eigenverantwortliche Gemeinde sein, die sich selbst unterhält. – Auch die Jugend muss darauf vorbereitet werden. Sie machen die Zählung der Gottesdienstbesucher (drei Mal, dann nehmen wir den Durchschnitt). Mit Hilfe großzügiger Spenden aus dem Erzbistum Köln können wir eine Jugendbücherei anfangen. Der Wunsch dazu kam von einer Tagung der Jugendführer im September 2011. Es wird ein Lernprozess sein, die Bücher und DVDs genau zu katalogisieren und dann ihre Verwendung zu überwachen, damit nichts verloren geht. Das Informationsmaterial soll auch ihren Glauben vertiefen und ihnen Weisung geben in strittigen Fragen. Das ist auch der Zweck der Vorlesungen über die Evangelien, die P. George Bwanali SJ jeden Samstagnachmittag hält, für alle, die interessiert sind, aber besonders für die Katecheten. Die ältere Generation behauptet, in Afrika gibt es keine Säkularisierung, der Glaube an Gott sei für sie selbstverständlich. Bei den Jungen ist das nicht so klar: drei Millionen Zimbabwer leben und arbeiten in westlichen Ländern. Die “neuen religiösen Bewegungen” mit ihrem “Evangelium des Wohlstands” und ihrem Schaugeschäft, sind für viele attraktiv.

Die Weltwirtschaftskrise hat auch “Jesuit Communications” erreicht. Die finanzielle Basis ist nicht mehr so sicher, wie sie es einst war. Gute Freunde halten uns über Wasser. Aber wir müssen auch selber etwas tun. In der Fastenzeit werden wir unsere Leser bei vier Vortragsveranstaltungen im Arrupe College (unsere Philosophische Fakultät) treffen und für größere Unterstützung “ihrer” Zeitschrift “Mukai” werben. Die Themen sind: Jugend und Kirche, Kirche und der Hexenglaube, die neuen Sekten, Ehe und Familie: Alleinerziehende und zerrissene Familien.

In der Gemeinde wird das große Thema sein: Versöhnung. Das ist ein Thema auf Landesebene: politische Gewalt ist noch längst nicht ausgerottet. Es ist aber auch ein Thema in den Familien und in der Nachbarschaft, in Kirche und Gemeinde. Manche jungen Ehepaare können nicht kirchlich und zivil heiraten, weil ihre Familien sich streiten. Wenn ein Mann stirbt, kommen seine Brüder und übernehmen das Haus: die Witwe und ihre Kinder werden brutal auf die Strasse geworfen. Armut macht nicht tugendhaft. Ganz im Gegenteil, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot zerstören Beziehungen. Missgunst und Hass toben sich offen aus.

Am Aschermittwoch empfangen Tausende das Aschenkreuz : wie viele empfangen es wirklich als Zeichen der Busswilligkeit und Umkehr? Für alles Übel muss ein Sündenbock gefunden werden. Wer unbeliebt ist, wird der Hexerei bezichtigt und ausgeschlossen. Wogegen P. Friedrich von Spee SJ im siebzehnten Jahrhundert in Deutschland gekämpft hat, hier ist es noch Wirklichkeit. – Bei jeder Hl. Messe geben sie einander die Hände als Zeichen des Friedens, und doch gibt es böse Gerüchte und Argwohn. (Wegen der Typhus-Epidemie wollen manche lieber von dem Handschlag absehen. Das muss das Liturgie-Komittee entscheiden).

Nun darf ich Euch noch meinen Dank aussprechen für alle Freundschaft, Interesse an unserer Arbeit, Gebeten und allen Spenden.

Mit allen guten Wünschen für die Fastenzeit und ein Gesegnetes Osterfest
Euer Oskar Wermter SJ

PS: Konto “Jesuitenmission” Nr. 5115582 Ligabank BLZ 75090300
Stichwort: 4172 Wermter Simbabwe

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