Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Schnaps, das war sein letztes Wort!

Posted by ufiller - 30. Januar 2014

Jetzt geht es langsam richtig los mit dem Karneval: Uns erwarten Pfarrsitzungen, Kindersitzungen, Jugendsitzungen und Kostümbälle! Jetzt stimmen wir wieder gerne ein, wenn die beliebten Karnevals- schlager gesungen werden. Und bei näherem Hinsehen können wir augenzwinkernd einige höchst interessante Beobachtungen machen:

Der liebe Gott weiß, daß ich kein Engel bin, so‘n kleiner Teufel steckt doch in jedem drin! wird da etwa behauptet. Wird hier nicht eine wahrhaft katholische Sichtweise des von der Erbsünde gezeichneten Menschen zitiert? „Ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.“ Mit diesen Worten beschreibt der heilige Paulus im Römerbrief die uns allen wohlbekannte Zerrissenheit des Menschen (18f.) Der Mensch ist eben weder ganz gut und engelgleich, noch ganz und gar böse und unfähig, von alleine das Gute zu sehen und zu wollen. Es fällt uns schwer, das Gute zu tun; es fällt uns leicht, das Böse zu tun – immer steht unser Leben unter dem Leitwort: Kehrt um! – mit dem Jesus sein öffentliches Wirken beginnt (Mt 4,17). Und wenn dasselbe Lied singt: Liebe, Sünde, Leidenschaft, das ist meine Welt, dann scheint das doch eine exakte Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft zu sein, in der die Sünde salonfähig geworden ist und viele sich von ihren Leidenschaften treiben lassen. Als Christen dürfen wir freilich nicht stolz auf diese Zustände sein – und unser Rezept heißt nicht nur Umkehr, sondern auch Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes. Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin! So endet der Refrain – und das soll keine Ermunterung sein, die Sache nicht ganz so ernst zu nehmen, sondern darf von uns als Aufforderung verstanden werden: Auch und gerade als gottgeliebte Sünder dürfen wir der Barmherzigkeit Gottes vertrauen und uns ihr ganz übergeben.

Einen völlig anderen Standpunkt vertritt der Schlager Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind, weil wir so brav sind…  Das glauben selbst die Narren, nicht, die diese Zeilen lauthals singen. Und zwar nicht nur deshalb, weil wir bei ehrlicher Selbstprüfung feststellen müssen, daß wir keineswegs so brav sind, wie wir singend behaupten. Sondern vor allem deshalb, weil es eine ganz unkatholische Forderung ist, sich selbst durch das Bravsein den Himmel zu verdienen. Das führt uns nur in einen unerbittlichen und unersprießlichen Moralismus. Nein, den Himmel können wir uns nicht verdienen: nur schenken lassen können wir uns ihn. Jeder Mensch braucht mehr Liebe, als er verdient – als er verdient hat und als er sich jemals verdienen könnte. Weil Gott uns aber viel mehr liebt, als wir uns vorstellen und verdienen könnten, brauchen wir nur eines zu tun: Dieses großartige Geschenk auch anzunehmen.

In die Reihe der Lieder, die unsere Situation realistisch erfassen, gehört auch der Schlager: Wir sind alle kleine Sünderlein,‘s war immer so, ‘s war immer so. Sehen wir von der verniedlichenden Verkleinerungsform ab, können wir uns an den 1. Johannesbrief erinnern, in dem es heißt: „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1,8) Auch der nächsten Liedzeile können wir zustimmen: Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeihn, ‘s war immer so, ‘s war immer so. Auch das entspricht dem Johannesbrief: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ (1,9) Doch muß uns der weitere Verlauf des Liedes bedenklich stimmen: Denn nach dem Motto: Wenn es am Ende sowieso heißt: Schwamm drüber, alles ist egal – dann können wir jetzt und hier machen, was wir wollen. Und damit verläßt dieses Lied nun doch den Boden katholischer Frömmigkeit. Denn als Sünder brauchen wir nicht die Aufforderung, uns in der Sünde schön gemütlich einzurichten, sondern im Gegenteil den Ansporn, unsere Sünde zu bekennen – denn dann vergibt uns der Herrgott. Auch der Karnevalist sollte also nicht vergessen, daß zur Vergebung die Reue und das Bekenntnis nötig ist – und daß der Beginn der Fastenzeit gleichzeitig die gute Gelegenheit mit sich bringt, wieder einmal den unbequemen, aber notwendigen Weg zum Beichtstuhl einzuschlagen.

Zum Schluß seien noch dem Lied Schnaps, das war sein letztes Wort einige Gedanken gewidmet. Dieser bekannte Schlager offenbart eine echte Tragik, wenn man nicht nur den bekannten Refrain, sondern auch die einzelnen Strophen betrachtet: Der symphatische Trinker, der mit dem Ruf nach Schnaps auf den Lippen stirbt, fühlt sich im Himmel nicht wohl – denn dort serviert man ihm Milch – aber auch in der Hölle findet er keinen angemessenen Platz – denn dort gibt es nichts außer heißem Schwefel. Und schließlich endet es so: Und so irrt er durch das Weltall, voller Tränen im Jesicht, denn da wimmelts von Raketen, aber Kneipen jibt es nicht. Der Mensch auf der Suche nach Sinn und Erfüllung, der aber nur um sich selbst kreist und nur auf das vertraut, was Menschenweisheit und Menschenkraft zu leisten vermag, endet in der unendlichen Einsamkeit des Weltalls – verschlossen in seiner Trauer, unerfüllt in seiner Sehnsucht, völlig allein. Eine unheimliche Vorstellung! Sorgen wir dafür, daß unser letztes Wort nicht „Schnaps“ lautet. Das letzte Wort, das unsere Lippen verläßt, sollte heißen: Mein Jesus, Barmherzigkeit.

In diesem Sinne: Prost! Ich wünsche ich Ihnen allen fröhliche Karnevalstage!  

Ihr und Euer Pastor Ulrich Filler

Eine Antwort to “Schnaps, das war sein letztes Wort!”

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