Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Paradox! Gedanken zum 6. 2. (hl. Paul Miki und Gefährten)

Posted by ufiller - 5. Februar 2014

Das Christentum ist auf den ersten Blick eine paradoxe Religion. Alles wird auf den Kopf gestellt, die uns normal erscheinenden Maßstäbe des Lebens gelten nicht mehr. Oder wie soll man es anders nennen, wenn in der Bergpredigt die Armen, die Trauernden, die Hungernden und Dürstenden, die Beschimpften und Verfolgten seliggepriesen werden? Ist nicht Reichtum und Freude, eine gut gedeckte Tafel, Bestätigung, Lob, Liebe und Freundschaft genau das, was unser Leben lebenswert macht, was ihm Gewicht, Tiefe und Sinn verleiht? Und jetzt soll das genaue Gegenteil gelten? Was ist das für eine paradoxe, ja lebens- und menschenfeindliche Religion? Lebens- und menschenfeindlich wäre unser Glaube tatsächlich, wenn es darum ginge, Armut und Trauer, Hunger und Durst, Beschimpfung und Verfolgung als erstrebenswerten Wert an sich zu bezeichnen; so, als wäre es wünschenswert, daß wir alle arm und traurig, hungrig und durstig sind und beschimpft und verfolgt werden. Doch das ist nicht gemeint! Im Gegenteil: Das Paradoxe des Christentums schenkt uns einen weiteren Horizont, eine größere Perspektive. Sie zeigt uns eine größere Wirklichkeit, die unsere sinnlich wahrnehmbare Welt übersteigt. In dieser größeren Perspektive des Christentums erkennen wir: Unser Streben nach Reichtum und Freude, nach Liebe und Freundschaft, kurz gesagt: unser Streben nach Glück findet in dieser Welt, in diesem Leben keine endgültige Erfüllung. Bereits Nietzsche wußte: jede Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Aber das, was wir in diesem Leben an Glück erhaschen können, bleibt immer flüchtig, fragil, zerbrechlich und wird uns über kurz oder lang aus der Hand geschlagen. Immer steht in jedem Leben das Leid, das Kreuz, der Tod am Ende. Die große Perspektive des Christentums zeigt uns: Unser Gott will uns nicht in diesem, kurzen Leben glücklich machen – er will uns pures Glück und tiefste Freude, Erfüllung und Ekstase in Ewigkeit schenken, für immer. Und wenn in der Bergpredigt paradoxerweise die Armen, die Trauernden, die Hungrigen und Durstigen seliggepriesen werden, dann geschieht es deshalb, weil es den Glücklichen und Satten, den Geliebten und Erfüllten oft so schwer fällt, die größere Perspektive des Chistentums, die Wirklichkeit hinter der sinnlich wahrnehmbaren Realität, zu erkennen. An den Grenzen unseres Lebens, da, wo es brüchig ist, da, wo die Scherbenhaufen liegen, da, wo es mißlingt, da ist es viel einfacher, die größere Wirklichkeit zu erkennen. Deshalb werden die Menschen seliggepriesen, die die Grenzen des Lebens aushalten müssen. Und niemand sage, dies sei doch nur ein billiger Trost für all die, die es nicht so gut haben im Leben. Es ist kein billiger Trost, weil unser Gott selbst es vorgemacht hat: Er ist Mensch geworden, nicht um satt und glücklich zu werden, um in Freuden und mit Freunden und Familie ein schönes, erfülltes, gemütliches Leben zu leben und die anderen, die es schlechter angetroffen haben, mit dem Hinweis auf die Ewigkeit zu vertrösten. Nein, er ist Mensch geworden, um in die Grenzen des Lebens hineinzugehen, um sie auszuhalten und um schließlich die letzte Grenze, Leid und Sterben und Tod zu überwinden und so für alle Menschen aller Zeiten die große Perspektive zu öffnen, die letzte Wirklichkeit, die uns nach unserem kurzen Leben erwartet. Jesus Christus ist diesen Weg vor uns gegangen, er ist uns vorausgegangen und deshalb kann er uns auf diesem Weg begleiten, führen und tragen. Er hat gezeigt, wie es geht: Er ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, aber genau deshalb nicht allein bleibt, sondern reiche Frucht bringt (Joh 12,24). Er ist in Person das Paradoxe des Christentums, und er lädt uns ein, ihm zu folgen und die allgemein-menschlich geltenden Maßstäbe unseres Lebens auf den Kopf zu stellen: „Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt geringachtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“ (Joh 12,25) Dieser Einladung sind die Menschen gefolgt, die wir am heutigen Tag als Märtyrer verehren: Im 16. Jahrhundert haben 26 Christen in der furchtbaren Christenverfolgung in Japan ihr Leben hingegeben für den Glauben. Sie wurden gekreuzigt und verbrannt und noch vom Kreuz herab hat der heilige Paul Miki den Glauben verkündet. Diese Christen haben aus der größeren Perspektive heraus gelebt. Sie haben um die Wirklichkeit der Ewigkeit gewußt, die uns erwartet. Sie haben sich mit Jesus Christus verbunden, der ihnen auf dem Weg des Leidens und des Kreuzes vorausgegangen ist und sie haben gewußt, daß Jesus ihnen dann besonders nahe ist und sie trägt, wenn sie selber Leid und Kreuz ertragen und aushalten müssen. So haben sie ihr Leben in dieser Welt geringgeachtet, um es für die Ewigkeit zu gewinnen.
Nun, und was ist mit uns? Sehr wahrscheinlich sind wir „normale Christen“ nicht zum Martyrium berufen. Wir sollen nicht mit unserem Blut Zeugnis ablegen von Christus. Aber die Grundhaltung ist doch ganz dieselbe, darin sollen wir den japanischen Märtyrern gleichen wie ein Ei dem anderen: Wir sollen uns immer wieder um die größere Perspektive bemühen und das Paradoxe unseres Glaubens bejahen. Wir sollen dankbar sein für Reichtum und Freude, für den gedeckten Tisch, für Freundschaft und Liebe. Wir sollen all das als Geschenk entgegennehmen und mit anderen teilen. Und vor allem sollen wir wissen: das alles ist nur ein matter, unscheinbarer Abglanz von dem großen Glück, das uns einst erwartet. Wir müssen bereit sein, all das Loslassen zu können, wenn denn die Zeit kommt. Wir müssen darauf vertrauen, daß Christus uns ganz nahe ist, wenn wir an die Grenzen unseres Lebens stoßen, wenn es wehtut und wir uns aufbäumen wollen. Dann wollen wir uns in die Hand des Herrn geben, uns an ihm festklammern und nicht aufhören, uns zu ihm zu bekennen.

Starker Gott,
du bist die Kraft der Heiligen,
du hast den heiligen Paul Miki und seine Gefährten
durch das Martyrium am Kreuz
zur ewigen Herrlichkeit geführt.
Hilf uns auf die Fürbitte dieser Heiligen,
Christus, dem Gekreuzigten, nachzufolgen
und ihn bis zum Tode gläubig zu bekennen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

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