Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Gott verflucht den Menschen !?

Posted by ufiller - 6. April 2014

In der Fastenzeit hören wir in der Messfeier immer wieder die Botschaft der Propheten. Eine eindringliche Lesung stammt aus dem Buch des Propheten Jeremia (17,5-10). Dieser wurde bereits als junger Mensch von Gott zum Propheten berufen und hat sein ganzes Leben diesem Dienst gewidmet.  Wie kein Zweiter hat er sich in diesem Dienst förmlich aufgerieben. Größter Jubel und größte Verzweiflung, Euphorie und Depressionen, das Ringen und Hadern mit Gott und den Menschen, die seine Botschaft nicht verstehen und annehmen wollen – die ganze Bandbreite menschlichen Fühlens finden wir in den Texten des Jeremia. Fluch und Segen, Heil und Unheil, Tod und Leben – dieser Gegensatz bestimmt auch diese Lesung:
„So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.“
Ein hartes Wort. Gott verflucht den Menschen! Worum es im Wesentlichen geht, steht wie ein Angelpunkt des ganzen Abschnitts im Zentrum des Textes: Verflucht der Mann, dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Hier haben wir die entscheidende Frage unseres Lebens, die Frage, die uns in den Tagen der österlichen Bußzeit wieder von neuem eindringlich vorgelegt wird: Wie ist es um dein Herz bestellt? Wohin wendest du dein Herz? Woran hängst du dein Herz? Wer oder was hat Platz in deinem Herzen? Für wen öffnest du es? Wenn sich unser Herz von Gott abwendet, kann er es nicht mehr füllen mit seiner Liebe, seiner Barmherzigkeit, seinem Leben. Das Herz, das sich von Gott abwendet, entscheidet sich für den Tod. Es verflucht sich selbst. Und wer nicht in Gott ruht, wer nicht auf ihn vertraut, wer nicht als gottgeliebter Sünder aus seiner Liebe heraus lebt, der braucht andere Krücken und Stützen – doch kein Mensch, auch nicht der liebste, kann den Schöpfer und Herrn aller Dinge ersetzen. Das Leben wird zur harten Steppe, zum dürren Wüstenboden, zum salzigen Land. Der Mensch gleicht einem kahlen Strauch in unwirtlicher Gegend, vertrocknet und unfruchtbar. Das ist ein schönes Bild für die Betrachtung, die eigene Gewissenserforschung: Wenn ich mir die Landschaft meines Lebens vorstelle – wo finde ich da die Wüste, die leeren, unfruchtbaren Stellen, wo finde ich das salzige Land des Egoismus, der Ichbezogenheit, der Selbstverliebtheit; wo finde ich die Steppe der Schuld, des Stolzes, des Nicht-Verzeihen-Könnens?
Doch neben den Fluch stellt der Prophet die Zusage des Segens:
„Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“
Wenn das Herz des Menschen offen ist für die Liebe und das Leben Gottes, gleicht er dem fruchtbringenden Baum am lebensspendenden Wasser. Das Wasser ist ein Bild für den Lebensstrom der göttlichen Gnade, die unser Leben unablässig fruchtbar macht. Der Mensch, der sein Herz für Gottes Liebe geöffnet hat, verfügt über eine ungeheure Möglichkeit: Er kann diese Liebe nehmen und er kann damit beginnen, seinen Alltag mit dieser Liebe zu füllen. Alles, was er tut, und sei es noch so winzig, banal und unbedeutend, kann er mit dieser Liebe und aus dieser Liebe heraus tun und auf diese Weise selbst die Probleme und Schwierigkeiten, die Widerwärtigkeiten des Alltags und sogar das Kreuz in all seinen Formen in etwas Schönes und Kostbares verwandeln. Wie viele Menschen leiden unter dem Gedanken, nichts mehr tun zu können? Wenn man alt und gebrechlich ist, gequält von Krankheit und Schmerz, wenn man eingeschränkt ist in seiner Mobilität oder ans Bett gefesselt, wenn man angewiesen ist auf die Hilfe und den Dienst anderer – gerade dann, wenn es so scheint, als könne man gar nichts mehr leisten und tun, gerade dann kann man wie ein Baum sein, der am Wasser der göttlichen Gnade und Liebe gepflanzt ist und der alles, was ihm widerfährt, mit Hilfe der göttlichen Liebe zu einer wunderbaren Frucht machen kann, zu einer Frucht, die anderen zugute kommt. Hier finden wir die Quelle einer Kraft, die buchstäblich die Welt verändern kann!
Unsere Lesung schließt mit einer Warnung, die auf eine gute Menschenkenntnis schließen läßt:
„Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu vergelten, wie es sein Verhalten verdient, entsprechend der Frucht seiner Taten.“
Ja, wir sind unverbesserlich und arglistig ist unser Herz. Wir sind wahre Meister darin, uns selbst etwas in die Tasche zu lügen, uns etwas vorzumachen, den Balken im eigenen Auge zu ignorieren und nach dem Splitter im Auge unseres Nächsten zu suchen. Verlassen wir uns nicht auf uns selbst! Vertrauen wir auf den himmlischen Vater! Übergeben wir ihm unser Herz, halten wir nichts zurück. Bitten wir ihn, es zu formen, es neu zu gestalten nach dem Herzen seines Sohnes. Dann wird er, der uns besser kennt, als wir uns selbst kennen, unser Herz immer mehr zu sich hinwenden, er wird unser Leben mit seiner Liebe erfüllen und es Frucht bringen lassen. Und dann werden wir auch im Gericht bestehen. Denn dort lautet die entscheidende Frage nicht: Was habe ich alles Frommes geleistet? Die entscheidende Frage lautet: Habe ich zugelassen, daß Gott mein Herz berührt? Habe ich zugelassen, daß er mein Leben mit seiner Liebe erfüllt? Habe ich zugelassen, daß er mir ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt?
Schauen wir auf Maria, die Mutter des Herrn. In ihr sehen wir den Menschen, dessen Herz ganz bei Gott war, der ganz und gar von seiner Liebe erfüllt war. Lassen wir uns von ihr an die Hand nehmen. Sie begleitet uns, sie beschützt uns, sie tröstet uns und macht uns Mut, sie birgt uns unter ihrem Schutzmantel und führt uns immer wieder zu ihrem Sohn Jesus Christus, der uns auch heute seinen Segen schenkt.

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