Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Der Name ist Programm

Posted by ufiller - 11. April 2014

In der Lesung Gen 17,1a.3-9 wird von dem Patriarchen Abraham berichtet. Das erste Buch der Bibel erzählt seine Geschichte. Vor Abraham erzählt die Heilige Schrift die Urgeschichte von der Schöpfung der Welt und des Menschen, von  Adam und Eva, Kain und Abel, Noah und der Sintflut und dem Turmbau zu Babel. Die Menschheit hat das Paradies verloren, die Gemeinschaft mit Gott, das ewige Leben und in der babylonischen Sprachverwirrung wurde auch die Gemeinschaft der Menschen untereinander schwer gestört. Gott aber gibt nicht auf. Er will Heil und Rettung schenken und er beginnt damit, einen Plan zu verwirklichen, an dessen Beginn ein Mann steht. Dieser Mann wird von Gott gerufen. Er soll seine Heimat verlassen, denn Gott will einen Bund mit ihm schließen. Ursprünglich hieß dieser Mann Abram. „In jenen Tagen erschien der Herr dem Abram. Abram fiel auf sein Gesicht nieder; Gott redete mit ihm und sprach: Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham – Vater der Menge – wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt. Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen; Könige werden von dir abstammen. Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein. Dir und deinen Nachkommen gebe ich ganz Kanaan, das Land, in dem du als Fremder weilst, für immer zu Eigen, und ich will ihnen Gott sein. Und Gott sprach zu Abraham: Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation.“ Die Bedeutung dieses neuen Bundes, dieses neuen Anfangs der Heilsgeschichte kommt in dem Namenswechsel zum Ausdruck: Aus Abram wird Abraham. Abram setzt sich aus ´ab (Vater) und rām (hoch, erhaben) zusammen, hat also die Bedeutung: der Vater (oder: mein Vater) ist erhaben. Die Erweiterung des Namens zu Abraham gibt Zeugnis von der Verheißung Gotts. Die Silbe -ham verweist auf  das Wort hāmōn (Menge). Im Namen wird der Auftrag angedeutet. Abraham soll eine unzählbare Schar von Nachkommen haben, er soll Vater einer Menge, einer Masse von Völkern werden. Auch Abrahams Frau Sarai erhält einen neuen Namen. Auch hier geht es nicht um einen völligen Namenswechsel, sondern um eine kleine Änderung: Sarai ist eine altertümliche Form von Sara, beides bedeutet „Herrin“ oder „Fürstin“. Durch die neue Namensform wird die Berufung Saras herausgestellt: Sie soll die Stammmutter von Königen, gemeinsam mit Abraham Ursprung vieler Völker werden.
Der Name ist Programm! Immer wieder stoßen wir auf diesen Zusammenhang. Simon, der erste der Apostel, erhält von Jesus einen neuen Namen: Simon, der Felsenmann, Simon Petrus. Denn er ist der Fels, auf dem die Kirche erbaut wird. Und noch heute wird bei der Wahl eines neuen Papstes mit Spannung erwartet, wie er sich nennen wird. Und als zur Überraschung vieler der Kardinal aus Argentinien auf den Balkon des Petersdomes trat, da war seine Namenswahl auch Programm. Sie weist auf ein Pontifikat im Geiste des hl. Franz von Assisi hin.
Der Name ist Programm! Das gilt auch vom Gottesnamen selbst. Abraham erfährt ihn noch nicht. Erst Mose hat die Offenbarung am Dornbusch, der brennt und doch nicht brennt. Dort offenbart Gott seinen Namen: Jahwe – Ich bin der „Ich-bin-da“. Jahwe ist der, der da ist, der sein Volk begleitet. Das ist der Name, unter dem das Volk Israel ihn anrufen darf, und bis heute erweist das Volk der Juden dem Gottesnamen den größten Respekt. Der Alte Bund wird im Neuen Bund erfüllt. Von Jesus wird im Philipperbrief gesagt: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,9ff.) Durch Taufe und Firmung gehören wir in der Kirche zu der Gemeinschaft derer, die den Namen des Herrn anrufen dürfen. Unsere Antwort auf unsere Berufung zum Glauben ist die Anrufung des Gottesnamens durch Jesus Christus, mit dem Namen, den der Vater zum Namen des Heils gemacht hat: Jesus, Je-schua heißt: Jahwe rettet! Und Christus heißt: Der Gesalbte, der vom Heiligen Geist erfüllte Messias, der Herr. Indem wir in der Gemeinschaft der Kirche auch heute den heiligen Namen Jesus anrufen, erfüllen wir die Verheißung Gottes, der im brennenden Dornbusch zu Mose sagte: „Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.“ (Ex 3,15)
Der Name ist Programm! Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, wird die engültige Vollendung der Welt beschrieben. Am Ende der Zeiten erhalten auch wir Menschen einen neuen Namen. Aber auch das Böse, die antichristlichen Mächte, werden durch den Namen, die lästerlichen Titel auf ihrem Haupt, beschrieben. Und es wird deutlich, wie das Böse in seiner Herrschaft den Menschen unfrei macht. Aber es siegt der auferstandene Herr – und die an ihn glauben, nehmen teil an seinem Sieg und tragen den Namen des Lammes auf ihrer Stirn, das heißt, sie nehmen teil am Leben des Dreifaltigen Gottes. „Schließlich – als hätte der Seher von Patmos auch die leidenschaftliche Sehnsucht des Menschen nach Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung und die Angst vor Überfremdung vorausgeahnt – wird dem „Sieger“, der den „Namen des Tieres“ nicht einmal annimmt und das Bild des Tieres nicht anbetet, verheißen: ‚Ich will ihm einen weißen Stein geben und auf den Stein einen neuen Namen schreiben, den niemand weiß als der Empfänger‘ (2,17). Der Mensch, und zwar der einzelne, wird also vollendet in seiner Eigenart, in seiner Individualität, in seiner Persönlichkeit, in seiner Unantastbarkeit, nach der Idee seines Schöpfers, der keine Serienproduktion kennt. Gott wird den ‚Namen des Menschen‘ nicht – wie dies alle Mächte tun – missbrauchen, sondern ‚heilig machen‘. Das ist das letzte Ziel des Gebotes, den Namen Gottes heilig zu halten.“ (Alfred Kardinal Bengsch)

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