Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Im Anfang war das Wort

Posted by Florian Seiffert - 1. Dezember 2015

Pfarrer Michael Cziba mailt das Geistliches Wort zu Weihnachten 2015:

Das eigentliche Evangelium des Weihnachtsfestes ist der Prolog aus dem Johannesevangelium und Beginn mit „Im Anfang war das Wort …“ (Johannes 1,1). Durch Goethes Faust ist diese erste Zeile des Johannesevangeliums sogar klassisch geworden – aber es bleibt trotz dieser Tatsache die Schwierigkeit, sie in eine Sinnvolle Übersetzung zu bringen: „Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?“, fragt Faust, als er diesem biblischen Text in die Deutsche Sprache übersetzen will. Die Einheitsübersetzung, die das griechische „Logos“ mit „Wort“ wiedergibt, entspricht zwar der christlichen Überzeugung, dass allein Gottes Wort Menschen zum Heil führen kann, aber Goethe hält zu Recht fest, dass der griechische Begriff weit mehr meint als ein sprachliches Element und die Übersetzung „Wort“ zu kurz greift. Der „Logos“ ist in der antiken Philosophie der Inbegriff der sich in der Welt entfaltenden göttlichen Weisheit, die alle Logik und Liebe verbindet und dem Weltwerden seine Richtung gibt. „Im Anfang war der Sinn!“, probiert es deshalb Goethes Faust, um sich dann erneut skeptisch zu fragen: „Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?“
Das Neue Testament identifiziert diesen Inbegriff der göttlichen Vernunft in der Welt mit Jesus. Deswegen hat der Johannesprolog seinen festen Sitz unter den Lesungen am Weihnachtsfest, trotz aller Schwierigkeit ihn zu verstehen. Dieses Kind, das in Bethlehem in der Krippe liegt, ist gemeint, wenn es im Johannesevangelium heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt …“ (Johannes 1,14). Aus diesem Grunde ist bei Goethe die faustische Übersetzungsaufgabe für den Johannesprolog ganz im Licht der Weihnachtsbotschaft zu sehen und von ihr erfüllt: Alles, was sich über Gottes Willen mit und in der Welt sagen lässt, wird in Bethlehem anschaulich. Die Schutzbedürftigkeit und Liebe des kleinen Kindes weist einen Weg des Friedens und der Feindesliebe, der Maßstab wird für alles, was Sinn und Vernunft, Kraft und Liebe beansprucht. Christi Tod am Kreuz zeigt schließlich Gottes Solidarität mit der leidenden Kreatur ist Richtschnur für alles, was dem Leben eines Christen, ja überhaupt eines Menschen Orientierung geben will. Diese Botschaft ist im zu Ende gehenden, weltweit so unfriedlichen Jahr 2015 mit Millionen Flüchtlingen hochaktuell: Im Anfang war … das göttliche Kind und seine Botschaft des Friedens und der Achtsamkeit, ein Wille zum Leben, das sich in einfühlender Liebe entfaltet. Hier lässt sich Gottes Wille mit seiner Welt erkennen. Die Hirten waren Zeugen. Die zahllosen Menschen, denen Jesus begegnet ist waren Zeugen und heute sollen wir Zeugen sein. Hat das Wort Gottes wirklich in uns einen Sitz? Eine Frage, die wir uns jedes Jahr Weihnachten stellen müssen. Ich wünsche uns allen, dass durch die Kraft der Menschwerdung unser Leben mehr durch ein Miteinander und durch Respekt geprägt wird.

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