Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Pfarrer Fritz Frank zum Abschied

Posted by Florian Seiffert - 7. März 2016

Ich möchte heute, am Tage der Beerdigung, ein paar Geschichten über Fritz Frank aufschreiben und Sie alle ermutigen, auch Geschichten und Erinnerungen an Fritz Frank zu Papier zu bringen oder als Kommentar hier anzuhängen. Es gibt so viele Geschichten und Erinnerungen an ‚den alten Fritz‘ und als Hobby-Archivar, finde ich es wichtig, dass sie nicht verloren gehen.

  • Am ersten Adventssonntag 1969 kam mein Vater aus einer Abendmesse (was ungewöhnlich war, da es damals keine Abendmessen gab) und sagte: Heute haben wir den neuen Pfarrer eingeführt!
    Das ist meine erste Erinnerung an Fritz Frank.
  • Fritz Frank umschwebte immer eine Aura, der Unnahbarkeit. Als kleiner Messdiener war das nicht immer leicht. Ich wurde Lektor und später Kommunionhelfer – da war es schon leichter, seine herzliche Freundlichkeit hinter der Unnahbarkeit zu spüren: ‚So fein, da ist ja auch der Florian …‘.
    Am Tage meiner ersten Heiligen Messe als Kommunionhelfer kam Fritz Frank 5 Minuten vor Beginn zu mir und frage, ob alles in Ordnung sei oder ob es noch Fragen gäbe. Ich sagte, ich habe etwas Angst, dass vielleicht keiner der Flittarder zu mir zur Heiligen Kommunion kommt … Fritz Frank lächelte sein gütiges Fritz-Frank-Lächeln uns sagte: Sollte das passieren, setze ich mich hin.
    Es ging natürlich alles gut und Fritz musste sich nicht hinsetzen :-)
  • Bei Pfarrfesten hatte Fritz Frank immer seinen Bierzähler dabei. Da ist das Teil, wo man einmal draufdrückt und ein mechanischer Zähler zählt um eins hoch. Normalerweise wird das Ding benutzt, damit der Kirchenvorstand die Zahl der Gottesdienstbesucherinnen bestimmen kann. Fritz Frank benutze es zum Bier zählen.
    Das Pfarrfest mochte Fritz. Sooo Florian, hier ist Geld, geh uns mal Bier holen…
    So konnte Fritz mit seiner Gemeinde plaudern, war mit lecker Kölsch gut versorgt und er nutzte die Gelegenheit, um mit Menschen zu sprechen, die er nicht so häufig sah.
    In den 90ern sah ich beim Pfarrfest spät Nachmittags Fritz über die Hubertusstraße, Richtung Kirche gehen. Sein Schritt hatte nicht mehr ganz so die gewohnte Sicherheit. Ich eilte zu ihm und begleitete ihn die paar Schritte bis zur Pfarrhaustür.
    Da zog er seinen Bierzähler raus und zeigte ihn mir. Ich meine eine stattliche 25 gesehen zu haben. Fritz lächelte mich vergnügt an und sagte: Die habe ich nicht alle getrunken. Nur angetrunken. Jeder, der mit mir sprechen wollte, hat ein Kölsch mitgebracht …
  • Seit 1983 bin ich Mitglied des Pfarrgemeinderates und meinem Freund Winfried Felden und mir, war Fritz Frank immer ein zuverlässiger und treuer Begleiter, Ansprechpartner und Seelsorger. Ob wir gleicher oder verschiedener Meinung waren, es spielte keine Rolle. Fritz hat sich immer an sein Wort und die Beschlüsse des Pfarrgemeinderat (PGR) gehalten. Wie wertvoll das war, merkte ich erst, als ich dann mit anderen Geistlichen zu tun bekam, die das anders hielten.
    Wir hatten noch in den 80ern eine PGR-Wahl, die knapp ausgegangen war (damals hatte Hubertus noch viele Menschen, die im PGR mitarbeiten wollten). Ein Ex-Mitglied war nicht gewählt worden und es ging in der ersten Sitzung darum, ob der PGR Pfarrer Frank dessen Berufung empfehlen solle oder nicht. Nach hitziger Debatte, gab es ein Votum für die Berufung mit einer Stimme Mehrheit. Nach der Sitzung begleitete ein Mitglied des neuen PGR Fritz Frank bis an die Haustür, um ihn davon zu überzeugen der Empfehlung nicht zu folgen und nicht zu berufen.
    Meine Hochachtung hatte Fritz Frank dafür, dass er trotzdem die Berufung aussprach. Er wollte den PGR nicht verärgern – er war sein wichtigstes Beratungsgremium – und berief, wie empfohlen.
  • Ab den 80er Jahren gab es die Jugendsitzungen. Eine wird mir immer besonders in Erinnerung bleiben. Das ist die Sitzung mit der unvergleichlichen Geschichte mit ‚Harrwuchsi‘. In den Hautrollen Brunhilde und Pfarrer Fritz Frank.
    Pfarrer Frank musste auf die Bühne und er tat das auch (ganz tapfer). Ich glaube nicht, dass er da besonderen Spass bei hatte, aber er wusste, dass die Menge nicht will, dass er ein Spielverderber ist und so folgte er Brunhildes Wunsch auf die Bühne. Brunhilde wischte mit einer straffen Handbewegung die langen, sorgfältig über die Glatze gelegten Haare beiseite uns sagte: Was haben wir denn da? Eine Plääät!
    Dann ging es etwas hin und her, Fritz bekam das Zaubermittel Haarwuchsi und hatte plötzlich einen vollen grünen Lockenschopf. Der Saal tobte, Brunhilde strahlte. Ich drückte den Auslöser meiner Kamera.
    Fritz Frank und Brunhilde

    Fritz Frank und Brunhilde


    Fritz Frank und Brunhilde

    Fritz Frank und Brunhilde


    Der Hammer für mich war, dass Fritz ohne Mühe sich mindestens am zweiten Tag hätte drücken können. Was er aber nicht tat. Nach der Jugendsitzung stieg er auch bei der Sitzung für Erwachsene auf die Bühne, liess sich seine Pläät freilegen und Haarwuchsi zauberte ihm grüne Lockenpracht auf das Haupt.
    Bis heute weiss ich nicht so genau, ob es ihm Spass gemacht hat oder nicht. Aber sicher war, dass wir im Publikum unsere Freude hatten und bis heute haben.
  • Ende der 80er war ich Mitglied im Vorstand des PGR und später dann Sitzungsleiter, dann auch PGR-Vorsitzender.
    Die Vorstandssitzungen bei Fritz Frank im Wohnzimmer hatten ihre besondere Atmosphäre und waren durch völlige Offenheit und großes Vertrauen geprägt. Hier wurde alles ausgepackt, auf den Tisch gelegt, beleuchtet, gewendet und besprochen. Das dauerte seine Zeit, war aber stets fruchtbar. Am Ende war eher nebenbei eine Tagesordnung entstanden und wir hatten die nächste PGR-Sitzung gut vorbereitet.
    Auch hier war es selbstverständlich und ich schätze es bis heute, dass man sein Wort hielt, seine Arbeit machte und auch in der Sitzung seine Meinung so vertrat, wie vorher in der Vorstandssitzung. So konnte man gut arbeiten. Viel war den damaligen PGR-Vorstandsmitgliedern zu verdanken, aber viel auch Pfarrer Frank.
  • Eine Sache, die wir nie hinbekamen, war Pfarrer Frank dazu zu bringen, vor der Kirche zu begrüßen oder auch nach der Heiligen Messe an der Kirchtür den GottesdienstbesucherInnen ein frohes Weihnachtsfest oder frohe Ostern zu wünschen. Er wollte es nicht und er machte es nicht.
    Erst sein Nachfolger Pfarrer Michael Cziba macht das souverän und lächelnd anders.
  • Eine Abordnung aus St.Hubertus machte in den 90ern mit den Kollegen aus St.Pius X eine kleine Vorstandssitzung. Ausser Fritz Frank und mir, waren Winfried Felden, Manfred Lorenz und Heinz-Josef Longerich dabei. Was wir besprachen, weiß ich nicht mehr, aber wir fanden diese Runde so fruchtbar, dass wir auch nach dem Fortgang von Fritz nach Mülheim an dieser Runde festhielten und uns regelmässig zum ‚Symposium‘ trafen. Fritz erfuhr Neuigkeiten und wir hörten uns seine Lieblingsgeschichten an.
    Mit konstanter Regelmäßigkeit erzählte er von seinem Freund Herrn V. Aber noch lieber hatte er eine Geschichte aus St.Bruno in Klettenberg, die von einem Doppelmord handelte. Die erzähle ich hier aber nicht. Die gibt es nur mündlich bei Mitgliedern des Symposiums :-)
  • Viele weitere Symposien folgten. Es war immer nett und Fritz freute sich uns zu sehen. Gleich nachdem er nach Mülheim umgesiedelt war, bot er allen, die er vorher geduzt hatte, die ihn aber mit Herr Pastor anredeten das Du an. So wurde er der Fritz für mich und später liebevoll auch ‚der alte Fritz‘.
  • Ein oder zwei Jahre nach seinem Wegzug nach Mülheim, war ich auf einer Kirchenvorstandssitzung als PGR-Vertreter dabei. Im alten Pfarrheim Hubertusstr. 4 war eine Wohnung frei und Pfarrer Cziba hatte das Herz und den Großmut, diese seinem Vorgänger anzubieten. Ich wurde beauftragt, die Sache in die Hand zu nehmen.
    Ich rief also Fritz einen Abend später an und unterbreitete das Angebot. Und – ich kannte Fritz ja schon langer genug – sagte, dass er natürlich eine Woche (mindestens) Bedenkzeit habe und ich mich wieder melden würde.
    Gut eine Woche später rief ich wieder an. Fritz sagte, dass Angebot sein die größte Freude für ihn gewesen und sein schönstes Weihnachtsgeschenk. Er habe sich das Für und Wider auf Karteikärtchen geschrieben und im Wohnzimmer ausgebreitet und dann alles sorgfältig erwogen und leider, leider müsse er ablehnen. Er bliebe mit einem weinenden Auge in Mülheim.
    Ich staunte, dass er diese Herzenssache so systematisch angegangen und bewältigt hatte! Er hat auch nie mehr davon angefangen oder gejammert: Ach hätte ich doch. Nein, er hatte entschieden und das war’s für ihn.
  • Pfarrer Frank rief mich im Sommer 2015 an und wollte mir (dringend) von der Geschichte der Ausmalung von St.Hubertus erzählen. Er wusste, dass ich mich als Hobby-Pfarr-Archivar und Archivar der Bruderschaft dafür interessierte.
    Ich besuchte Fritz also am 15.07.2015 und ich fragte, ob ich seinen Vortrag mit dem iPad aufzeichnen dürfe. Ich machte ein kurzes Probevideo, zeigte es ihm, Fritz lächelte und ich hatte seine Einwilligung.
    Dieses Video ist also der Vortrag von Fritz Frank zur Geschichte der Ausmalung von St.Hubertus in Köln Flittard.
  • Das letze Mal trafen Winfried Felden und ich Fritz Frank am 1.2.2016. Wir hatten Symposium, aber leider fehlte der ‚Pius-Teil‘ krankheitsbedingt. Fritz ging schon krumm, wie ein rechter Winkel und Winfried und ich waren betroffen von der schnellen Veränderung zum schlechteren. Aber im Kopf war Fritz topfit, gut gelaunt und freundlich und interessiert wie immer. Er machte mir (Winfried vielleicht weniger ;-) die Freude und erzählte uns die Doppelmordgeschichte ein letztes Mal. Ich weiß nicht, wie oft er sie mir erzählt hat – aber diesmal begann er sie mit: Vielleicht habe ich euch schon mal erzählt …
    Florian und Fritz am 1.2.2016

    Florian und Fritz am 1.2.2016


    Wie häufiger, machte ich ein Bild von Fritz und mir. Fritz fragte, wann er das denn mal bekommen könne. Bald dachte ich und schickte es ihm als Postkarte ein paar Tage später. Ich hoffe, er hat es noch bekommen.

    Wir kamen irgendwie auf das Thema Sterben und Fritz hatte zu dem Thema viel und Gutes zu sagen. Er erzählte vom Tod seines Vaters und schon als ich noch Obermessdiener war, hatte er das mal getan und seine Geschichte hatte mir die Trauerbegleitung in den Todesfällen meiner Familie sehr erleichtert. Fritz sagte, dass zwei Ärzte ihm versichert haben, er könnte mühelos 100 Jahre alt werden. Als wir dann davon sprachen, ob er das denn wolle, sagte er: Wenn es soweit ist, möchte ich bereit sein. Und ich bin mit mir im reinen. Er sagt es nicht nur, er war es auch.

    Krumm, wie Fritz Frank war, konnte er beim Abschied nicht hoch zu meinen Augen schauen. Er versuchte es, aber der Körper wollte nicht. Da beugte ich mein Knie und so konnte Fritz mich anschauen und wir lächelten uns an und verabschiedeten uns mit kräftigem Händedruck und freundlichen Worten. Ich wußte nicht, dass es erstmal der letzte Abschied war und dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis wir uns wiedersehen.

  • Die Todesnachricht von Fritz erreichte mich im Auto am Telefon und mein erster Gedanke war: Da hat Fritz alles richtig gemacht. Sanft eingeschlafen. Und sicher auch bereit gewesen. Ad sum. Hier bin ich Herr.
  • Wie mein Freund Thomas es für die Schützenbruderschaft sagte: Wir werden ihn nicht vergessen und wir sind froh, dass er 47 Jahre bei uns war.
Sarg Fritz Frank in St.Hubertus

Sarg Fritz Frank in St.Hubertus

Grab Fritz Frank

Grab Fritz Frank

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: