Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Kardinal Woelki sagte: Fürchtet euch nicht

Posted by Florian Seiffert - 7. Januar 2019

Stefan Nestler war für KREUZundQUER beim Treffen von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand mit Kardinal Woelki dabei. Er hat mitgeschrieben:

7.1.2019 Zitate aus der Sitzung Woelki mit KV und PGR Christen am Rhein

„Ich habe mich gefreut, heute hier gewesen zu sein. Hier ist für mich auch ein Stück Heimat, natürlich in der Bruder-Klaus-Siedlung, aber auch in Stammheim und Flittard.“

„Zusammenhalt ist ein großer Wert. Das habe ich hier heute häufig gespürt.“

„Ich will hier nicht über Peanuts reden. Wir müssen uns auf die Großwetterlage einstellen.“

„Wir (die Christen) werden in der Zukunft massiv an Zahlen, gesellschaftlicher Bedeutung und Einflussmöglichkeit und auch an Finanzkraft verlieren. Es ist unsere Herausforderung, uns damit pastoral auseinanderzusetzen. Wir müssen versuchen, die Gottesfrage wachzuhalten oder neu in der Gesellschaft zu implementieren.“

„Ich kämpfe gegen den Begriff ehrenamtlich, weil ich glaube, dass jeder hier nicht ehrenamtlich sitzt, sondern weil er seine Taufe lebt. Ich sehe in allem Engagement einen direkten Bezug zu Christus, der jeden einzelnen berufen hat und sendet, ihn zu verkünden.“

Zur Frage nach Wortgottesdiensten am Sonntag:

„Ich sehe auf die nächsten etwa 20 Jahre keine Veranlassung, Wortgottesdienste am Sonntag einzuführen. Die Eucharistie ist ein Kernpunkt. Der Herr verschenkt sich, teilt sich aus, jeder kann ihm empfangen. Wir werden eins mit ihm und können dann in der Woche wie eine Monstranz mit ihm unterwegs sein. Wir werden erst durch das Geschehen am Sonntag Kirche, wir sind das nicht aus uns selbst heraus. Die katholische Identität ist durch Wortgottesdienste am Sonntag bedroht.“

„Wortgottesdienste in der Woche sind okay, ehe gar nichts ist. Aber es kann kein Argument sein, dass ich drei Minuten nach Stammheim fahren muss, um an einer heiligen Messe teilzunehmen. Das ist Klagen auf allerhöchstem Niveau.“

„Wir brauchen einen profilierten und qualifizierten Sonntagsgottesdienst, der den Gemeindemitgliedern Halt, Orientierung und Trost gibt. Wir müssen Gottesdienste so feiern, dass die Menschen etwas für ihr Leben in den Alltag mitnehmen können.“

Auf die Frage, was PGR und KV der Christen am Rhein für die Kirche von Köln tun kann:

„Sie sind die Kirche von Köln. Es gibt keine Kirche von Flittard, das ist theologischer Unsinn. Sie sind hier Kirche, weil Sie in Einheit mit mir (dem Bischof) stehen.“

„Ich kann mir geistliche Gruppen von vier, fünf Leuten vorstellen, die dafür sorgen, dass Kirche überall erlebbar ist. Diese Basisgemeinschaften müssen sich fragen: Wie können wir den Menschen dienen? Wo wird was gebraucht? Wer kommt dafür in Frage? Wir können nicht alles selber tun. Die Menschen müssen zusammengeführt werden, es geht auch darum zu delegieren. Wir müssen uns vernetzen.“

„Das Volkskirchliche von früher ist nicht mehr da. Wir müssen eine evangelisierende Kirche werden.“

Auf die Frage, ob möglicherweise eine neue Fusion bevorsteht:

“Ich kann es Ihnen nicht sagen. Die Digitalisierung bringt auch neue Chancen. Was kümmert es Sie, wenn zwei Verwaltungsmenschen mehrere Gemeinden betreuen? Sie müssen sich die Frage stellen: Wie kriegen wir das Leben in Mariä Geburt so lebendig hin, dass die Leute kommen. Dann wird auch keine Kirche zugemacht.“

„Ich hatte gehofft, dass es von unten zusammenwächst. Wenn das nicht geschieht, kommt der Zeitpunkt, dass ich entscheiden muss.“

„Ich kann und werde die Diözese nicht in die Insolvenz führen. Das Beste wäre, wenn die Gemeinden wachsen und lebendig sind. Dort gibt es dann auch Priester und Pastoralreferenten.“

„Meine persönliche Meinung ist, dass die Zahl der Seelsorgebereiche nicht so bleiben wird, wie sie ist. Es kann sein, dass der ganze Osten (Kölns) irgendwann zusammenarbeiten muss. Ob und wann dies geschieht, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber der Zeitpunkt kann kommen.“

Auf die Frage nach der Betreuung der jungen Menschen:

„Die Frage ist doch: Wie kriegen wir den Glauben in die nächsten Generation hineingetragen? Sie haben hier zum Beispiel drei große Kitas, in denen 200 Kinder vier Jahre lang betreut werden. Das ist eine große Chance. Die Kitas müssen ein Ort der Neuevangelisierung sein.“

„Kommunionvorbereitung ist toll. Aber sie nützt wenig, wenn Sie die Eltern nicht ins Boot holen und sie evangelisieren.“

„Zeltlager sind eine super Sache. Aber sie dauern nur zwei Wochen, und dann ist wieder ein Jahr lang Ruhe. Glauben ist genauso wie die Liebe: Er muss wachsen, sich vertiefen. Nur Bespaßung reicht nicht. Es gehört dazu, sich zu fragen: Wir kriegen wir den Inhalt da rein?“

„Wir stehen permanent im Wettbewerb der Überbietungen. Wenn die Pfadfinder nach Paris fahren, heißt es, die Jungschützen fliegen aber nach New York. Wir kommen im Letzten nur über Inhalte weiter.“

Zur Zukunft:

„Ich höre oft: Könnte doch nur einfach Ruhe einkehren und es nur so vor sich dahinplätschern. Ich verspreche Ihnen, dass das niemals der Fall sein wird. Sie und ich werden bis ans Lebensende mit diesen Fragen ringen.“

„Die Digitalisierung wird unser Leben in den nächsten fünf bis zehn Jahre so drastisch verändern, wie wir es uns noch gar nicht vorstellen können. Da können wir nicht mit den alten Programmen der 50er oder 60er Jahre kommen. Es geht um eine ‚Verheutigung‘ des Glaubens.“

„Auch mir fehlen die Antworten. Auch ich bin auf der Suche. Es wird immer ein Weiter geben. Ich kann Ihnen nur raten: Lassen sie sich durch nichts entmutigen! Freuen Sie sich, dass sie die Chance haben, in der heutigen Zeit zu leben! Und denken Sie an eine der zentralen Botschaften der Bibel: Fürchtet euch nicht!“

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Eine Antwort to “Kardinal Woelki sagte: Fürchtet euch nicht”

  1. Sigrid said

    Lieber Stefan, vielen lieben Dank für deine super Zusammenfassung des Abends. Mal schauen, was noch so auf unszu kommt.

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