Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 2. April – Impuls 03

Posted by michaelcziba - 2. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Jesus hat die meisten seiner Jünger am See berufen. Unsere Pilgerinnen und Pilger werden diesen Spuren heute folgen und die Orte der Berufung besuchen. Persönlich geht es um die Frage: Glaube ich daran, dass auch ich von Jesus berufen bin, sein Zeuge zu sein? Und wie lebe ich diese Berufung? Lesen wir dazu ruhig den Abschnitt Lk 6,1-16.
Wir müssen bei der Jüngerberufung durch Jesus immer ganz klar unterscheiden zwischen dem großen Kreis von Menschen, die ihm auf den Füßen nachfolgten, weil sie gleichsam an seinen Lippen hingen, weil sie geheilt worden waren oder geheilt werden wollten, weil sie von ihm einen politischen Umsturz in Israel erhofften, weil sie in ihm einfach eine gute Unterhaltung und Unterbrechung der Langeweile sahen. Auch das gibt es – sogar heute noch. Und da ist der große Kreis, aus dem Jesus später auch noch die 72 auswählen wird, die er vor sich her sendet. Und eigens erwähnen muss man auch den Kreis von Frauen, die Jesus folgten. Wir müssen uns die Welt von damals wirklich sehr anders vorstellen als unsere Welt: Frauen waren damals in der Regel noch viel unfreier und an Haus und Mann und Kinder gebunden, als wir es uns vorstellen können. Höchstens fragwürdige Frauen verhielten sich in unserem Sinne frei. Dennoch: es gab einige, die Jesus folgen konnten und folgten. Es heißt, sie hätten ihn bedient, also ihm Dienste geleistet wie die anderen Apostel und – so möchte ich anfügen – sicher haben sie ein gutes Zeugnis von ihm gegeben.
Und nun kommen wir zu dem inneren Kreis, der uns immer besonders interessiert. Es sind die Zwölf. Jesus wählt zwölf Männer. Sie symbolisieren das neue Volk Gottes, den Neuen Bund in Anlehnung an den zwölf Stämmen Israels. Jesus baut einen neuen Bund auf. Das ist eine wichtige Symbolhandlung.
Aber – nun fragen wir wieder sehr menschlich – hätte Jesus seine Ziele nicht viel besser alleine erreichen können? Er konnte aufgrund seiner Gottesnähe überzeugend sprechen, er konnte heilen. Er war unwahrscheinlich gut und anders. Seine Zwölf waren – wie wir nachlesen können – eher sehr hausbacken. Sie haben gestritten, wer der Erste und Beste unter ihnen sei. Sie sind geflohen, als es gefährlich wurde, keiner von ihnen hat etwas gebrüllt, als Pilatus fragte, ob man Jesus oder Barabbas hinrichten sollte, keiner hat Jesus beim Kreuztragen geholfen. Ein einziger soll unter dem Kreuz gestanden haben. Kurz: sie haben zu 99 Prozent versagt. Da kann man schon fragen, ob diese Männer nun wirklich das Richtige waren, um den Neuen Bund aufzubauen. Ob nicht Jesus weitergekommen wäre, wenn er alles selbst und allein in die Hand genommen hätte. Aber schon diese menschliche Frage zeigt: Es geht Jesus nicht um Effizienz, sondern um eine neue Schöpfung. Sie fängt arm und schwach an, und wir sollen vertrauen, dass Gott gerade mit Armem und Schwachem etwas anfangen kann. Ja, dass er gerade Armes und Schwaches braucht. Denn Reiche und Starke würden sich den Erfolg selbst zuschreiben. In der Wahl der Zwölf zeigt sich ein wichtiges Grundgesetz Gottes: Gott will Menschen brauchen. Denn er braucht Menschen, die sich den Erfolg nicht selbst zuschreiben, sondern die so weise sind, dass sie jeden Erfolg des Reiches Gottes Gott und nicht sich selbst und ihrer Qualifikation zuschreiben.
Nun haben wir das Stichwort: Reich Gottes. Es geht bei der Wahl der Zwölf um das Reich Gottes, um dieses Grundanliegen Jesu. Daher werden diese Zwölf auch ausgesandt, um das Reich Gottes zu verkünden. Als Zeichen, dass dieses Reich vor der Türe steht, sollen sie auch heilen und böse Geister austreiben. Aber das sind nur Zeichen, das ist nicht das Eigentliche. Das Eigentliche ist die Herrschaft Gottes in den Herzen der Menschen.
Und das ist auch der Berufungsauftrag einer jeden Christin und eines jeden Christen heutzutage. Nur dann kann das Reich Gottes wachsen und sich ausbreiten. Vielleicht wäre diese Rückbesinnung auch hilfreich bei den heutigen allzu weltlichen Problemen, mit denen sich die „Kirche“ beschäftigt.

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Eine Antwort to “Impuls zur Israelwallfahrt am 2. April – Impuls 03”

  1. Martin Voorwold said

    Vielen Dank, dass wir hier in Köln die Pilgergruppe so begleiten und die Impulse mit Euch teilen können.

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