Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 4. April – Impuls 05

Posted by michaelcziba - 4. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Unsere Pilgerinnen und Pilger werden heute den Jordan überqueren und auf Jordanischer Seite den Weg nach Süden einschlagen. Damit kommen Sie auch – im übertragenen Sinne – an der Taufstelle Jesu vorbei, wenn Sie sie auch diesmal nicht besuchen. Neben Jesus, der Gottesmutter Maria, den Aposteln gibt es im Neuen Testament nur eine wirklich erstaunliche Gestalt: Johannes der Täufer. Daher wollen uns heute mit ihm und seinem Verhältnis zu Jesus und vor allem mit dem Urteil Jesu über ihn befassen. Denn Johannes der Täufer kann jedem von uns etwas Bestimmtes sagen. Doch lesen wir zuerst einmal Lk 7,18-35.
Es gibt insgesamt drei Punkte im Leben des Johannes, die für uns wichtig sind.
Erstens: Johannes der Täufer predigt in der Wüste – unweit vom Jordan. Man kann sich sofort fragen: Wenn er Menschen zur Umkehr führen will, warum stellt er sich dann nicht ins Zentrum von Jerusalem – vor den Tempel, warum zieht er nicht von Ort zu Ort, wie Jesus das getan hat? Und das Erstaunliche: die Leute kommen zu ihm in seine Einsamkeit. Ja – erstaunlicherweise kommen sie zu ihm, aber offenbar nicht nur zum Glotzen, sondern sie lassen sich von ihm taufen zum Zeichen ihrer Umkehr zu Gott, als Zeichen der Buße. Also, was Jesus später erlebt, nämlich, dass tatsächlich Menschen sich bekehren, umkehren, das geschieht auch bei Johannes.
Und auch Jesus kommt zu Johannes, sich taufen zu lassen. Warum, so fragen viele. Gerade hätte es doch nicht nötig gehabt. Jesus will ganz sichtbar für alle einer von uns sein und reiht sich daher ein in die Schar der Umkehrwilligen, und dieser Abstieg wird dann zu seiner Bestätigung: Ihn sollen wir hören. Es geht uns aber hier um Johannes. Daher die zweite Szene.
Johannes hat Zweifel, ob Jesus wirklich der erwartete Messias ist. Die Zweifel kommen ihm, als er im Gefängnis sitzt. König Herodes hat ihn festgenommen. Herodes‘ Frau wollte den Bußprediger schon lange beseitigen lassen, da er öffentlich kritisierte, dass der König mit seiner Schwägerin illegal zusammenlebte. Herodes selbst hatte irgendwie Hochachtung und Respekt vor Johannes. Er kam aber nicht darum herum, Johannes zu opfern. Vorher aber hatte dieser Gefangene im Kerker doch Zweifel, ob Jesus denn wirklich der Erwartete sei. Wie schlimm müssen diese Zweifel für ihn gewesen sein, gerade in dieser Situation. Im Kerker hatte er Tag und Nacht Zeit. Vermutlich hatte er auch Hunger und Durst. Gerade in dieser Situation braucht man etwas, woran man sich halten kann. Er konnte offenbar Kontakt aufnehmen zu seinen Freunden. Die brachten von Jesus das Wort zurück: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Das ist ein Zitat aus dem Propheten Jesaja. Es machte Johannes im Kerker klar: Jesus ist der erwartete Messias. So konnte er wohl in innerem Frieden sterben.
Und die dritte Szene: Jesus kommentiert das Auftreten des Johannes. Nachdem die Johannes-Freunde bei ihm gewesen waren, fragte er die Menschen, die ja ständig an seinen Lippen hingen: Was hat euch eigentlich an Johannes interessiert, warum seid ihr zu ihm hingegangen? Wolltet ihr ein schwankendes Schilfrohr sehen, wolltet ihr einen Mann in feinen Kleidern sehen? Nein – den seht ihr in Palästen. Oder wolltet ihr einen Propheten sehen? Das sind sehr rhetorische Fragen. Jesus erwartet keine Antwort. Aber dann sagt Jesus sehr erstaunliche Worte über Johannes, die wir lange in unseren Ohren klingen lassen sollten: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Nochmals: unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Jesus kannte Moses, David, Abraham. Er sagt wirklich: unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Wir können Jesus ruhig oft fragen, warum er das so sagt. Aber dann geht es weiter und dann wird die Sache noch erstaunlicher: Doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er. Also Johannes ist ein Riese, nicht zu übertreffen. Aber im Himmel ein nichts. Seltsam!
Wir stehen hier vor einem Geheimnis. Und es ist gut, sich das ganz bewusst zu machen. Denn: Wir – die Getauften, die Christen, die in den Leib Christi geheimnisvoll, mysteriös Eingefügten, wir wären ja Menschen des Reiches Gottes – und wir wären größer als der, den Jesus als den größten vor und außerhalb des Reiches Gottes bezeichnet. Ich glaube, wir sollen einfach mit Fragen und Staunen vor diesem Mysterium stehen bleiben. Denn wir stehen vor dem Mysterium des Reiches Gottes. Wir sollten lange vor diesem Geheimnis stehen bleiben und Jesus bitten, dass er es uns ein wenig ahnen lässt.
Vielleicht hat es ja mit Folgendem zu tun: Wir sind als Christen durch die Taufe in den geheimnisvollen Leib Christi eingefügt. Wir sind Zellen an diesem Leib Christi. Wir sollen zwar versuchen, uns entsprechend zu verhalten. Aber letztlich hängt unsere Mitgliedschaft im Leib Christi nicht davon ab, wie perfekt wir sind, sondern sie ist einfach ein Geschenk. Johannes war in all seiner Größe eben nicht Mitglied am geheimnisvollen Leib des auferstandenen Christus. Er lebte noch vor Tod und Auferstehung Christi. Er wurde sogar dadurch erlöst, aber war kein Glied der Kirche, des geheimnisvollen neuen Leibes Jesu Christi.
Schauen wir zurück auf die große Persönlichkeit des Johannes: Die Menschen kamen zu ihm, obwohl er nicht im Zentrum der Städte predigte. Sein Aufruf war so eindringlich, dass die Menschen zu ihm kamen. Eindringlichkeit und Überzeugung ziehen in sich. Warum sind viele Christen, warum ist die Kirche oft so wenig anziehend? Auch ein solcher Mensch kann Glaubenszweifel haben, quälende Zweifel. Aber er glaubt dem Wort Jesu: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Er glaubt und stirbt in Frieden. Er ist der Größte, aber jeder getaufte Christ ist als Glied des Volkes und Reiches Gottes größer als er.

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