Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 5. April – Impuls 06

Posted by michaelcziba - 5. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Fasten ist modern. Von Versuchung sprechen ist höchst unmodern. Heute fasten in Mitteleuropa ziemlich viele Menschen der Gesundheit und der Schönheit wegen. Das Fasten in der Religion aber hat eine andere Bedeutung: Man will Buße tun, und der Fastende setzt sich Gott aus. Das aber ist dann auch die Situation, in der der Fastende besonders exponiert ist, um vom Satan versucht zu werden. Dafür ist die Wüste ein wichtiges Bild.
Jesus in der Wüste. Sandwüste um ihn oder gebirgige Steinwüste. Halten wir es in der Einsamkeit eine Weile bei ihm aus. Hören wir den Wind, spüren wir auf der Haut den Wind und die Sonne, Hitze und Kälte. Und fasten wir mit Jesus, spüren wir seinen Hunger. Und dann lesen wir das Evangelium von der Versuchung Jesu Mt 4,1-11.
Kein Wunder, dass beim Alleinsein in der Wüste und beim Fasten im Inneren versucherische Gedanken aufsteigen. Der Versucher, der Teufel kommt nicht von außen. Da wäre er ja leicht zu erkennen und abzuwehren. Der Satan kommt von innen mit vernünftigen Gedanken: Warum nicht aus den Steinen Brot machen? Ist das verboten, ist das Sünde? Warum es nicht tun, wenn Gott schon die Kraft dazu gibt? Wir müssen die Worte des Apostels Paulus vollständig ernst nehmen, Jesus sei uns in allem gleich geworden – außer der Sünde. Also war er wirklich und nicht nur scheinbar der Versuchung ausgesetzt. Und im Hebräerbrief heißt es, er habe durch Leiden Gehorsam gelernt. Wir müssen also nicht annehmen, dass Jesus als Gottes Sohn weit über wirklichen Versuchungen stand, dass er ganz anders war als wir. Nein, er hat unser Schicksal, unser Menschsein ganz angenommen und geriet daher in Versuchung wie wir auch. Daher dürfen wir auch ohne weiteres denken, die Versuchung durch den Satan sei nicht gleichsam nur von außen an ihn herangetreten. Nein, sie geschah in seinem Inneren. Er kam selbst auf den Gedanken, dass er ja aus Steinen Brot machen könnte, um seinen Hunger zu stillen. Dieser Gedanke nagte an ihm, zerfraß ihn gleichsam innerlich, bohrte in seinem Fleisch. Er hatte ja Hunger. Und es war nicht nur eine ganz fleischliche Lust, es war gleichzeitig eine fast fixe Idee in seinem Kopf. Mach Brot aus den Steinen. Nur wenn wir uns die Versuchung so vorstellen, kommen wir an das heran, was Versuchung wirklich meint. Ein inneres Ringen, einen Kampf, wie ihn auch die Wüstenväter beschrieben haben. Und Jesus geht vielleicht tagelang mit diesem Gedanken umher. Immer wieder erkennt er: Dieser Gedanke ist nicht vom Vater, aber immer wieder kommt im Hunger die Idee: Kann es böse, kann es Sünde sein, aus Steinen Brot zu machen, wenn man es kann? Morgens vielleicht erkennt Jesus, dass diese Gedanken nicht gott-gemäß sind, aber abends steht der Gedanke wieder im Raum: warum denn nicht die Kraft einsetzen, die einem gegeben ist. Es war bestimmt nicht nur ein kurzes Zwiegespräch zwischen Jesus und dem Satan, wie es Matthäus berichtet. Es war wohl eher eine wirkliche Versuchung – ein langes, zähes, leidvolles Ringen. Wenn die Versuchung nicht nur ein frommes Schauspiel war, dann war es ein Ringen um Leben und Tod, um Sünde und Heil. Je reiner der Versuchte, umso schrecklicher die Versuchung. Und schließlich ringt Jesus sich durch zu dem Satz der Bibel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Jesus ringt sich durch zu der Erkenntnis und dem Schluss: Du lebst ebenso vom Gehorsam wie vom Brot, ebenso von der Hingabe an Gottes Willen wie von Speise. Und seine Seele beruhigt sich. Es heißt erst am Ende der drei Versuchungen, der Satan habe von ihm gelassen.
Wenn wir uns die Versuchungen Jesu in der Wüste nur als ein Gespräch zwischen Jesus und dem Teufel vorstellen, dann sind wir in Gefahr, sie nicht wirklich als Versuchung zu verstehen. Nur wenn die Fragen wirklich in Jesu drin sind, wenn es seine Fragen, seine Zweifel sind, werden sie zu Versuchungen. Und dann ringt sich die Antwort in Jesu hervor: Du sollst Gott allein anbeten und nicht Macht und nicht Politik und nicht Tricks und Finessen. Du sollst Gott anbeten, Er hat alles in der Hand. Wenn du seine Gebote befolgst, dann wird Er das tun, was in seinen Augen für das Volk gut ist. Es mag ein langer Kampf in Jesu Innerem gewesen sein, ein langes Ringen. Jesus wusste von Anfang an, dass die gottwidrigen Gedanken schlecht sind, aber es kostete ihm auch Zeit und Kraft, sie vollständig nieder zu ringen. Nur wenn wir mal versuchen, die Versuchungen Jesu so zu sehen, werden wir dem Begriff Versuchung gerecht. Ich wünsche uns natürlich, dass wir niemals eine solche Versuchung erfahren müssen. Aber falls doch: Hoffe ich, dass wir die Kraft finden, wie Jesus zu bestehen.

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