Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 7. April – Impuls 08

Posted by michaelcziba - 7. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Heute führt die Pilgerfahrt vom Süden Israels – aus Eilat nach Bethlehem – in das Bergland Judäa und damit Richtung Jerusalem. Der Aufenthalt Jesu in Galiläa, im Norden des Heiligen Landes, wird oft als „galiläischer Frühling“ bezeichnet. Denn dort hatte Jesus – wenn man so sagen kann – Erfolg. Es gab eine erstaunliche Jesus-Bewegung. Die Massen lauschten ihm, sie folgten ihm, um ihn zu hören, denn er sprach – wie es heißt – mit Autorität. Ganz anders als die Schriftgelehrten und die Lehrer in den Synagogen, die sich oft mit Kleinigkeiten in der Auslegung des Mosaischen Gesetzes herumschlugen. Jesus sprach mit Autorität. Und er heilte. Viele kamen zu ihm, baten um Heilung von verschiedenen Krankheiten, und er heilte – wie es heißt – alle. Jesu Mission schien erfolgreich. Und noch eines müssen wir beachten: Jesus spricht nicht nur mit Autorität, er beanspruchte auch Autorität. Er sagte Worte, die man als arrogant, ja sogar bösartig bezeichnen könnte, wenn man in ihm nicht eine göttliche Autorität annehmen konnte. Ein solches rein menschlich gesehen arrogantes Wort war z. B.: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Dann seine wiederholte Formulierung in der Bergpredigt: „Ihr habt von Mose gehört … Ich aber sage euch.“ Er stellte sich über Moses. Es gibt noch mehrere Stellen, wo Jesus so spricht, wie man eigentlich nur als göttliche Autorität sprechen kann. Jesus sagte nie direkt: Ich bin Gottes Sohn oder Offenbarer des Vaters, aber er verhielt sich so, wie man es nur tun kann, wenn man göttliche Autorität beansprucht und hat. Sein Reden, sein Wunderwirken und sein Auftreten brachten ihm in Galiläa viel Erfolg. Daher spricht man vom galiläischen Frühling.
Jesu eigentlichstes Anliegen ist es, sein ganzes Volk – und das heißt die Hauptstadt Jerusalem – zu gewinnen, das Herz des jüdischen Glaubens, also das Herz des Volkes zu erobern. Das ist das Thema der heutigen Betrachtung. Man kann nämlich dem Evangelium entnehmen, dass es Jesus nicht genügte, viele Menschen in Galiläa gewonnen zu haben. Er musste auch um Jerusalem ringen und kämpfen, um das Herz des jüdischen Volkes, um die Seele des Volkes, das Gott sich in Liebe erkoren hatte: Jerusalem. Denn Jesus wusste sich gesandt, das ganze Volk Israel zu gewinnen, die Liebe der Braut, die Gott als Bräutigam sich erkoren hatte. Und das Herz, die Seele der Braut war Jerusalem. Und in Jerusalem waren es die Priesterschaft und die Schriftgelehrten, die das Volk repräsentierten. Deswegen richtete Jesus – wie es besonders im Lukas-Evangelium heißt – seine Augen nach Jerusalem. Und nachdem er seine Augen dorthin gerichtet hatte, ging er nach Jerusalem – und dies, obwohl er wusste, dass er dort gekreuzigt werden würde. Man muss wirklich beachten, dass Matthäus, Markus und Lukas jeweils dreimal davon sprechen, dass Jesus sein Leiden voraussagt. Jesus geht also nach Jerusalem, weil er um die Heilige Stadt ringen muss, weil er sein ganzes Volk gewinnen will und muss. Es reicht nicht, nur in Galiläa Früchte gesammelt zu haben. Zur Ernte gehört die Heilige Stadt und damit das ganze Volk.
Auf diesem Hintergrund müssen wir die Streitreden Jesu gegen Pharisäer und Schriftgelehrte, aber auch gegen die Sadduzäer und Hohenpriester lesen. Beginnen wir mit der Szene, wo Jesus auf dem Ölberg sitzt und über das Tal hinüberschaut auf die Stadt Jerusalem und weint über die Heilige Stadt. Schauen wir mit Jesus hinüber und erinnern wir uns: Der große König David hat die Stadt angelegt, König Salomon hat den Tempel gebaut, später wurde das Heilige Volk vertrieben, verschleppt nach Babylon, aber es konnte zurückkehren, den Tempel wieder aufbauen. Im Tempel wurde der heilige Dienst verrichtet. Hierher war Jesus mit seinen Eltern jährlich gekommen. Diese Stadt als Symbol für sein Volk sollte und wollte er mit Liebe und Kraft erobern. Doch er wusste schon, dass all sein Liebesmühen umsonst sein würde. Er weinte – heißt es bei Lukas (19,41) und sagte: „Wenn doch auch du an diesem Tage erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.“ Und dann geht er in die Stadt hinein. Über seinen feierlichen Einzug werden wir am Palmsonntag sprechen und uns daran erinnern. Jesus wirft den Führern vor, das Gesetz nur äußerlich zu erfüllen, „Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.“ Das heißt: ihr kümmert euch um äußerliche Kleinigkeiten, aber nicht um das, was das Gesetz wirklich will, um Liebe und Barmherzigkeit. Ihr reinigt Gefäße, innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz. Und weiter heißt es bei Matthäus: „Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt. Aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus von Gott verlassen.“ (Mt 23, 37ff) Jesus ringt um seine Stadt, um die Führer des Volkes. Daher auch reinigt er den Tempel. Er war zu einer Markthalle verkommen. Der Gottesdienst und die Opfer, die Jesus nicht ablehnte, spielten nur mehr eine Nebenrolle. Und so weiß Jesus voraus, dass sie ihn packen, verhaften, den Römern ausliefern und umbringen werden. Er weiß voraus, dass sein Volk, seine Stadt nur durch seinen Tod und seine Auferstehung Heil finden werden. Und vergessen wir in diesem Zusammenhang nicht, dass alle ersten Christen Mitglieder seines Volkes waren, dass die ersten Märtyrer Juden waren. Nicht die Juden haben Jesus abgelehnt und ermordet, sondern nur einige von ihnen, die Verantwortlichen. Es ist ein verzweifeltes Ringen Jesu um seine Stadt, um sein Volk, um den Bund, den der Vater mit seinem Volk geschlossen hat. Aber was betrifft das uns Menschen von heute?
Auch heute geht es Gott nicht nur um den einzelnen Menschen. Es geht ihm um alle Menschen. Daher wird die Kirche Sakrament zum Heil der Welt genannt. Die Kirche ist der lebendige Leib Christi, der durch alle Zeiten allen Menschen nahe sein soll. Durch die Kirche ringt Gott um die Menschen auf dem ganzen Globus. Ältere Christen sind erzogen worden in dem Gedanken, dass wir unsere Seele retten sollen, damit wir in den Himmel kommen und nicht in die Hölle. Diese Sicht war nicht falsch, aber ein bisschen verengt. Denn es geht nicht nur um mich und um Einzelne, sondern es geht um die ganze Menschheit. Sie soll durch das Leben und Tun der Christen lernen, was es heißt, den Nächsten zu lieben. Sie soll auch lernen, was es heißt: Gott liebt den Menschen und alle Menschen. Wie Jesus um seine Stadt, um sein Volk gerungen hat, so ringt Gott heute und zu allen Zeiten um die ganze Menschheit, und wir in der Kirche sollen Instrument, Sakrament der Liebe Gottes sein. Das sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen und bei all unserem Tun und reden versuchen zu beachten. Lesen wir heute dazu Lk 19,41-48 und Mt 23,37-39. Und beten wir vielleicht in der Passionswoche und der Karwoche täglich wie schon der Heilige Bruder Klaus gebetet hat:
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir und
gib mich ganz zu eigen dir.

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