Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 8. April – Impuls 09

Posted by michaelcziba - 8. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Heute geht es um die Gottesmutter Maria. Traditionell ist der erste Tag in Jerusalem immer dem besonderen Gedenken Mariens gewidmet. Zum einen besuchen unsere Pilgerinnen und Pilger die Stadt Ein Karem, den Ort wo Maria Elisabeth aufsuchte, und sie gehen auf den Spuren Jesu den Kreuzweg, den Maria mit ihrem Sohn gegangen ist. Wir wollen versuchen, Maria ein wenig näher kennen zu lernen. Einerseits geht aus der Heiligen Schrift wirklich nicht sehr viel über sie hervor. Andererseits aber hat sie im Lauf der Geschichte der Theologie und der Frömmigkeit eine sehr große Rolle gespielt.
Wir hören in der Bibel, dass ein Bote Gottes, ein Engel zu ihr kam, um ihr anzukündigen, dass sie durch den Heiligen Geist einen Sohn empfangen werde, der groß sein und Sohn des Allerhöchsten heißen werde. Gott werde ihm den Thron seines Vaters David geben, er werde über das Haus Jakobs in Ewigkeit herrschen, und seiner Herrschaft werde kein Ende sein. Es kann wohl kaum anders gewesen sein, als dass sie viele Fragen dazu hatte und mit diesen Fragen leben musste. Und das ist sehr schwer. Wir dürfen uns nichts vormachen: Nach allem, was man sich vorstellen kann, war das für sie höchst beunruhigend. Sie stand vor einem Berg von Fragen: Wie wird das sein, was wird ihr Verlobter sagen, was ihre Familie. Sollte sie ein ruhiges, unaufregendes Leben gesucht haben, so war es damit vorbei. Da braucht man schon viel Gottvertrauen, wenn man mit einem solchen Geheimnis leben soll. Sie wird wohl täglich gebetet haben: Ich vertraue, dass es schon irgendwie gehen wird. Gerade, wenn sie schon als junges Mädchen wirklich tief und echt Gott gesucht hat, dann hat sie wohl gewusst, dass Leben mit Gott eher aufregend ist. Also, alles andere als Idylle vom ersten Moment an. Das zeigt sich dann auch in der Geburt im fernen Betlehem in irgendeinem Unterstand, in den seltsamen Besuchen beim Neugeborenen. Wenn schon ihr Bräutigam Josef von Anfang an solche Zweifel hatte, was er machen sollte, dass sie ihn im Schlaf verfolgten, so dürfen wir ruhig annehmen, dass Maria ähnliche Zweifel und Unsicherheiten plagten. Was sie mehr als andere Menschen brauchte, war der Glaube, dass Gott doch eben alles in der Hand hat. Die Aufregung in ihrem Leben mit Jesus zeigt sich dann auch besonders in der Szene, wo Jesus als 12-jähriger im Tempel zurückbleibt. Sie weiß schon: Mit ihm wird es aufregend und unruhig bleiben. Es wird kein gemütliches Leben. Sicher war es für Maria schön und erhebend, neben einem Menschen zu leben, der offenbar Gott, dem Vater im Himmel, so nahe war. Aber es blieb nicht einfach, die Mutter des Mannes zu sein, der selbst die Autoritäten in Jerusalem beunruhigte. Ja – es wurde immer mehr ein Kreuz, seine Mutter zu sein. Sie zog wahrscheinlich auch mit ihm durchs Land, in Städte und Dörfer. Immer in der Gruppe, die hinter ihm her ging. Da er schon bald anfing, von seinem Konflikt in Jerusalem zu sprechen, und dass man ihn sogar beseitigen werde, da wurde es für seine Mutter immer schlimmer. Sie stand völlig hinter ihm, aber wie konnte sie zusehen, wie er in sein Verderben rennt. Vater, dein Wille geschehe, auch wenn ich ihn nicht verstehe. Das mag ihre ununterbrochene Bitte gewesen sein. Und sie sah, wie er nur den Willen des Vaters suchte und tat. Wie konnte sie ihn daran zu hindern versuchen?! Ihr Kreuzweg dauerte wenigstens drei Jahre. Nun waren sie alle in Jerusalem, Jesus exponierte sich durch sein Reden und die Tempelreinigung, er sprach vom Ende der Zeit, von „seiner“ Stunde. Ich bin sicher, dass sie seinen Kreuzweg mitging, immer so nah wie möglich bei ihm. Er sollte sehen, dass seine Mutter da war. Und dann sah er sie vom Kreuz herunter. Sie war da, die Berufenen nicht – außer einem.
Und dann erschien er auch ihr als der Auferstandene. Auch für sie wird das ebenso schön wie unglaublich gewesen sein. Doch sie hatte gelernt zu glauben, zu glauben, dass bei Gott kein Ding unmöglich ist. Sicher war sie voll der Gnade. Diese Gnade brauchte sie auch, denn ihr ganzes Leben war ein Kreuzweg. Sie musste mit ansehen, wie ihr Sohn durch sein Tun den Zorn der Welt auf sich zog und wie seine Freunde ihn verraten und verlassen haben. Sie musste zusehen, wie er gescheitert ist. Noch konnte sie nicht erleben, dass der Same, den er ausgesät hatte, viel später erstaunliche Frucht brachte. Noch konnte sie nicht erleben, dass er selbst als Samenkorn sterben musste, damit unendliche Frucht wachse.
Das war ein rascher sehr persönlicher Gang durch das Leben der Gottesmutter. In der Bibel steht sie ganz im Schatten. Aus diesem Schatten aber tritt sie im Lauf der Geschichte der Theologie und Frömmigkeit heraus. Bis zum Jahr 380 streiten sich Bischöfe und Theologen darüber, wie man die Mutter Jesu nennen darf. Dann einigen sie sich: sie ist Gottes-Mutter, Theotokos, Gottesgebärerin. Sie ist die Frau, die Gott geboren hat, denn ihr Sohn war Mensch und Gott. Damit beginnt eine Art Siegeszug. Sowohl die Denker wie auch die Beter erkennen immer tiefer ihre Bedeutung für Glaube und Kirche. Sie wird in immer goldeneren Farben dargestellt. Sie steht an der Seite ihres Sohnes. Und es entstehen immer mehr Heiligtümer, wohin die Gläubigen pilgern, damit sie sie dort um ihre Vermittlung zu Gott bitten. Manche meinen fälschlicherweise, sie werde gar angebetet. Das aber ist völlig falsch. Sie wird um Hilfe bei Gott angerufen. Die Gläubigen wissen, Gott ist Geheimnis, Mysterium. Man kann sich ihn letztlich nicht vorstellen. Bei Maria ist das anders: Sie ist und bleibt ein Mensch, man kann sie sich vorstellen, darf es auch tun. Daher wenden sich viele Gläubige an sie, vertrauen auf sie. Man geht gern zur Mutter. Sie versteht, sie ist nahe.
Und in den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Menschen gesagt, dass ihnen die Gottesmutter Maria erschienen sei. Manche dieser Erscheinungen wurden von der Kirche anerkannt, andere nicht. Entscheidend ist, dass die Gläubigen zu Christus geführt werden, dass ihr Leben durch die Begegnung mit der Gottesmutter reich und froh und schön wird. Die Gottesmutter darf den Blick auf Christus und den Vater im Himmel nicht verstellen, sondern muss ihn öffnen. Auf jeden Fall ist es hilfreich, sich in das Leben der Gottesmutter glaubend zu vertiefen. Daher schlage ich vor den Text des Magnificats zu betrachten Lk 1,46-55. Und dann könnten wir uns fragen: Wie ist mein Verhältnis zu Maria, bin ich damit zufrieden, kann und soll ich es vertiefen, wie kann das geschehen? Wie kann Maria mir persönlich Hilfe zu Christus sein?

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