Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 9. April – Impuls 10

Posted by michaelcziba - 9. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Unsere Pilgerinnen und Pilger stehen vor den Toren der Davidsstadt. Sie besuchen die wichtigsten Stätte dieser Heiligen Stadt und beginnen auf dem Ölberg, über den Jesus ebenfalls als Pilger aus Galiläa gekommen ist und betreten diese Stadt, die so vielen Menschen wichtig ist.
An Palmsonntag gedenken wir in der Liturgie des Einzugs Jesu in Jerusalem. Es ist der Anfang der Heiligen Woche, der Karwoche. Lesen wir dazu Mt 21,1-23.
Der Evangelist Matthäus erklärt, warum so ausführlich von dem Esel die Rede ist, der geholt wird und auf den sich Jesus setzt: Der Esel soll zeigen, dass Jesus – wie es beim Propheten Jesaja heißt – der friedfertige König ist. Er kommt nicht hoch zu Ross, er kommt nicht mit Lärm. Jesus will denen den Frieden bringen, die ihn aufnehmen. Freilich hat er früher betont, dass es durch seine Botschaft auch Auseinandersetzungen bis in die Familie hinein gibt. Er hatte sogar gesagt, er sei gekommen, das Schwert zu bringen. Vielleicht müssen wir das so verstehen: Bei den Menschen, die sich nicht scheuen, wegen Jesus den Konflikt zu wagen, zieht nach dem Konflikt und durch den Konflikt der Frieden ins Herz ein. Wer den Konflikt um Jesu Botschaft nicht scheut, der wird tief im eigenen Herzen erfahren, dass es gut und Frieden bringend ist, sich Jesus anzuschließen. Er bringt den Frieden denjenigen, die mutig den Kampf für ihn aufgenommen haben.
Diese Überlegungen weisen schon auf „Hosanna und Crucifixe“, auf Kreuz und Auferstehung hin, auf Krieg und Frieden. Und dann: die einfachen Leute freuen sich über die Ankunft Jesu, sie reißen Zweige von den Bäumen und legen ihre Kleider auf den Weg vor Jesus. Die Verantwortlichen schimpfen. Jesus sagt – nach dem Lukas-Evangelium: „Wenn diese Leute nicht jubeln, dann werden die Steine schreien.“
Freilich müssen wir daran erinnern, dass die Jubler vermutlich in der Mehrzahl eben einen politischen Messias erwarten, der die Römer aus dem Land treibt, der einen Gottes-Staat aufbaut. Viele von ihnen erwarten und erhoffen sich vielleicht auch nur einen Wunderheiler, der alle Kranken gesund macht, der die bösen Geister, vor denen alle Angst haben, vertreibt. Viele erwarten vielleicht auch nur einen, der Brot vermehrt, der Mirakel macht. Viele denken gar nicht daran, sich zum Reich Gottes zu bekehren, sondern wollen nur ein leichteres Leben. Gott spielt für sie vielleicht gar keine Rolle. Vermutlich sind einige unter ihnen, die fünf Tage später schon brüllen: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn.“
Und Jesus weiß das. Erinnern wir uns: Er hat dreimal von seinem bevorstehenden Leiden gesprochen. Dreimal hat er den Jüngern gesagt, dass er von den Verantwortlichen verworfen werde, dass er geschunden und umgebracht werde. Dass er aber auch von den Toten auferstehen werde. Es ist schon sehr bemerkenswert, dass alle drei Synoptiker von den dreimaligen Leidensankündigungen sprechen. Und wir dürfen uns schon ein wenig vorstellen, dass dieser Gedanke an das Leiden Tag und Nacht in Jesus gegenwärtig war. Er war ja in diesem Sinne Mensch wie wir. Es muss ihm immer vor Augen gestanden haben, dass die Verantwortlichen seines heiligen Volkes ihre Stunde nicht erkennen werden und ihn verwerfen, dass sie ihn zu Tode schinden lassen, dass sie ihn kreuzigen lassen. Ob dieser schreckliche Gedanke jemals von ihm gegangen ist? Er musste immer mit ihm leben – bei Tag und bei Nacht. Und er musste leben mit dem Gedanken, dass keiner seiner Jünger zu ihm stehen werde, dass sie alle davonlaufen würden. Und nun sah er beim Anblick der heiligen Stadt Davids, dass die Menschen ihm zujubelten. Und in seinem Inneren wusste er, dass der Jubel bei fast allen nur Oberfläche war, dass er bei den meisten nicht aus dem Herzen und auch nicht aus dem Geist kam.
Das Ringen Gottes um den Menschen, so wie Jesus bis zum letzten Atemzug selbst gelebt und gezeigt hat, geht bis in unsere Tage. Und es geht auch durch mein eigenes Herz. Auch in meinem Herzen spielt sich ein Kampf ab zwischen Ich und Du, zwischen meinem Egoismus und der Offenheit für den Nächsten. Denken wir an Paulus, der schreibt: „Ich tue, was ich nicht will, und was ich will, das tue ich nicht. Ich armseliger Mensch.“ Das ist Gottes Kampf um die Welt. So sind wir hineingenommen in den Kampf, den Jesus austragen musste.
Für den Palmsonntag und den Montag danach schlage ich Ihnen vor: Fragen Sie sich, wann Sie sich den anderen, der Mehrheit angepasst haben, obwohl Sie wussten, dass das falsch ist? Fragen Sie sich, wann und wo Sie mit den Wölfen geheult haben und wo Sie in Gefahr sind, das zu tun. Fragen Sie sich, wo Sie Zivilcourage einüben können, wo Sie aus Menschenfurcht schweigen oder bei etwas mitmachen, was Sie im eigenen Herzen für falsch halten. Und bitten Sie den Vater im Himmel um Mut, um Zivilcourage. Und schauen Sie eine Weile auf Jesus, wie er auf dem Ölberg steht und nach Jerusalem hinüberschaut und wie er dann auf dem Esel in die Heilige Stadt hineinreitet. Für alle in der Kirche.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

 
%d Bloggern gefällt das: