Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 10. April – Impuls 11

Posted by michaelcziba - 10. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Am Gründonnerstag feiert die Kirche die Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus Christus. Jesus hat dabei der ganzen Kirche das Sakrament der Eucharistie geschenkt. Die Eucharistie ist nach katholischer Auffassung Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Tatsächlich ist die Sonntagsmesse für die allermeisten Katholiken der zentrale Punkt ihres Glaubenslebens, wie es ja auch unsere Kardinal in seinem Fastenhirtenbrief am Ersten Fastensonntag dieses Jahres betont und ausgeführt hat. Umso wichtiger ist es, dass wir möglichst genau verstehen, was wir dabei feiern. Es wird immer viel über die Messe diskutiert und vielleicht gestritten worden. Es geht um die tridentinische und die nachkonziliare Messliturgie. Das hat wahrscheinlich der guten Feier selbst nichts genützt. Deswegen ist es sinnvoll, sich Grundlegendes über die Eucharistie in Erinnerung zu rufen. Natürlich ist die Messe eine Erinnerung an Jesus, vor allem an sein Leiden und Sterben am Kreuz. Jesus hat ja selbst den Aposteln gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Wir tun es also, um uns seiner zu erinnern. Und wehe, wenn die Welt, wenn die Christen einmal sein Leiden und Sterben vergessen würden! Wir tun es tatsächlich, um der Welt in Erinnerung zu halten, dass er für uns gestorben ist. Wer immer sonntags oder auch werktags die Messe mitfeiert, darf sich sagen: Ich trage dazu bei, dass Jesu Sterben und auch seine Auferstehung in der Weltgeschichte nicht vergessen wird. Wie gut, dass wir so eine Aufgabe haben. Wir alle!
Aber die Eucharistiefeier ist natürlich nicht nur eine Erinnerung. In ihr wird das Lebensopfer Jesu gegenwärtig, präsent. Wohlgemerkt: Es wird nicht wiederholt. Aber das Sterben, der Tod und die Auferstehung werden geheimnisvoll mitten unter uns gegenwärtig. Früher hat man gesagt: Das damalige blutige Opfer wird heute unblutig gegenwärtig. Wir dürfen uns das noch ein wenig besser verdeutlichen: Jesus tritt gleichsam unter uns und sagt uns: Ich setze hier und heute wieder mein Leben für euch ein, ich sterbe für euch, um euch so meine Liebe zu zeigen und Leben zu schenken. Er wird unter uns gegenwärtig, er ist mitten unter uns gegenwärtig, anwesend. Und das gilt auch, wenn wir die Kommunion nicht empfangen. Auch wenn wir aus irgendeinem Grund die Kommunion nicht empfangen, dürfen wir doch glauben, dass Jesus mitten unter den Feiernden steht und ihnen sagt: Hier bin ich, ich schenke mich euch, ich gebe mich euch. Nehmt mich, ich will in euch leben, ich will in euch lebendig sein. Das gilt auch für diejenigen, die die Kommunion nicht empfangen wollen oder können.
Wir glauben also, dass Jesus wirklich und nicht nur symbolisch gegenwärtig ist, wenn die Eucharistie gefeiert wird. Wir sollten den alten Streit, ob Jesus wirklich oder nur im Symbol gegenwärtig ist, begraben. Denn Jesus schenkt sich in den heiligen Gestalten bei jeder Messfeier wirklich. Und wenn wir dann die Kommunion empfangen, dürfen wir glauben: Er geht mit seiner Kraft in mich ein. Er will in mir lebendig sein. Er will in mir leben. Weil wir die heilige Gestalt auch körperlich berühren, weil wir die heilige Hostie in den Mund bekommen, können wir Jesus gleichsam greifen. Aber auch wenn wir das Sakrament nicht empfangen können, können wir uns dennoch ganz liebend mit ihm verbinden. Ja, vielleicht ist sogar manchmal die liebende Verbindung mit Jesus wesentlicher als der physische Kommunionempfang. Man kann manchmal den Eindruck haben, die Menschen empfingen zwar die Hostie, aber dass sie sich dabei liebend mit Jesus verbinden, davon ist nach außen mitunter wenig zu spüren. Also, seien wir versichert: Die innige, liebende Verbindung mit Jesus hängt nicht allein davon ab, ob wir die Kommunion empfangen oder nicht. Die tiefe Verbindung geht über das Herz, sein und unser liebendes Herz.
Das bisher Gesagte ist aber noch keineswegs alles, aber es ist wichtig. Wir feiern die Eucharistie nicht allein, sondern in Gemeinschaft. Viele Getaufte verbinden sich in der Eucharistie mit ihrem Herrn. Sie wachsen dadurch zusammen. Sie sind zwar schon durch die Taufe in den Leib Christi eingefügt, aber sie werden es noch intensiver durch die Eucharistie, weil sie an einem gemeinsamen Tisch feiern. Aber nicht nur die Christen, die gemeinsam Eucharistie feiern, wachsen intensiver zu einem Leib zusammen Sie wachsen auch mit denen geheimnisvoll, mystisch zusammen, die rund um den Globus die Eucharistie feiern. Eucharistie feiernde Gemeinden bilden ein Netz rund um unseren Globus. Man kann nicht gültig Eucharistie feiern, ohne in den ganzen Leib Christi rund um den Erdball eingefügt zu werden. Jede feiernde Gemeinde muss offen sein, bereit dazu, mit anderen Gemeinden ein Netz zu bilden. Keine Gemeinde ist allein, sie ist Glied in einer langen Kette von Feiernden. So wächst der Leib Christi durch Raum und Zeit. Am Ende der Tage werden wir staunend erkennen, dass wir ja zusammen gehörten und zusammen waren – nicht nur mit denen, mit denen wir gefeiert haben, sondern auch mit allen Brüdern und Schwestern, die sich an Jesus Christus fest gemacht haben vor uns und nach uns und weit weg am anderen Ende des Globus.
Die Eucharistiefeier ist also ein geheimnisvoller, ein mystischer Vorgang. Es ist nichts, was Menschen machen, was man menschlich organisieren kann. Wir haben das Eigentliche nicht in der Hand. Das Eigentliche wird uns geschenkt, und wir können es nur im Glauben annehmen. Und daher haben die Menschen Recht, die die Liturgiegestaltung in Grenzen weisen. Was wir gestalten können, ist nur der Rahmen, das Eigentliche können wir nicht gestalten. Aber den Rahmen müssen und dürfen wir gestalten. Aber er darf nicht das Zentrale werden. Wenn wir nur noch auf den Rahmen schauen, dann verlieren wir alles. Der Rahmen ohne das Bild ist nichts wert.
Ich glaube, wir stehen kirchengeschichtlich an einem Zeitpunkt, wo wir das Mysterium der Eucharistie neu entdecken müssen und können. Wir haben die Liturgie reformiert. Und nun nach einigen Jahrzehnten hat sich gezeigt, was man reformieren kann und muss und was unantastbar bleiben muss. Wir müssen das Geheimnisvolle, das Mysterium in der neuen Liturgie unterstreichen und leben. Das ist möglich. Wir dürfen – wie gesagt – den Rahmen gestalten, aber heute ist es an der Zeit, in der Form der Messfeier deutlich werden zu lassen, dass das Zentrale ein Mysterium ist, das wir letztlich nicht verstehen können, das wir nicht gestalten, in das wir hineingenommen werden, in das wir uns hineinnehmen lassen müssen. Lesen wir heute Mt 26,20-29.

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