Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Impuls zur Israelwallfahrt am 11. April – Impuls 12

Posted by michaelcziba - 11. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Am heutigen Tag werden unsere Pilgerinnen und Pilger die Heimfahrt antreten und wenn alles gut läuft, diesen Tag mit einer Heiligen Messe in der Grabeskirche beginnen. Allerdings ist der Name, den unsere orthodoxen Schwestern und Brüder benutzen, aus meiner Sicht wesentlich passender: Auferstehungskirche. Wir erinnern uns in der Osternacht an dieses tiefste Glaubensgeheimnis. Wir erinnern uns an die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Es ist der krönende und emotionalste Moment einer jeden Pilgerreise ins Heilige Land.
Fragen wir uns einmal: Wie sähe die Welt aus, wenn wir nicht an eine Auferstehung Jesu glauben könnten? Wie sähe die Welt für uns aus, wenn wir registrieren müssten: Jesus ist gestorben und so wie alle anderen Menschen im Grab geblieben? Jesus wäre durch die Menschen definitiv vernichtet, ausgeschaltet worden? Die Sache Jesu wäre vorbei. Sein moralisches Leben und sein Ruf nach dem Reich Gottes wären eine unter vielen moralischen Aufbrüchen im Lauf der Geschichte, aber nicht mehr. Moralische Appelle hat es viele gegeben, und auch viele Aufbrüche. Aber wirkliche Durchbrüche hat es nicht gegeben, die Welt ist immer gleich geblieben. Nur Naivlinge meinen, dass es eines Tages besser wird, dass eines Tages Gerechtigkeit ausbrechen wird. Realisten sind der Überzeugung, dass alle Menschen, die wie Jesus leben, umgebracht, beseitigt werden, vielleicht nicht gleich gekreuzigt, aber doch wenigstens eliminiert, weil sie nicht ins System passen.
Und was glauben wir Christen, wenn wir die Auferstehung Jesu bekennen?
Wir glauben, dass das Scheitern Jesu am Kreuz letztlich kein Scheitern ist, sondern ein Sieg, ein Sieg über den Tod und das Böse und über den Egoismus. Wir glauben, dass ihn der Vater von den Toten auferweckt hat, dass sein Leben und Tun also von Gott-Vater bestätigt wurde, dass Jesus nicht nur Recht hatte, sondern gesiegt hat und am Ende der Zeit sogar siegen wird. Er wird siegen nicht nur, weil er Recht hatte, sondern weil er bis in den Tod hinein geliebt hat, weil er noch im Sterben seine Feinde geliebt hat, weil er noch im Sterben nicht auf sie geflucht, sondern ihnen verziehen hat. Die Liebe trägt den Sieg davon. Das zeigt uns die Auferstehung Jesu.
Auf diesem Hintergrund ist es nun wirklich interessant, was in der Liturgie der Osternacht alles geschieht.
Erstens die Weihe des Feuers. Wir sind im Dunkel der Nacht. Das Feuer erinnert an die Wärme, die von der Liebe des Herrn ausgeht, an das Licht, das von ihm ausgeht. Jesus hatte gesagt: ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen, ich bin das Licht der Welt. Denken wir an diese Worte, wenn wir das Feuer sehen. Und vom Feuer geht das Licht der Osterkerze aus, mit der wir in die Kirche einziehen. Und das Licht verbreitet sich unter den Gläubigen, aber alles österliche Licht in den Herzen und auf den Gesichtern geht von der Kerze aus, die Christus symbolisiert. Und dann singt der Priester oder ein Vorsänger den Hymnus an die Kerze, an Christus. Und er singt auch von der „seligen Schuld“, von der „felix culpa“. Die Schuld der Menschen ist selig, weil sie einen solchen Freund gefunden haben, der die Schuld von ihren Schultern nimmt und die Schuld auf die eigenen Schultern nimmt. Und er hat den Schuldschein ans Kreuz geheftet.
Und dann folgen die vielen Lesungen. Sie erinnern uns daran, dass Leben und Sterben Jesu eine lange Vorgeschichte haben. Gott hat nicht nur in Jesus an uns gehandelt, sondern jahrhundertelang an seinem Volk. Er hat eine sehr lange Geschichte mit seinem Volk. Er hat Abraham berufen. Ein einzelner, einsamer Mann in der Wüste. Das kann uns sagen: Niemand darf verzweifeln, weil er ja allein gegen eine Welt steht, denn auch mit Einzelnen kann Gott eine große Geschichte beginnen. Und dann hat Gott sein Volk nicht nur in die Sklaverei Ägyptens gehen lassen, sondern auch herausgeführt. Auch das Leben in Sklaverei ist kein Leben ohne Gott. Denn er ist bei den Sklaven, er beruft Moses, bildet ihn heran, und Gott befreit sie durch ihn und gibt ihnen sein Gesetz. Und dann schickt er immer wieder Propheten, die an ihn erinnern, die sein Volk mahnen, zurechtweisen, auch trösten. Gott ist bei seinem Volk. Und dann singen die von Jesus Befreiten das Alleluja. Vierzig Tage haben sie auf das Alleluja verzichtet. Es scheint wichtig, dass das Leben Perioden hat. Nur so wird es kein Einerlei. Wehe, wenn wir die 40 Tage der Fastenzeit, des Weges nach Jerusalem vergessen, wenn wir unser Ramadan vergessen. Wir fasten nicht nur wegen unserer Schönheit und Gesundheit, wir fasten, weil wir einen Herrn haben, der uns liebend in seine Arme schließen will. Und dann ist das Alleluja-Fasten zu Ende und wir dürfen wieder das Auferstehungs-Alleluja singen. Und wir sollen es kräftig singen. Und dann kommt die Feier der Taufe. Es ist schön, wenn in der Osternacht auch Kinder oder Erwachsene getauft werden. Wenn nicht, dann ist es umso nötiger, dass alle Getauften ihre Taufe erneuern. Taufe ist sicher Eingliederung in das Volk Gottes, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch und vor allem Abstieg in den Tod Christi ist, um mit ihm aufzuerstehen. Das Untertauchen ist das Eintreten in die Todesgemeinschaft mit ihm und das Auftauchen ist das Auferstehen. Wenn wir es schon als kleine Kinder nicht selbst vollziehen konnten, so sollten wir doch wenigstens jetzt in der Osternacht geistig in Jesu Tod hinein sterben, um mit ihm aufzuerstehen. Und dann feiern wir die Eucharistie. Auf sie hatten wir am Karfreitag verzichtet. Wir feiern sie also in gewisser Weise neu. Wir feiern in ihr Jesu Sterben und Auferstehen, wir feiern und erleben sein Angebot: „Nehmt und esst mich. Ich sterbe, damit ihr lebt. Ich will in euch leben, ich will immer in euch sein. Ich schenke mich euch.“
Und dann feiern wir das Osterfest. Christus ist von den Toten erstanden. Er stirbt nicht mehr. Er lebt, um immer für uns einzutreten. Wir dürfen leben mit dem Wissen: Er tritt für mich ein. Er setzt sich in Leben und Tod für mich ein. Der Auferstandene ist an meiner Seite. Heute und alle Tage meines Lebens gilt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.
Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest und eine gesegnete Osterzeit.

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