Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Predigtreihe zum PGR-Jahresthema – Teil 01

Posted by michaelcziba - 5. Mai 2019

Teil 01 zum Schrifttext Off 5,11-14 – von Pfr. Michael Cziba
Am Ende seiner Thronsaalvision formuliert Johannes in der Offenbarung sein Osterbekenntnis. In einer Kombination verschiedener alttestamentlicher Motive führt er uns den himmlischen Hofstaat vor Augen, der einen Siegeshymnus auf den gekreuzigten und erhöhten Christus anstimmt. Mit sieben Worten – Macht, Reichtum, Weisheit, Kraft, Ehre, Herrlichkeit und Lob – wird die Würde und die göttliche Machtfülle des Lammes beschrieben. Es geht also ganz um ein Bild vom himmlischen Reich.
Wenn wir die Redewendung vom „über den Jordan gehen“ benutzen, ist dies landläufig für uns immer die Richtung in das Himmlische Reich. Es kommen uns Zukunftsbilder in den Blick, die das Jenseits beschreiben. Ein Land taucht vor uns auf, in das wir gehen wollen, aber erst wenn die letzte Stunde anbricht. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass die Lesung aus der Offenbarung des Johannes manchem Bibelleser – neben den anderen Stellen – einfällt, wenn er ein Thema, wie das unsere hört. Auch viele Bibelkenner, Exegeten und Theologen denken in diesem einfachen Muster: über den Jordan gehen = in das Himmelreich gehen. Sie denken in erster Linie nur an den Gang des Elija, der nachdem er den Jordan durchquerte in den Himmel aufgenommen wurde und nicht mehr zu sehen war. Und so wurde seit dem Frühen Mittelalter dieses Sprichwort ein fester Bestandteil unserer Sprache. Aber es ist viel zu einengend.
Johannes möchte mit seiner Vision die Christen seiner Zeit zum Durchhalten ermutigen und ihnen zeigen: Der Sieg wird schon gefeiert, auch wenn es jetzt noch Verfolgung und Not gibt. Wir sind erlöst und befreit, auch wenn diese Wirklichkeit nicht immer zu sehen und zu spüren ist. Und er will seine Leser und Hörer animieren, in das himmlische Lob auf Gott und das Lamm einzustimmen, den Sieg des Lebens über den Tod schon mitzufeiern.
Damit hat er zwar einen Hoffnungsschimmer für die Christen seiner Generation geschaffen und auch für viele Christen seitdem. Aber diese Sichtweise kann leider dazu führen, nur noch einen Blickwinkel zu erkennen. So wichtig es war und ist in extremer Notsituation einen Halt in Gott oder der Vorstellung eines Himmlischen Reiches zu finden, so gefährlich ist es diese Sichtweise auf das alltägliche Leben mit seinen Problemen anzuwenden. Allzu leicht schauen wir auf Bibeltexte nur noch mit einem „gängigen“ Blick und übersehen die eigentlich vielfältige Bedeutung. Für unser heutiges Leben: Wenn im Alten Testament, das Johannes immer wieder zitiert bzw. darauf Bezug nimmt, davon die Rede ist „über den Jordan zu gehen“, hat dies in erster Linie mit Aufbruch und Neuanfang, Mut und Überwindung alten Denkens zu tun. Sei es der Schritt des Volkes Israel in das verheißene Land, die Heilung eines Aussätzigen, die Bedeutung des Jordans als Lebensspender bis hin zur Taufe Jesu in diesem Fluss. Über den Jordan gehen wird für uns überlebenswichtig sein und nicht den Tod herbeiführen. Wir werden, was wir ja in dieser Zeit feiern, nicht dem Tod ausgeliefert und von diesem besiegt, sondern aus dem Tod befreit. Aber dies bedingt den Glauben an Gottes Gegenwart, bedingt das Vertrauen auf Gottes Kraft, bedingt das Vertrauen in die Führung Gottes. Und damit sind bei der ersten wichtigen Frage für unsere Gemeinde, für unsere Kirche, wenn wir uns den Problemen der jetzigen Zeit stellen: Vertrauen wir noch auf Gottes Gegenwart in unserer Mitte? Können wir uns noch seiner Führung anvertrauen, statt alles selbst machen zu wollen?

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