Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Predigtreihe zum Jahresthema des PGR – Teil 04

Posted by michaelcziba - 26. Mai 2019

Teil 04 zum Schrifttext Apg 15,1-2.22-29 – von Pfr. Michael Cziba

Die vorgegebene Leseordnung rückt eine für die frühe Kirche theologisch brisante Frage in den Vordergrund: Kann man Christin oder Christ sein, ohne die jüdischen Gesetze zu halten? Das Christentum war in dieser frühen Zeit noch sehr stark an das Judentum gebunden, aber immer mehr Nichtjuden schlossen sich der neu entstehenden Gemeinschaft an. Wie aber sollte man mit diesen, aus jüdisch-christlicher Sicht heidnischen Menschen umgehen? Gehörte das Jüdische konstitutiv zum Christentum dazu, oder sollte man eigene Wege – unabhängig von jüdischen Gesetzen und Lebensvorstellungen – gehen? In Antiochia konzentrierte sich die Frage auf die Notwendigkeit der Beschneidung: Muss also ein nichtjüdischer – und damit nicht beschnittener Mann – sich beschneiden lassen, um zum Christentum gehören zu können? Man war sich in dieser Frage alles andere als einig, es kam zu großen Auseinandersetzungen, die dazu führten, dass Paulus und Barnabas zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem geschickt wurden.
In Jerusalem legt Petrus in einer großen Rede dar, dass Gott diese Frage bereits entschieden habe, indem er den Heiden den Glauben als Gabe des Heiligen Geistes schenkte. Der Glaube an Christus reicht, um Christin oder Christ zu sein. Schwierigkeiten ergeben sich aber im Zusammenleben von Judenchristen und Heidenchristen. Im sog. Aposteldekret, das den Hauptteil der Lesung bildet, wird daher auf die beiden gestellten Fragen Bezug genommen: Den Heiden werden keine Lasten, wie etwa die Beschneidung auferlegt, denn der Glaube an Christus reicht, um gerettet zu werden. Um das Zusammenleben aber mit den jüdischen Mitschwestern und Mitbrüdern zu ermöglichen, um Tischgemeinschaft halten zu können, wird den Heidenchristen auferlegt, Dinge zu meiden, die den jüdischen Reinheitsvorschriften zutiefst widersprechen. Es handelt sich hier also nicht um eine Frage des Glaubens, sondern um Rücksichtnahme und Wertschätzung des Anderen. Die Gemeinde, die aus dem Glauben an Christus aus Juden und Heiden zusammenwächst, braucht Grundlagen für das gemeinschaftliche Miteinander.
Und da genau dort können wir auch für unsere manchmal zerstrittene Christenheit innerhalb der Katholischen Kirche und innerhalb der Christlichen Kirchen und Konfessionen lernen. Wir alle sollten uns mehr auf das wesentliche konzentrieren, auf den gemeinsamen Glauben und die Geschichtlichen Entwicklungen und Traditionen nicht als das Trennende zu sehen, sondern in dieser Unterschiedlichkeit das zentrale gemeinsame Glaubenszeugnis und Glaubensbekenntnis sehen. Schon die ersten Christen haben diesen Weg immer wieder eingeschlagen und bis heute gibt es sieben katholische Kirchen, die sich in den Kernfragen einig sind, obwohl äußerlich betrachtet, durch die Traditionen große Unterschiede bestehen. Warum können wir in dieser äußerlich angespannten Situation für alle christlichen Kirchen nicht das Zusammenführende betonen in der Unterschiedlichkeit der einzelnen Traditionen und Unterscheidungen. Warum machen wir nicht mehr miteinander, statt nebeneinander oder gegeneinander. Dies gilt aber nicht nur für die Ökumene, sondern ist auch in jeder Katholischen Gemeinde zu sehen. Man will das Alte behalten, und wenn sich schon mal was ändern muss, dann immer bei den anderen. Wenn wir als Gemeinde den Mut des Aufbruchs besitzen und zeigen wollen, müssen zuerst diese Engstirnigkeiten unter uns aufgehoben werden. Müssen wir lernen, im Miteinander das christliche deutlich sichtbarer zu machen. Nur so können wir überlebensfähig für die Zukunft werden und aufbrechen in die neue ungewisse Richtung. Nur so könne wir ernsthaft über den Jordan gehen, um neu zu werden und Neues zu erleben.

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