Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Predigtreihe zum Jahresthema des PGR – Teil 5

Posted by michaelcziba - 30. Mai 2019

Teil 05 zum Schrifttext Apg 1,1-11 – von Pfr. Michael Cziba

Die mythologische Vorstellung einer „Himmelfahrt“ ist der Antwortversuch auf die alte menschliche Sehnsucht, nicht endgültig sterben zu müssen. Himmelfahrt wurzelt als Thema in den Mythen und Sagen alter Kulturen, auch in der biblischen Überlieferung. Letztlich meint sie eine Bewegung von unten nach oben, von der Erde zum Himmel, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren. Für Menschen bleibt der „Himmel“ das geahnte, noch nie gesehene Ziel und der erhoffte, noch nie erreichte Zustand, gar der Raum ewigen Lebens. Diese Sehnsucht hält sich bis in unsere aufgeklärte Zeit durch: trotz aller Verflüchtigung metaphysischer Inhalte, trotz der um sich greifenden philosophischen Destruktion aller religiösen Himmelsvorstellungen, trotz aller ästhetischen Popularisierung in der Kunst. Auch das Fest „Christi Himmelfahrt“ will das Nicht-Sichtbare visualisieren.
Dabei waren dem Verfasser des „lukanischen“ Doppelwerkes die zeitüblichen Vorstellungen bekannt: die antiken heidnischen und jüdischen Bilder der „Entrückung“ und „Himmelsreise“ im Kontext des Lebensendes großer Menschen. Wohl waren derartige Berichte damals nicht gerade alltäglich, aber durchaus nicht unbekannt: die Entrückung des Romulus, des Herakles, Alexanders d. Gr.; im biblischen Bereich: die des Henoch, Esra, Baruch, Mose, besonders des Elija (von dem ja diese Einseitigkeit des Bildes „vom über den Jordan gehen“ stammt). So ist es literarisch naheliegend, dass sich bei biblischen wie nichtbiblischen Erzählungen die jeweils gleichen Erzähl-Motive wiederfinden. Weder diese Erzählungen noch andere Texte des NT legen diese Sicht aber nahe, „Christi Himmelfahrt“ als Spektakel zu erklären, das die Naturgesetze übersteigt.
Vielmehr zeichnen sie das Geschehen als nicht bzw. kaum sichtbares, keineswegs konkret-vordergründiges Ereignis: Jesu Sein bei Gott im Himmel, sein Aufsteigen zum Vater, seine Auferweckung und Erhöhung als Einheit. Diese Texte verstehen Erhöhung und Aufstieg als inhaltliche Einheit, nicht wie in der Apostelgeschichte durch einen längeren Zeitraum und durch Einzelereignisse auseinander gerissen und zu einem dramatischen Geschehen ausgestaltet. Einheit ist dabei das entscheidende Stichwort. Wir müssen als Gemeinde eine Einheit bilden in der Unterschiedlichkeit des je einzelnen und der je eigenen Gruppe. Für die christliche Gemeinde kann eine Zukunft nur darin bestehen als eine wirkliche Gemeinschaft aufzutreten. Die Antworten zu geben versucht, auf die Fragen der Menschen nach dem Sinn des Lebens und nach dem Glauben. Es muss für uns darum gehen – neben dem ganz spezifischen Traditionellen – eben auch einfache Antworten zu geben auf den Glauben. Durch ein glaubwürdiges Beispiel christlichen Lebens (eben durch Taten und Zeichen, statt durch großartige Reden) andere Menschen für den Glauben zu begeistern. Wie weit können wir diese Einsicht nachvollziehen? Wie leben wir unseren Glauben? Reden wir positiv und anständig mit und von anderen oder leben wir, wie die Welt, von Neid und Missgunst, von Fehler suchen beim anderen und andere als Sündenböcke hinstellen. Was müssten wir ändern – wie können wir zur Einheit der Gemeinde beitragen und damit zum gegenseitigen Tragen in veränderten Situationen.

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