Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Predigtreihe zum Jahresthema des PGR – Teil 07

Posted by michaelcziba - 9. Juni 2019

Teil 07 zum Schrifttext Apg 2,1-11 (+12-13)

Wir feiern heute Pfingsten, ein eigenartiges Fest an der Schwelle zum Sommer, ein farbloses Fest gemessen an der Kraft der Weihnacht und des Aufbruchs von Ostern. Wir feiern Pfingsten, Fest des hereinbrechenden Geistes und der be¬ginnenden Kirche. Aber ist mit diesem Hinweis mehr gegeben als eine leere Formel?
Gottes Wort muss wieder helfen, und Gottes Wort kann helfen, wenn wir es ernsthaft bedenken im Bericht von jenem Tag, da Gottes Geist die Menschen zu wandeln begann. Und solches Nachdenken sollte nicht gleich wieder zu ergründen suchen, was genau passiert sei, und wie man solches erklären könne; Begegnung mit Gott ist nicht zu erklären, sowenig wie die Liebe, die man erfährt, ohne sie genau beschreiben zu können. Und genau davon wird uns erzählt: Menschen haben etwas erfahren, und was sie erfuhren war dieses: Es geht weiter.
Darum geht es: Es geht weiter. – Nachdem die Jünger immer wieder dem Auferstandenen begegnet waren und darin die Überzeugung gewonnen hatten, „er lebt“ und „es geht weiter“, wird diese Überzeugung am jüdischen Erntefest fünfzig Tage nach Ostern noch einmal machtvoll dokumentiert: Es geht weiter; Gottes Geist, der Geist Jesu kommt auf die versammelten Jünger. Das ist Pfingsten: Jesu Geist erfasst die Jünger. Nicht mehr einfache Begegnung mit dem Lebendigen, nicht mehr einfache Überzeugung von seiner Gegenwart, sondern Erleben seiner Kraft; Erfasstwerden von seinem Leben, das wie Feuer entflammt und erhellt.
Darum geht es in einem zweiten Schritt: Es geht weiter in seiner Gemeinde. – Einbruch des Geistes, Aufbruch seiner Kraft ist freies Geschenk, aber Geschenk an seine Gemeinde; zugesprochen denen, die sich an Jesus halten und mit ihm leben (wie es Jesus in den Abschiedsreden an seine Freunde sagt); übertragen denen, die auf den Auferstandenen zugehen (wie es das Evangelium heute zeigt); ausgegossen über die, welche auf sein Wort hin betend miteinander warten (wie die Apostelgeschichte berichtet).
Das ist Pfingsten: Jesu Geist kommt auf seine Gemeinde. Der Geist weht, wo er will, aber er will seine Gemeinde. Nirgends sonst ist er verheißen und nirgends sonst bricht er in dieser radikalen Weise auf.
Aber es braucht auch jeden einzelnen von uns. Der eben zu Jesus hält und mit ihm leben will, der Gottes Wort erwartet und eben dem Wehen des Geistes vertraut.
Und das ist das dritte Entscheidende: Es geht weiter durch uns. – Das ist nicht aus dem Text selbst abzulesen, wohl aber aus der Tatsache, dass er heute zu uns gesagt ist. Erinnerungen an das Aufbrechen des Geistes meint nicht nur sich Erinnern an das Damals, sondern will den Blick auf uns werfen.
Das ist Pfingsten: Konfrontation mit unserer Chance. Und das kann vom bisher Bedachten nur heißen: es geht weiter, wenn wir uns vom Geist erfassen lassen, wenn Jesu Geist nicht nur Gegenstand unseres Denkens, sondern Wirkkraft unseres Lebens ist; es geht weiter in seiner Gemeinde, wenn wir uns zu ihr bekennen und in ihr seiner Gegenwart innewerden; es geht weiter zur Einheit der Welt, wenn wir die Kraft des Geistes andere spüren lassen und „Feuer und Sturm des Glaubens“ an sie weitergeben. Und dann können wir frohen Mutes über den Jordan gehen, in ein neues Land des Glaubens und in eine von Gott getragene Zukunft.
Wir müssen nur dem Geist Gottes trauen und aus seiner Kraft leben.
Können wir das?

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3 Antworten to “Predigtreihe zum Jahresthema des PGR – Teil 07”

  1. Bruno Schmidt-Girod said

    Das hat der Michael Cziba sehr schön geschrieben.

    Die Passage „wenn wir die Kraft des Geistes andere spüren lassen und „Feuer und Sturm des Glaubens“ an sie weitergeben…“ muss vor allen aber für alle Seelsorger (vom Papst über dem Bischof bis zum Pfarrer vor Ort) gelten. Und aus meinen vielen Gesprächen mit anderen Menschen habe ich herausgehört, dass dieser kraftvolle Geist im jetzigen Handeln der Kirche (Vom Vatikan bis zur Kirche vor Ort) i.d.R. eben nicht mehr überspringt. Und so lange dies der Kirche nicht gelingt, wird auch dieser Geist nicht auf die Mitglieder der Gemeinde überspringen.

    • Ein Journalist fragte Mutter Theresa mal: „Was muss sich an der Kirche ändern?“
      Sie antwortete:“Sie und ich!“

      • Bruno Schmidt-Girod said

        Wichtig ist das man den Mut zur Veränderung hat. Es gibt da ein über 30 Jahre altes Lied von „Fury in the Slaughterhouse“ namens „Time to wonder“ Im Song “Time to wonder” geht es um den Mut zu Veränderung. Und ich staune seit über 30 Jahren über die große und zeitlose Kraft, die von diesem Lied ausgeht. Auf jeder Party ist “Time to wonder” auch heute noch ein echter Hit – einer, der die Menschen auf die Tanzfläche treibt und sie noch dazu zum Mitsingen bewegt. Dieser Song öffnet nicht nur die Lippen, sondern auch das Herz. Er weckt bei mir immer wieder eines: die die Sehnsucht nach dem ganzen, prallen Leben. Vielleicht sollte man das zum Mottolied für die Aktion „Muss die Kirche über den Jordan gehen“ machen. Vielleicht mal als Lied des Monats als Schlusslied jedes Gottesdienst und alle gehen das Lied summend nach Hause und sind bestärkt den Weg der Veränderung zu suchen.

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