Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Geistlicher Impuls zu Allerseelen

Posted by michaelcziba - 30. Oktober 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
„Unsere Toten, die uns starben, hatten eine Spanne Zeit zum Lachen, Lieben, Leiden, Nehmen, Geben, Schuldigwerden. Wir gedenken ihrer. Und wir hoffen: Er hält die Bruchstücke ,Leben‘ zusammen. Wenn wir ausatmen, atmet Gott uns ein.“ So heißt es in einer Inschrift in einer Kirche auf Sylt. Wo sind sie, wer sind sie, die uns starben? Gewesene – zurückgelassen in der Vergangenheit? Erde zu Erde? Dann waren sie nur. Das Nicht¬sein wäre das Ziel des Lebens. Wir glichen Läufern, die dem Ziel entgegenstürmen – und das Zielband wäre ein Abgrund. Sollten wir ins Leben gesetzt sein für den Tod? Manche Naturwissenschaftler meinen dies erkennen zu können.
Christen hoffen, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Nicht ein Milliarden-Jahr-Schau-spiel mit einem dummen Aus und Vorbei am Ende. Vielmehr ein neuer Himmel und eine neue Erde. Und das Alte wird verwandelt. Statt das Leben als Beute des Nichts zu denken, erhoffen Christen die Auferstehung der Toten in Gott. Sicher, schon das begrenzte Lebendürfen ist wunderbar. Wir dürfen und können so viel: lachen, lieben, leiden, schuldig werden. Wenn wir Zukunft haben, dann, weil Gott uns will. Gott findet sich in jedem von uns wieder. Das macht uns unsterblich. Paulus sagt das so: „Wenn der Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus auferweckt hat, auch euch Sterbliche lebendig machen“ (Röm 11). Aber noch ahnen wir nur schemenhaft, wie in einem beschlagenen Spiegel, dass Gott an uns hängt. Wir sind noch Analphabeten in Sachen Gott. Kein Wunder, wenn wir vom Sterben nichts anderes erwarten als den Tod. „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird“, so betet ein Psalm, 2.500 Jahre alt, „dann werden wir sein wie Träumende, unser Mund wird voll Lachen sein. Dann wird man sagen: Der Herr hat Großes an ihnen getan. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“ (Ps 126). Das sind Bilder für unser Leben: Tränen, Saat und Ernte. Wir, die Gefangenen, gekettet an Notwendigkeiten, begrenzt in allem und zum Sterben geboren. Aber der Herr des Lebens wird uns erlösen. Wenn Gott die Ernte des Lebens einbringt – unsere Garben aus Unkraut und Weizen, Ratlosigkeit und Fleiß, Schuld und Glück-, dann werden wir erkennen: Das alles ist doch nicht nur Haschen nach dem Wind gewesen. Gott würdigt es als seine Ernte.
Wenn dieses Bild aus der Heiligen Schrift der Wahrheit nahekommt, dann sind unsere Toten uns nur vorausgegangen, heimgekehrt zu ihrem Ursprung. Sie schauen schon Gott, den wir noch suchen.

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