Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Archive for the ‘Gedanken’ Category

Geistlicher Impuls zum 26. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 23. September 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Im Sonntags-Evangelium spricht Jesus eine Drohung aus. Wem gilt sie? Und wie ist das mit den Zöllnern und Dirnen? Sind sie Jesu Favoriten, und haben sie den Vortritt in das Reich Gottes? Die Drohung ist an jene ergangen, die gemeint haben, sie seien die Favoriten; ihnen komme der erste und womöglich ausschließliche Anspruch auf die Erlösung zu. Ihr Anspruchsdenken – und damit jedes Anspruchsdenken gegenüber Gott – weist der Herr entschieden zurück. Niemand kann seine Erwählung wie einen gesicherten Besitz betrachten. Jederzeit kann sich das Blatt wenden. Ja, es hat sich bereits für diejenigen gewendet, die das ewige Heil wie einen Pensionsanspruch betrachten. Zöllner und Dirnen üben kein erstrebenswertes Gewerbe aus, ganz sicher nicht in den Augen Jesu. Sie sind bedauerlich arm. Ihr Leben führt ins Verderben, wenn sie sich nicht bekehren. Aber wenn sie sich dessen bewusst werden, dann wird ihnen auch klar, wie arm sie sind. Und dann wissen sie auch, dass sie Gott nichts anzubieten haben als ihre leeren Hände, die sie ihm wie Bettler entgegenstrecken können, damit er sie fülle. Dann gehören sie zu denen, die der Herr mit den Worten selig gepriesen hat: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (Mt 5,3) Noch eine Anmerkung: Jeder, dem es klar geworden ist, dass unsere Erlösung – unser Zutritt zum Reiche Gottes – das Kreuz Christi gekostet hat, weiß, dass alle unsere eigenen Anstrengungen dazu nicht ausreichen. Der Herr droht denen, die das nicht begreifen wollen und die es stört, dass Gott so überaus gut und barmherzig ist.

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Geistlicher Impuls zum 25. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 16. September 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Wieder einmal ist es ein Gleichnis, in dem Jesus alle bekannten Verhaltensmuster kräftig gegen den Strich bürstet. Auch persönlich habe ich Mühe damit. Ich bin ein Mensch, der Dinge gerne geregelt und kalkulierbar hat: der weiß, wo es langgeht; der sich auskennt, was vom Gegenüber zu erwarten ist; der gerne Leistung nach Art und Dauer gerecht abgegolten weiß. Für mich und für andere. Aber Gott ist anscheinend anders, und damit ist es doch endlich einmal begreife, braucht es dieses Gegen-den-Strich-bürsten. Gott ist auch der Andere, der Fremde, der Irritierende. Gott entzieht sich, und er ist nicht berechenbar oder kalkulierbar. Doch, in gewisser Weise schon, und zwar in einem Punkt: Wenn es um Großherzigkeit und Barmherzigkeit geht. Jesus lässt in seinem Gleichnis den Gutsherrn fragen: „Bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?“ – Wenn er mich das fragen würde, ich müsste sagen: „Ja, manchmal schon. Manchmal kann ich es gar nicht haben, wenn es andere scheinbar leichter haben und mit dem weitermachen, was ich eingebracht habe. Oder wenn ich mich um etwas vergeblich abgemüht und endlos gewartet habe.“ Wenn ich mir das zugestehen kann, dann merke ich, dass ich „beide Seelen in meiner Brust“ habe. Die Seele dessen, der sich ausgenutzt fühlt, weil er mehr investiert hat. Aber auch die Seele dessen, der vergebliches Warten kennt und dann spät, aber doch zum Zug kommt. Gott ist großzügig und barmherzig – mit dem einen und mit dem anderen.

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Geistlicher Impuls zum 24. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 9. September 2020

Liebe Schwestern und Bruder!
Muss Vergebung nicht auch ihre Grenzen haben? Nicht bei 100 Denaren oder einer anderen Geldsumme, natürlich nicht. Doch gibt es nicht eine Schuld, die nicht zu vergeben ist? Eine Frage angesichts sechs Millionen ermordeter Juden. Eine Frage angesichts enthaupteter Christen im Irak und Syrien. Eine Frage angesichts Tausender misshandelter Kinder. Auch die Frage des Petrus. Nein, ist die unmissverständliche Antwort Jesu. Und er macht einen drastischen Vergleich. Ein Talent entsprach etwa 6.000 Denaren. Wenn also der König seinem Diener 10.000 Talente erließ, entsprach das einer Summe von 60 Millionen Denaren – im Vergleich zu den 100 Denaren, die der Diener seinem Kollegen nicht erlassen wollte.
77-mal vergeben heißt also, immer zu vergeben. Denn mir ist längst vergeben. Gottes Vergebung steht immer am Anfang. Und weil seine Vergebung maßlos ist, darf ich meine Vergebung nicht messen; steht es nicht in meinem Ermessen, ob ich vergebe oder nicht. Weil Gottes Vergebung grenzenlos ist, kann auch ich Grenzen überwinden. Grenzen des Zorns und der Wut. Grenzen meiner Verletzung und meines Schmerzens. Grenzen menschlicher Gerechtigkeitsvorstellungen. Und wenn ich bei meinem Bemühen um Vergebung scheitere, darf ich dennoch auf Gottes Vergebung hoffen.

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Geistlicher Impuls für den 23. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 2. September 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Voraussetzung für die Erhörung des Gebetes ist also – wie es Jesus im heutigen Evangelium sagt -, dass die „zwei oder drei“ im Namen Jesu versammelt sind. Wenn sie aber dem himmlischen Vater ihre eigenen, womöglich ganz anderen oder gar dem Geiste Jesu entgegen gesetzten Anliegen vortragen, können sie kaum damit rechnen, dass sie erhalten, um was sie bitten. Gott kann nicht zwei sich bekämpfende Völker oder Parteien erhören, wenn sie ihn beide um den Sieg über ihre Feinde bitten. Er wird sie aber wohl erhören, wenn sie füreinander beten, weil sie dann im Namen Jesu versammelt sind. „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss der Soldaten hört sich religiös an. Ebenso, was auf einer Siegessäule in einer Kleinstadt geschrieben steht: „Gott war mit uns bei Sedan“. Aber wo war er in Stalingrad? Mit wem ist er eigentlich, wenn Krieg ist, wenn Nachbarn sich bekämpfen, Erben sich zerstreiten und gegenseitig austricksen, Kollegen einander übervorteilen, um selbst die besser bezahlte Stelle zu bekommen? Er ist nicht mit ihnen, und Jesus ist nicht mitten unter ihnen, wenn sie zusammenkommen, um ihre Intrigen zu spinnen. Er ist aber mitten unter denen, die barmherzig sind, die Frieden stiften, die ein reines Herz haben, die zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen und deshalb zuerst beten: „Geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe.“ Wir können ganz sicher sein, dass wir damit kein Risiko eingehen. Denn Jesus, in dessen Namen wir uns versammeln, ist unser Bruder geworden, weil Gott unser Heil will. Durch die Hingabe Jesu für uns am Kreuz ist es erwiesen, dass Gott an jedem von uns mehr gelegen ist als an seiner ganzen übrigen Schöpfung.

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Geistlicher Impuls zum 22. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 26. August 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
„Tritt hinter mich, du Satan!“ So formuliert die neue Einheitsübersetzung der Bibel, die es seit Dezember 2016 gibt, die Wutrede Jesu gegen Petrus. „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen“, haben wir bisher gehört. Kein großer Unterschied auf den ersten Blick. Mich überrascht die aktuelle Übersetzung dennoch; denn „tritt hinter mich!“, zeigt mir ganz klar, wer hier die Führung hat. Jesus selbst bestimmt, was mit ihm geschehen soll und wohin sein Weg führt. Petrus darf sich dem nicht entgegenstellen, auch wenn es so viel beglückender und ermutigender ist, mit dem Messias unterwegs zu sein – dem Wundertäter und Volksbegeisterer und nicht mit einem verurteilten, zerschlagenen Todeskandidaten nach Golgotha. Petrus Anliegen ist menschlich verständlich, aber es muss zurücktreten gegenüber dem göttlichen Auftrag. Mach Platz für das Richtige und lass mich meinen eigenen Weg gehen, das höre ich in diesem „tritt hinter mich“. Es ist doch manchmal ganz schön, die alten Texte mit der neuen Übersetzung wieder ganz neu zu hören!

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Geistlicher Impuls zum 21. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 19. August 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute hören wir die berühmte und unter den christlichen Konfessionen in ihrer Bedeutung umstrittene Stelle, wo Petrus Jesus als den Messias und Sohn Gottes bekennt und Jesus den Petrus daraufhin zum Fundament seiner Kirche macht. Offenbarung Gottes ist das. Menschen – Fleisch und Blut – können nicht von sich aus darauf kommen. Daher kann nicht jeder seinen eigenen Glauben „finden“, d. h. entwickeln und ihn dann christlichen Glauben nennen. Sondern man kann den christlichen Glauben annehmen, sich ihn zu eigen machen, wie Petrus es getan hat. Auch Kirche kann man nicht „machen“, weil sie seine, die Kirche Christi, ist. Man kann sich in sie aufnehmen lassen. Und schließlich ist die Frage falsch, ob wir einen Papst brauchen. Wir müssen fragen, ob Christus uns, seiner Kirche, einen Papst gegeben hat. Übrigens: Im Johannesevangelium wird uns berichtet, dass auch eine Frau mit Namen Marta das Messiasbekenntnis mit fast denselben Worten wie Petrus abgelegt hat (vgl. Joh 11,27). Sie hat zwar daraufhin kein Amt übertragen bekommen wie Petrus – das liegt dem Evangelisten Johannes fern; aber ihr Glaube ist von derselben Qualität und Stärke wie der des Petrus. Im Glauben und darin, wohin der Glaube führt, gibt es keinen Unterschied zwischen Frau und Mann.

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Geistlicher Impuls zum 20. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 12. August 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Die kanaanäische Frau im heutigen Sonntagsevangelium hat nichts vorzuweisen, nicht einmal die Grundbedingung des jüdischen Glaubens. Sie ist eine sogenannte „Ungläubige“, eine Heidin in den Augen der frommen Juden. Trotzdem wendet sie sich an Jesus, obwohl sie weiß, dass er zunächst nur zu den Kindern Israels gesandt ist. Sie muss damit rechnen, dass Jesus sie zurückweist. Aber sie bleibt hartnäckig im vollen Bewusstsein ihrer Stellung. Gerade aber aus dieser Stellung schöpft sie ihre Hoffnung – und lässt nicht locker. Mag sein, dass zuerst die Kinder satt werden müssen, bevor die heidnischen Hunde die Brocken abkriegen. Aber die Frau verliert nicht die Hoffnung, so gut wie die anderen behandelt zu werden. Nicht aufgrund irgendwelcher Vorzüge, sondern aufgrund des Vorteils, keine Vorzüge zu haben außer ihrer Demut und ihrem Glauben an Jesus. Weil ihr demütiger Glaube so weit reicht, wird ihre Tochter geheilt. Die Frau macht die Erfahrung, dass Glaube letztlich Grenzen überwindet und dass die Liebe weiter reicht als die Grenzen, die ihr von Menschen gesteckt werden. Liebe schließt noch das Ausgeschlossene ein.

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Geistlicher Impuls zum 19. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 5. August 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn der Apostel Petrus zuerst einmal ein Bein aus dem Boot gehalten hätte, um auszuprobieren, ob das Wasser ihn auch wirklich trägt, dann wäre er dem Herrn wohl kaum einen Schritt näher gekommen. Nur weil und solange er dem Ruf Jesu ohne Wenn und Aber nachkam, konnte er auf ihn zugehen. Als Zweifel bei ihm aufkamen, drohte er zu versinken. Seit damals haben unzählige Männer und Frauen, Mädchen und Jungen gehört, dass Jesus zu ihnen gesagt hat: „Komm!“ Und sie sind wie Petrus beherzt aus dem Boot ihres gewohnten Lebens, in dem sie sich wohl und geborgen gefühlt haben, ausgestiegen und über oft sehr tiefes Wasser auf den Herrn zugegangen. Aber auch ihnen können unterwegs Zweifel kommen. Auch ihnen kann es passieren, dass sie den Boden unter den Füßen zu verlieren glauben. Dann kommt alles darauf an, dass man in solchen Augenblicken rufen kann: „Herr, rette mich!“ Wir können ganz sicher sein, dass der Herr das tut. Er lässt uns nicht versinken, nicht untergehen. Er hat ja gesagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Auf den Herrn vertrauen – das ist die Kraft, mit der wir alle Furcht und Angst überwinden können. Ich wünsche uns allen diese tiefe Kraft in unserem Herzen, damit wir das Leben meistern können.

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Geistlicher Impuls zum 18. Sonntag im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 29. Juli 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Die überfließende Fülle der Gaben Gottes wird dem bedürftigen, ja dem sehnsüchtigen Menschen angeboten. Wir dürfen zugreifen, heißt es beim Propheten Jesaja. Wer Hunger hat, bekommt, umsonst! Wir dürfen zurückgreifen auf die Liebe Gottes, von der niemand und nichts uns scheiden kann, heißt es beim Apostel Paulus. Wir müssen nicht darben, heißt es beim Evangelisten Matthäus. Wenn wir gewillt sind zu teilen, was wir haben, reicht es im Übermaß für alle. Wer zugreift, wird ein ganzer Mensch, mit allen seinen Sinnen darf er aufleben vor Gott. Wer auf Gott zugreift und auf ihn zurückgreift, ist so reich beschenkt, dass er gar nicht anders kann und will, als zu teilen, was er hat. Je mehr er mitteilt, desto mehr wächst der Reichtum. Und keiner geht leer aus. Manchmal allerdings kommen Durststrecken. Dann gilt es warten zu können – wie Israel auf diese satte Verheißung Jesajas warten musste und immer noch warten muss. Warten können wir, wenn wir uns nicht nur von Brot nähren, sondern wenn Gott selbst unsere Nahrung, unser Du ist, das uns an- und zuspricht und uns versichert, dass wir aus seiner Liebe nicht herausfallen. Warten können wir, weil wir wissen, dass die Fülle der Gaben Gottes kein leeres Versprechen ist.

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Geistlicher Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis A

Posted by michaelcziba - 22. Juli 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Bilder vom Schatz im Acker, vom perlensuchenden Kaufmann und vom Netz haben für die Zuhörenden eine große Bedeutungsbreite. Sie sind aber auch für uns leicht nachvollziehbar und haben in der Umgansgsprache zur Beschreibung von Beziehungen einen festen Platz: „Mein Schatz“, „Du bist eine Perle für mich“, „Ich bin jemanden ins Netz gegangen“. Die Bilder haben ihre Sinnspitze in der personalen Dimension. Jesus ist die wichtigste Beziehung. Wer Jesus gefunden hat, hat einen Schatz entdeckt, steht auf verlässlichem Grund und Boden. Jesus ist die kostbarste Perle. Wer sie gefunden hat, ist so reich an Sinn, dass er nichts anderes mehr braucht. Und wer ihm ins Netzt gegangen ist, wird in diesem Netz gehalten, aber auch auf seine Brauchbarkeit hin überprüft. „Du Liebe, Du Gott. Du bist mein kostbarster Besitz. DU bist mein Ziel“, hat Gertrud die Große (Gertrud von Helfta) einmal geschrieben.

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