Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Archive for the ‘Gedanken’ Category

Geistlicher Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis A

Posted by michaelcziba - 15. Januar 2020

Liebe Gemeindemitglieder!
Johannes den Täufer, den uns die Kunst als wilden, zotteligen und unbequemen „Kerl“ in der Wüste präsentiert, mag ich eigentlich sehr. Seine Radikalität und seine Lebendigkeit beeindrucken mich – wahrscheinlich weil ich nicht so bin. Und ich freue mich immer, wenn von ihm die Rede ist, weil es dann immer um etwas Besonderes geht – um einen unbestechlichen Blick, um ein entscheidendes Wort, um eine wesentliche Erkenntnis. Diesmal ist es sein klarer Blick auf den, auf den er sein Leben lang wartet: aus Jesus. „Seht“, „Er ist es“, „Er bezeugte“. Und es sind nur der Blick und die Aufmerksamkeit, sondern es sind auch die Klarheit und das Erkennen. Dieses Erkennen, diese Begegnung mit Jesus hat Johannes so beeindruckt und geprägt, dass er noch im Gefängnis nach ihm fragt. Sie war ihm wichtig und sinngebend bis zuletzt. Oft beneide ich diesen Johannes sogar ein wenig um seine Klarheit und Entschiedenheit. Ich selber werde Jesus in diesem Leben nie so direkt begegnen können. Aber auch ich möchte versuchen, so ausgestreckt und ausgespannt, so wartend und erwartend mein Leben zu verbringen. Wenn ich im Beten still dasitze, dann erlebe ich mich als einer, die versucht, sich wartend und erwartend, aufmerksam und lebendig auf Gott auszurichten. Und manchmal gibt es dabei auch ein tiefes, beglückendes Erkennen.

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Geistlicher Impuls zum Fest der Taufe des Herrn im Lesejahr A

Posted by michaelcziba - 8. Januar 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Als Papst Franziskus zu Beginn seines Pontifikates in einem Interview für mehrere Zeitschriften des Jesuitenordens gefragt wurde, wer er denn sei, wer denn Maria Jose Bergoglio sei, antwortete der Papst: „Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.“ Eine – so finde ich – wunderbare Formulierung, in der ich mich selbst, in der – so glaube ich – sich alle Christen wiederfinden können.
Sünder, die von Gott angeschaut werden. Ich erkenne darin auch einen Bezug zum Evangelium von der Taufe Jesu. Jesus reiht sich am Jordan – zum Unverständnis Johannes des Täufers – in die Reihen der Sünder. Er besteht darauf, die Taufe zur Buße und zur Umkehr zu empfangen. Und nach der Taufe öffnet sich der Himmel und Gott schaut ihn an: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Gleiches ist doch auch mit in der Taufe geschehen: Gott hat uns angeschaut und als seine Kinder angenommen. Und Gott schaut uns immer wieder an – gerade uns als Sünder. Er schaut uns liebevoll an, damit wir keine Angst haben, zu ihm umzukehren. Weil wir ihm auch als Sünder wichtig sind und er uns trotz unserer Sünde in die Nachfolge ruft, in die Arbeit „im Weinberg des Herrn.“ Jede und jeden an der Stelle, wo er uns hingestellt hat – mag sie uns auch noch so unbedeutend erscheinen. Ein schöner, ein beruhigender Gedanke, der uns gelassener in der Welt unseren Weg suchen lässt.

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Geistlicher Impuls zum Fest der Erscheinung des Herrn – Heilige Drei Könige

Posted by michaelcziba - 6. Januar 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Die drei Weisen ziehen nach dem Besuch an der Krippe „auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ Was im Matthäusevangelium damit begründet wird, dass ihnen im Traum gesagt wurde, nicht zu Herodes zurückkehren, wird für mich in diesen Tagen zum Symbol. Nach der Begegnung mit Christus kann ich nicht mehr die ausgetretenen Lebenswege weitergehen. Nach der Begegnung mit Christus sind neue Wege zu beschreiten. Was kann das ganz konkret bedeuten vierzehn Tage nach Weihnachten? Dass mein Alltag, in den ich jetzt zurückkehre, nicht mehr gleiche wie im letzten Jahr sein kann. Ich denke nicht an eine revolutionäre Änderung. Die drei Weisen kehrten ja auch in ihre Heimat zurück, in ihr altes Leben. Aber auf neuen Wegen und – so glaube ich – verändert: Behutsamer und liebevoller mit den Menschen, die ihnen begegneten. Gelassener angesichts der Mühen des Alltags, weil das, worauf es wirklich ankommt, mir geschenkt wird. Konzentrierter auf Gott, an dem ich in Arbeit und Freizeit leicht vorbeilaufen kann, wenn ich nicht seinem Stern folge. Die Weisen kehrten mit leichterem Gepäck heim, als sie gekommen waren. Welchen Ballast kann ich jetzt zurücklassen? Eine Frage, über die es sich lohnt nachzudenken.

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Geistlicher Impuls zum 2. Sonntag nach Weihnachten

Posted by michaelcziba - 1. Januar 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Das Wort hat unter uns gelebt, nicht über uns geschwebt. Es wurde nicht vor uns her posaunt. Nicht von oben aufgesetzt. Wir alle wissen: Worte können trösten, heilen, ermutigen, nähren, aufbauen, Wege zeigen. Aber nur wenn sie nicht darüberschweben, sondern aus der Mitte kommen. Aus der Mitte des erfahrenen und geteilten Lebens. Gottes Wort ist deswegen so wertvoll, weil es unter uns gelebt hat. Sein Wort erreicht uns und berührt uns, weil es nicht abgehoben über uns schwebt. Es kommt aus unserem Alltag und spricht in unseren Alltag. Wir können Gottes heilendes Wort zu den Menschen sprechen, wenn wir mit den Menschen leben, wenn wir unter ihnen sind, wenn wir zuhören und hinschauen. Wenn wir nicht über Arbeitslose und „Hartzer“ diskutieren, wenn wir nicht aus der Distanz über gierige Banker, Asylbewerber, Lehrer und die Jugend von heute urteilen, sondern hingehen und mit ihnen leben. Ihre Hoffnungen und Ängste teilen. Und dann Worte sprechen. Klare und klärende Worte, heilende und aufbauende Worte, authentische Worte mitten aus dem Leben, mitten ins Leben.

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Geistlicher Impuls zum Jahresbeginn

Posted by michaelcziba - 1. Januar 2020

Liebe Schwestern und Brüder!
Was ist Zeit? Eine Frage, die am Ende eines alten und am Beginn eines neuen Jahres besonders ins Bewusstsein rückt. Die ersten Menschen erlebten ihre Zeit nach dem Rhythmus der Sonne und der Gestirne. Zeit wurde als ein ewiger Kreis empfunden, ablesbar am immer gleichen Werden und Vergehen der Natur. Die alten Ägypter stellten Zeit im Bild einer Schlange dar, die sich selbst in den Schwanz beißt, die sich immer neu häutete und verjüngt, aber der Mensch lebt in dieser Schlange wie in einem Kerker und kann der Vergänglichkeit nicht entrinnen. Den Gedanken der Vergänglichkeit greifen die Psalmen auf: Im Vergleich zu den Jahrmillionen von Leben auf unserem Planeten ist unser Leben nichts als ein Seufzer. Deshalb möge Gott uns lehren, betet der Psalmist, das Maß unserer Tage zu erkennen, damit wir sie nicht sinnlos verbringen, sondern ihnen eine eigene Gestalt geben. Mit der Geburt Christi ist eine neue Zeit angebrochen. Wir sind nicht zur ewigen Drehung im Kreis der Vergänglichkeit verurteilt, unser Leben ist nicht dazu bestimmt, am Ende als Humus in die Natur zurückzugehen. Unsere Zeit hat einen Anfang, eine Richtung und ein Ziel. Sie gleicht einer aufsteigenden Linie, die in die Ewigkeit Gottes führt. Wer mit dem Blick auf dieses Ziel lebt, muss sich weder ans Vergängliche klammern, noch sich davon niederdrücken lassen. Unsere Lebenszeit ist Gottes Gabe an uns. Sie steht unter seinem Segen. Sie liegt in seinen Händen. Unter seinem Segen und in seinen Händen gehen wir nicht verloren. Sein Angesicht lässt er über uns leuchten und macht alle Tage unseres Lebens einmalig, unverwechselbar, kostbar. Das neue Jahr – ein Jahr näher zu Gott.

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Geistlicher Impuls zum Fest der Heiligen Familie

Posted by michaelcziba - 25. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Heilige Familie – eine kitschige Ikone, eine harmonische Idylle, die mit unseren Familien nichts zu tun hat? Nein, Maria, Josef und Jesus sind keine Ikone, keine Idylle. Der Anfang dieser Familie sind zwei gewöhnliche Menschen, die Eltern werden. Josef muss akzeptieren, dass das Kind nicht von ihm ist. Das Kind wird unterwegs geboren, in einem Stall, unter abenteuerlichen, unsicheren Umständen. Einige Zeit später muss die Familie vor den Machenschaften des Herodes nach Ägypten fliehen, in das Land, wo einst die Kinder Israels in der Knechtschaft lebten. Und wieder vergeht einige Zeit, bis sie ihrer Familie einen Ort geben können, in Nazareth. Und der Sohn? Am Ende wird er den schmählichen Tod sterben. Alles andere als Idylle. Sondern eine Familie mit einem bewegten, durch Schicksalsschläge beschwerten Lebens. Heilige Familie ist sie, weil sie durch alle Härten hindurch das Vertrauen, die Hoffnung, den Glauben und die Liebe nicht verlieren. Weil sie einander beistehen, auch wenn sie manches, was der andere tut, nicht begreifen. Die Heilige Familie ist kein unerreichbares Vorbild. Sie ist nachahmenswerte Herausforderung.

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Geistlicher Impuls zum Weihnachtstag

Posted by michaelcziba - 25. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
Was der Evangelist Johannes – zugegeben mit für uns heute nicht immer einfach zu verstehenden Worten – ausdrückt, ist der Kern des Weihnachtsfestes. Er lässt sich für mich in einem Wort zusammenfassen: Menschwerdung. Menschwerdung Gottes in Jesus Christus – und dadurch Menschwerdung des Menschen. Dass Gott wirklich Mensch wird, diese Ungeheuerlichkeit geht in der Weihnachtsidylle von Stall und Krippe manchmal verloren. Was in Betlehem geschieht, ist nicht anheimelnd, sondern revolutionär. So verständlich und begreiflich uns die Geburt eines Menschen erscheint, so sehr sprengt die Menschwerdung Gottes unser Vorstellungsvermögen. Das können wir nicht begreifen, wir dürfen es aber glauben – und uns davon prägen lassen. Das meine ich mit der Menschwerdung des Menschen. Die zunächst damit beginnt, dass ich mich so annehme, wie ich bin. Denn Gott nimmt in seiner Menschwerdung den Menschen an, wie er ist. Und stellt uns zugleich ein Modell menschlichen Lebens und ein Ziel vor Augen: Das Leben Jesu Christi und die Vollendung menschlichen Lebens bei ihm und durch ihn. Brauche ich mehr zum Leben: Dass ich von Gott komme, dass er mich begleitet, dass ich auf dem Weg zu ihm bin. Das ist für mich persönlich der Kern von Weihnachten.

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Geistlicher Impuls zum 24. Dezember

Posted by michaelcziba - 24. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
Während der neun Monate, in denen das Kind in Elisabeth gewachsen ist, ist in Zacharias Gott gewachsen. Seine Zweifel haben sich über die schmerzliche Erfahrung des Verstummens in einen tiefen Glauben verwandelt. Als das Kind geboren wird, kann Zacharias wieder sprechen. Und diesmal kommen die richtigen Worte wie von selbst. Die richtigen Worte münden ein in einen Lobpreis, das „Benediktus“. Und am Ende dieses Lobpreises dankt er , jubelt er über sein Kind, das „Prophet des Höchsten“ sein wird: Johannes – Gott ist gnädig. Manchmal ist das Gebet mehr als ein Licht, das vor uns leuchtet; es ist ein Licht, das in uns leuchtet.

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Geistlicher Impuls zum 23. Dezember

Posted by michaelcziba - 23. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
Am Ende des Buches des Propheten Maleachi leuchtete die Hoffnung auf, dass einst der Prophet Elija wiederkommen wird. Er wird Israel für Gottes Kommen so vorzubereiten, dass der Tag des Gerichtes für alle ein Tag der Rettung werden kann. Den Menschen die nahe Gottesherrschaft nahe bringen, Verschlossene für Gottes Offenheit öffnen – das war für Jesus die Sendung seines Lebens. Jahr für Jahr feiern wir, dass in ihm Gott selbst zur Welt gekommen ist. Wir rüsten für die Feiertage, wir suchen Geschenke aus, wir kochen und backen, wir richten das Haus her und schmücken den Baum. So ist es guter und liebevoller Brauch, wenn die Lasten dabei mit Augenmaß verteilt sind. Was tun wir aber, um Gottes Ankunft gewachsen zu sein? Bräuchte es einen Elija, der der Christenheit zeigt, was Vorbereitung auf Weihnachten heißt?

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Geistlicher Impuls zum 21. Dezember

Posted by michaelcziba - 21. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder!
„In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.“ Maria machte sich auf den Weg. Sie bricht auf. Sie bricht auf, Elisabeth zu sehen. Sie scheut sich nicht, den mühsamen Weg ins Bergland Judäa auf sich zu nehmen, um zu erzählen was geschehen ist – Elisabeth stell dir vor, ich bin schwanger – und sie will erzählen vom Engel und seiner Nachricht. Maria macht sich auf den Weg, auf den vom Engel benannten Weg. Ein Weg, den sie nicht kennt. Ein Weg, dessen Verlauf und Ende ihr unbekannt ist. Ein Weg mit unübersichtlichen Windungen, die Ungeahntes zum Vorschein bringen: Stufen, holprige, unebene Stufen, Stufen, die den Gehenden zu Fall bringen können, hohe Stufen, die die Puste nehmen, das Blut ins Gesicht treiben und zum Anhalten zwingen. Ein Weg, der nur erahnt werden kann. Maria geht diesen Weg ins Ungewisse. Viele Gedanken werden ihr auf ihrem Weg durch den Kopf gehen: Was werden die Leute sagen? Und das Kind, wie wird es sein mit diesem Gotteskind? Widrigkeiten, dornige Aussichten stehen Maria vielleicht ins Haus und dennoch: sie bricht auf, macht sich auf den Weg, voll Vertrauen auf Gott, der da so großes mit ihr vorhat. Maria vertraut darauf, dass Gott es gut mit ihr meint. Sei glaubt, dass er es zum Guten führen wird. Dieser Glaube, dieses Vertrauen sind es, die Marias innere Kraft begründen. Mutig kann sie so durch den Dornwald gehen, kraftvoll den steinigen Stufen entgegensehen, den steilen Weg mit seinen Windungen in Angriff nehmen – der Glaube ist ihr Geländer, ihr Halt, ihre Sicherheit. Er lässt Maria den Aufbruch wagen, den Aufbruch zu einem anderen Leben. Maria bricht auf. Sie bricht auf, weil sie glaubt, dass sich erfüllen wird, „was der Herr ihr sagen ließ“. Könnten auch wir aus allem Bekannten aufbrechen ins Ungewisse?

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