Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

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Archive for the ‘Wallfahrt’ Category

Impuls zur Israelwallfahrt am 5. April – Impuls 06

Posted by michaelcziba - 5. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Fasten ist modern. Von Versuchung sprechen ist höchst unmodern. Heute fasten in Mitteleuropa ziemlich viele Menschen der Gesundheit und der Schönheit wegen. Das Fasten in der Religion aber hat eine andere Bedeutung: Man will Buße tun, und der Fastende setzt sich Gott aus. Das aber ist dann auch die Situation, in der der Fastende besonders exponiert ist, um vom Satan versucht zu werden. Dafür ist die Wüste ein wichtiges Bild.
Jesus in der Wüste. Sandwüste um ihn oder gebirgige Steinwüste. Halten wir es in der Einsamkeit eine Weile bei ihm aus. Hören wir den Wind, spüren wir auf der Haut den Wind und die Sonne, Hitze und Kälte. Und fasten wir mit Jesus, spüren wir seinen Hunger. Und dann lesen wir das Evangelium von der Versuchung Jesu Mt 4,1-11.
Kein Wunder, dass beim Alleinsein in der Wüste und beim Fasten im Inneren versucherische Gedanken aufsteigen. Der Versucher, der Teufel kommt nicht von außen. Da wäre er ja leicht zu erkennen und abzuwehren. Der Satan kommt von innen mit vernünftigen Gedanken: Warum nicht aus den Steinen Brot machen? Ist das verboten, ist das Sünde? Warum es nicht tun, wenn Gott schon die Kraft dazu gibt? Wir müssen die Worte des Apostels Paulus vollständig ernst nehmen, Jesus sei uns in allem gleich geworden – außer der Sünde. Also war er wirklich und nicht nur scheinbar der Versuchung ausgesetzt. Und im Hebräerbrief heißt es, er habe durch Leiden Gehorsam gelernt. Wir müssen also nicht annehmen, dass Jesus als Gottes Sohn weit über wirklichen Versuchungen stand, dass er ganz anders war als wir. Nein, er hat unser Schicksal, unser Menschsein ganz angenommen und geriet daher in Versuchung wie wir auch. Daher dürfen wir auch ohne weiteres denken, die Versuchung durch den Satan sei nicht gleichsam nur von außen an ihn herangetreten. Nein, sie geschah in seinem Inneren. Er kam selbst auf den Gedanken, dass er ja aus Steinen Brot machen könnte, um seinen Hunger zu stillen. Dieser Gedanke nagte an ihm, zerfraß ihn gleichsam innerlich, bohrte in seinem Fleisch. Er hatte ja Hunger. Und es war nicht nur eine ganz fleischliche Lust, es war gleichzeitig eine fast fixe Idee in seinem Kopf. Mach Brot aus den Steinen. Nur wenn wir uns die Versuchung so vorstellen, kommen wir an das heran, was Versuchung wirklich meint. Ein inneres Ringen, einen Kampf, wie ihn auch die Wüstenväter beschrieben haben. Und Jesus geht vielleicht tagelang mit diesem Gedanken umher. Immer wieder erkennt er: Dieser Gedanke ist nicht vom Vater, aber immer wieder kommt im Hunger die Idee: Kann es böse, kann es Sünde sein, aus Steinen Brot zu machen, wenn man es kann? Morgens vielleicht erkennt Jesus, dass diese Gedanken nicht gott-gemäß sind, aber abends steht der Gedanke wieder im Raum: warum denn nicht die Kraft einsetzen, die einem gegeben ist. Es war bestimmt nicht nur ein kurzes Zwiegespräch zwischen Jesus und dem Satan, wie es Matthäus berichtet. Es war wohl eher eine wirkliche Versuchung – ein langes, zähes, leidvolles Ringen. Wenn die Versuchung nicht nur ein frommes Schauspiel war, dann war es ein Ringen um Leben und Tod, um Sünde und Heil. Je reiner der Versuchte, umso schrecklicher die Versuchung. Und schließlich ringt Jesus sich durch zu dem Satz der Bibel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Jesus ringt sich durch zu der Erkenntnis und dem Schluss: Du lebst ebenso vom Gehorsam wie vom Brot, ebenso von der Hingabe an Gottes Willen wie von Speise. Und seine Seele beruhigt sich. Es heißt erst am Ende der drei Versuchungen, der Satan habe von ihm gelassen.
Wenn wir uns die Versuchungen Jesu in der Wüste nur als ein Gespräch zwischen Jesus und dem Teufel vorstellen, dann sind wir in Gefahr, sie nicht wirklich als Versuchung zu verstehen. Nur wenn die Fragen wirklich in Jesu drin sind, wenn es seine Fragen, seine Zweifel sind, werden sie zu Versuchungen. Und dann ringt sich die Antwort in Jesu hervor: Du sollst Gott allein anbeten und nicht Macht und nicht Politik und nicht Tricks und Finessen. Du sollst Gott anbeten, Er hat alles in der Hand. Wenn du seine Gebote befolgst, dann wird Er das tun, was in seinen Augen für das Volk gut ist. Es mag ein langer Kampf in Jesu Innerem gewesen sein, ein langes Ringen. Jesus wusste von Anfang an, dass die gottwidrigen Gedanken schlecht sind, aber es kostete ihm auch Zeit und Kraft, sie vollständig nieder zu ringen. Nur wenn wir mal versuchen, die Versuchungen Jesu so zu sehen, werden wir dem Begriff Versuchung gerecht. Ich wünsche uns natürlich, dass wir niemals eine solche Versuchung erfahren müssen. Aber falls doch: Hoffe ich, dass wir die Kraft finden, wie Jesus zu bestehen.

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Impuls zur Israelwallfahrt am 4. April – Impuls 05

Posted by michaelcziba - 4. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Unsere Pilgerinnen und Pilger werden heute den Jordan überqueren und auf Jordanischer Seite den Weg nach Süden einschlagen. Damit kommen Sie auch – im übertragenen Sinne – an der Taufstelle Jesu vorbei, wenn Sie sie auch diesmal nicht besuchen. Neben Jesus, der Gottesmutter Maria, den Aposteln gibt es im Neuen Testament nur eine wirklich erstaunliche Gestalt: Johannes der Täufer. Daher wollen uns heute mit ihm und seinem Verhältnis zu Jesus und vor allem mit dem Urteil Jesu über ihn befassen. Denn Johannes der Täufer kann jedem von uns etwas Bestimmtes sagen. Doch lesen wir zuerst einmal Lk 7,18-35.
Es gibt insgesamt drei Punkte im Leben des Johannes, die für uns wichtig sind.
Erstens: Johannes der Täufer predigt in der Wüste – unweit vom Jordan. Man kann sich sofort fragen: Wenn er Menschen zur Umkehr führen will, warum stellt er sich dann nicht ins Zentrum von Jerusalem – vor den Tempel, warum zieht er nicht von Ort zu Ort, wie Jesus das getan hat? Und das Erstaunliche: die Leute kommen zu ihm in seine Einsamkeit. Ja – erstaunlicherweise kommen sie zu ihm, aber offenbar nicht nur zum Glotzen, sondern sie lassen sich von ihm taufen zum Zeichen ihrer Umkehr zu Gott, als Zeichen der Buße. Also, was Jesus später erlebt, nämlich, dass tatsächlich Menschen sich bekehren, umkehren, das geschieht auch bei Johannes.
Und auch Jesus kommt zu Johannes, sich taufen zu lassen. Warum, so fragen viele. Gerade hätte es doch nicht nötig gehabt. Jesus will ganz sichtbar für alle einer von uns sein und reiht sich daher ein in die Schar der Umkehrwilligen, und dieser Abstieg wird dann zu seiner Bestätigung: Ihn sollen wir hören. Es geht uns aber hier um Johannes. Daher die zweite Szene.
Johannes hat Zweifel, ob Jesus wirklich der erwartete Messias ist. Die Zweifel kommen ihm, als er im Gefängnis sitzt. König Herodes hat ihn festgenommen. Herodes‘ Frau wollte den Bußprediger schon lange beseitigen lassen, da er öffentlich kritisierte, dass der König mit seiner Schwägerin illegal zusammenlebte. Herodes selbst hatte irgendwie Hochachtung und Respekt vor Johannes. Er kam aber nicht darum herum, Johannes zu opfern. Vorher aber hatte dieser Gefangene im Kerker doch Zweifel, ob Jesus denn wirklich der Erwartete sei. Wie schlimm müssen diese Zweifel für ihn gewesen sein, gerade in dieser Situation. Im Kerker hatte er Tag und Nacht Zeit. Vermutlich hatte er auch Hunger und Durst. Gerade in dieser Situation braucht man etwas, woran man sich halten kann. Er konnte offenbar Kontakt aufnehmen zu seinen Freunden. Die brachten von Jesus das Wort zurück: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Das ist ein Zitat aus dem Propheten Jesaja. Es machte Johannes im Kerker klar: Jesus ist der erwartete Messias. So konnte er wohl in innerem Frieden sterben.
Und die dritte Szene: Jesus kommentiert das Auftreten des Johannes. Nachdem die Johannes-Freunde bei ihm gewesen waren, fragte er die Menschen, die ja ständig an seinen Lippen hingen: Was hat euch eigentlich an Johannes interessiert, warum seid ihr zu ihm hingegangen? Wolltet ihr ein schwankendes Schilfrohr sehen, wolltet ihr einen Mann in feinen Kleidern sehen? Nein – den seht ihr in Palästen. Oder wolltet ihr einen Propheten sehen? Das sind sehr rhetorische Fragen. Jesus erwartet keine Antwort. Aber dann sagt Jesus sehr erstaunliche Worte über Johannes, die wir lange in unseren Ohren klingen lassen sollten: Unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Nochmals: unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Jesus kannte Moses, David, Abraham. Er sagt wirklich: unter allen Menschen gibt es keinen größeren als Johannes. Wir können Jesus ruhig oft fragen, warum er das so sagt. Aber dann geht es weiter und dann wird die Sache noch erstaunlicher: Doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er. Also Johannes ist ein Riese, nicht zu übertreffen. Aber im Himmel ein nichts. Seltsam!
Wir stehen hier vor einem Geheimnis. Und es ist gut, sich das ganz bewusst zu machen. Denn: Wir – die Getauften, die Christen, die in den Leib Christi geheimnisvoll, mysteriös Eingefügten, wir wären ja Menschen des Reiches Gottes – und wir wären größer als der, den Jesus als den größten vor und außerhalb des Reiches Gottes bezeichnet. Ich glaube, wir sollen einfach mit Fragen und Staunen vor diesem Mysterium stehen bleiben. Denn wir stehen vor dem Mysterium des Reiches Gottes. Wir sollten lange vor diesem Geheimnis stehen bleiben und Jesus bitten, dass er es uns ein wenig ahnen lässt.
Vielleicht hat es ja mit Folgendem zu tun: Wir sind als Christen durch die Taufe in den geheimnisvollen Leib Christi eingefügt. Wir sind Zellen an diesem Leib Christi. Wir sollen zwar versuchen, uns entsprechend zu verhalten. Aber letztlich hängt unsere Mitgliedschaft im Leib Christi nicht davon ab, wie perfekt wir sind, sondern sie ist einfach ein Geschenk. Johannes war in all seiner Größe eben nicht Mitglied am geheimnisvollen Leib des auferstandenen Christus. Er lebte noch vor Tod und Auferstehung Christi. Er wurde sogar dadurch erlöst, aber war kein Glied der Kirche, des geheimnisvollen neuen Leibes Jesu Christi.
Schauen wir zurück auf die große Persönlichkeit des Johannes: Die Menschen kamen zu ihm, obwohl er nicht im Zentrum der Städte predigte. Sein Aufruf war so eindringlich, dass die Menschen zu ihm kamen. Eindringlichkeit und Überzeugung ziehen in sich. Warum sind viele Christen, warum ist die Kirche oft so wenig anziehend? Auch ein solcher Mensch kann Glaubenszweifel haben, quälende Zweifel. Aber er glaubt dem Wort Jesu: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Er glaubt und stirbt in Frieden. Er ist der Größte, aber jeder getaufte Christ ist als Glied des Volkes und Reiches Gottes größer als er.

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Impuls zur Israelwallfahrt am 3. April – Impuls 04

Posted by michaelcziba - 3. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Heute wollen sich unsere Pilgerinnen und Pilger mit dem ganz zentralen Tun Jesu beschäftigen: seine Verkündigung des Reiches Gottes und dem Start dieser Botschaft. Seine eigentliche Botschaft, die er wohl immer wiederholt hat, lautete: „Kehrt um, das Reich Gottes ist nahe.“ Schon Johannes der Täufer hatte dazu aufgerufen, sich zu bekehren, sein Leben zu ändern und zu bessern, sich von den Sünden abzuwenden. Bei Jesus kommt etwas Entscheidendes, etwas Neues dazu. Er ruft den Menschen zu: das Reich Gottes ist jetzt da. Man hat den Eindruck: das Reich Gottes ist jetzt da, weil eben Jesus da ist. Er zeigt damit auch indirekt den Anspruch, nicht nur irgendein Mensch zu sein, sondern Gott zu sein, denn in Ihm ist die Autorität Gottes, Gott selbst in der Welt erschienen. Er bringt das Reich Gottes. Er ist das Reich Gottes.
Erinnern wir uns an die vielen Vergleiche, die Jesus für das Reich Gottes bringt. Offenbar kann man es gar nicht mit wenigen präzisen Worten ausdrücken: Das Reich Gottes ist zu vergleichen mit einem Schatz im Acker, mit einer kostbaren Perle. Der Finder ist bereit, dafür alles andere aufzugeben. Das Reich Gottes ist auch wie Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert und verändert, der also eine heimliche Kraft, eine verborgene Energie hat. Das Reich Gottes ist zu vergleichen mit dem Säen der Samenkörner. Von ihnen tragen einige wundervolle Frucht, aber viele bringen auch nichts. Und das Reich Gottes ist wie guter Same, zu dem dann aber auch schlechter Same dazu kommt. Jesus sagt, man solle ihn wachsen lassen bis zur Ernte. Und noch einmal: das Reich Gottes ist wie ein winziges Samenkorn, das dann aber zu einem riesigen Baum heranwächst. Jesus hat unendliche Bilder – und ohne Bilder sprach er vor dem Volk überhaupt nicht. Nur die Apostel erhielten einen Anfang des Verstehens, aber auch nicht viel mehr.
Manche Theologen meinen: Mit Reich Gottes ist einfach die Nähe Gottes gemeint. Es ist gemeint, dass Gott endlich die Herrschaft antritt und dass sich die Welt nach ihm und seiner Ordnung richten muss. Die Kundigen der Heiligen Schrift sagen: Zurzeit Jesu erwarteten viele gläubige Juden das Kommen des Gottesreiches, das Kommen des Messias. Es war Endzeitstimmung. Gerade die Frommen meinten, nun endlich müsse das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens hereinbrechen. Jesus lag also auf der Linie seiner Zeit. Und doch war er ganz anders als die anderen Reich-Gottes-Propheten. Das zeigt sich schon daran, dass er nicht wünschte, dass man von ihm als Prophet oder König spricht. Die Fachleute nennen das das „Messias-Geheimnis“. Er will nicht als Messias bekannt werden, weil sie eine falsche Messias-Vorstellung hatten, weil er nicht mit einem falschen Etikett ausgezeichnet werden wollte, keine falschen Erwartungen wecken oder bestätigen wollte. Ich vermute, dass überhaupt die Menschheit erst erkennen konnte, was er wirklich ist, nachdem er für die Welt gestorben war, und vom Vater auferweckt worden ist. Der Messias ist der Gestorbene und Auferstandene.
Ein sehr wichtiges Wort über das Reich Gottes müssen wir aber noch nennen: Es ist die Bitte im Vater-Unser: „Dein Reich komme.“ Wir sollen allezeit um das Kommen des Reiches Gottes bitten. Das Kommen und Wachsen des Gottesreiches hängt auch davon ab, ob wir darum bitten. Das Reich Gottes kommt nicht mit einem Schlag, auf ein Mal, sondern es kommt durch die ganze Geschichte der Menschheit hindurch. Und wichtig ist auch das Wort Jesus: „Geht nicht hierhin und dorthin, um das Reich Gottes zu finden. Denn das Reich Gottes ist in euch.“ Das Reich Gottes sei in den Menschen, in uns. Hoffentlich erkennen wir Gottes Reich in uns.

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Impuls zur Israelwallfahrt am 2. April – Impuls 03

Posted by michaelcziba - 2. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Jesus hat die meisten seiner Jünger am See berufen. Unsere Pilgerinnen und Pilger werden diesen Spuren heute folgen und die Orte der Berufung besuchen. Persönlich geht es um die Frage: Glaube ich daran, dass auch ich von Jesus berufen bin, sein Zeuge zu sein? Und wie lebe ich diese Berufung? Lesen wir dazu ruhig den Abschnitt Lk 6,1-16.
Wir müssen bei der Jüngerberufung durch Jesus immer ganz klar unterscheiden zwischen dem großen Kreis von Menschen, die ihm auf den Füßen nachfolgten, weil sie gleichsam an seinen Lippen hingen, weil sie geheilt worden waren oder geheilt werden wollten, weil sie von ihm einen politischen Umsturz in Israel erhofften, weil sie in ihm einfach eine gute Unterhaltung und Unterbrechung der Langeweile sahen. Auch das gibt es – sogar heute noch. Und da ist der große Kreis, aus dem Jesus später auch noch die 72 auswählen wird, die er vor sich her sendet. Und eigens erwähnen muss man auch den Kreis von Frauen, die Jesus folgten. Wir müssen uns die Welt von damals wirklich sehr anders vorstellen als unsere Welt: Frauen waren damals in der Regel noch viel unfreier und an Haus und Mann und Kinder gebunden, als wir es uns vorstellen können. Höchstens fragwürdige Frauen verhielten sich in unserem Sinne frei. Dennoch: es gab einige, die Jesus folgen konnten und folgten. Es heißt, sie hätten ihn bedient, also ihm Dienste geleistet wie die anderen Apostel und – so möchte ich anfügen – sicher haben sie ein gutes Zeugnis von ihm gegeben.
Und nun kommen wir zu dem inneren Kreis, der uns immer besonders interessiert. Es sind die Zwölf. Jesus wählt zwölf Männer. Sie symbolisieren das neue Volk Gottes, den Neuen Bund in Anlehnung an den zwölf Stämmen Israels. Jesus baut einen neuen Bund auf. Das ist eine wichtige Symbolhandlung.
Aber – nun fragen wir wieder sehr menschlich – hätte Jesus seine Ziele nicht viel besser alleine erreichen können? Er konnte aufgrund seiner Gottesnähe überzeugend sprechen, er konnte heilen. Er war unwahrscheinlich gut und anders. Seine Zwölf waren – wie wir nachlesen können – eher sehr hausbacken. Sie haben gestritten, wer der Erste und Beste unter ihnen sei. Sie sind geflohen, als es gefährlich wurde, keiner von ihnen hat etwas gebrüllt, als Pilatus fragte, ob man Jesus oder Barabbas hinrichten sollte, keiner hat Jesus beim Kreuztragen geholfen. Ein einziger soll unter dem Kreuz gestanden haben. Kurz: sie haben zu 99 Prozent versagt. Da kann man schon fragen, ob diese Männer nun wirklich das Richtige waren, um den Neuen Bund aufzubauen. Ob nicht Jesus weitergekommen wäre, wenn er alles selbst und allein in die Hand genommen hätte. Aber schon diese menschliche Frage zeigt: Es geht Jesus nicht um Effizienz, sondern um eine neue Schöpfung. Sie fängt arm und schwach an, und wir sollen vertrauen, dass Gott gerade mit Armem und Schwachem etwas anfangen kann. Ja, dass er gerade Armes und Schwaches braucht. Denn Reiche und Starke würden sich den Erfolg selbst zuschreiben. In der Wahl der Zwölf zeigt sich ein wichtiges Grundgesetz Gottes: Gott will Menschen brauchen. Denn er braucht Menschen, die sich den Erfolg nicht selbst zuschreiben, sondern die so weise sind, dass sie jeden Erfolg des Reiches Gottes Gott und nicht sich selbst und ihrer Qualifikation zuschreiben.
Nun haben wir das Stichwort: Reich Gottes. Es geht bei der Wahl der Zwölf um das Reich Gottes, um dieses Grundanliegen Jesu. Daher werden diese Zwölf auch ausgesandt, um das Reich Gottes zu verkünden. Als Zeichen, dass dieses Reich vor der Türe steht, sollen sie auch heilen und böse Geister austreiben. Aber das sind nur Zeichen, das ist nicht das Eigentliche. Das Eigentliche ist die Herrschaft Gottes in den Herzen der Menschen.
Und das ist auch der Berufungsauftrag einer jeden Christin und eines jeden Christen heutzutage. Nur dann kann das Reich Gottes wachsen und sich ausbreiten. Vielleicht wäre diese Rückbesinnung auch hilfreich bei den heutigen allzu weltlichen Problemen, mit denen sich die „Kirche“ beschäftigt.

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Impuls zur Israelwallfahrt am 1. April – Impuls 02

Posted by michaelcziba - 1. April 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Heute werden unsere Pilgerinnen und Pilger am See Genezareth eintreffen und sich damit in einem ersten Schritt Jesu annähern. Die Unterkunft direkt am See lädt zum Meditieren ein und manche stellen sich die Frage beim Blick über den See auf den Berg der Seligpreisungen und nach Kafarnaum: Wie hat Jesus gebetet. Es wird in der Bibel immer davon gesprochen, dass Jesus in der Stille betet. Ich persönlich stelle mir das so vor, wie ich auch bei der Anbetung versuche mich Gott zu nähern. Viele Christen stellen sich ja vor, dass Beten vor allem darin besteht, Gott etwas zu sagen, ihm zu danken, ihn zu loben und vor allem, ihn um etwas zu bitten. Ich denke, diese Vorstellung ist wirklich um Einiges zu eng. Das deutsche Wort „Beten“ hat zwar sprachlich mit „Bitten“ zu tun. Aber unter Beten verstehe ich eben viel mehr. Und wenn wir Jesu Beten ein wenig ahnen wollen, dann sollten wir unsere Vorstellung von Beten etwas erweitern. Ich meine, Beten bedeutet vor allem einmal, vor Gott einfach da zu sein. Bei Gott zu sein. Dazu ist es gut, sich zunächst vorzustellen, Gott sieht mich, hört mich, ja man darf sogar sagen: er fühlt mich. Wenn irgend jemand uns nahe sein kann, dann Gott. Und dieses Bewusstsein, dass Gott da ist, hier bei mir ist, dies ist schon Beten, wie Jesus es immer wieder selbst vorgelebt hat. Oder anders gesagt: ich lasse mich von Gott anschauen. Ich lasse ihn in mich hineinschauen. Dabei muss gar nichts herauskommen. Es muss nichts gelingen, es muss nichts geschehen. Ich muss nur geduldig und friedlich mich anschauen lassen, bei Gott sein und bleiben. Ich denke, so etwa war auch Jesu Beten. Er ließ den Vater in sich hineinschauen. Und das gab ihm unglaubliche Kraft. Die großen Heiligen hatten Kraft, sie waren stark, sie konnten aus großer Gottesnähe sprechen und überzeugen. Manchmal mit großen Massen, manchmal mit einzelnen Menschen. Menschen, die aus dem Gebet kommen, haben Kraft. Menschen, die in Gott verankert sind, haben Kraft. Von ihnen geht Kraft aus. Und weil Jesus so gebetet hat, daher ist von ihm – wie es im Evangelium heißt – Kraft ausgegangen, und daher konnte er sprechen wie einer, der Vollmacht hat. Ich weiß: Jesus war Gottes Sohn, daher hatte er Vollmacht, aber ich glaube, es ist nicht verboten anzunehmen, dass er ganz menschlich gesehen diese Vollmacht hatte, weil er aus dem Gebet kam und ins Gebet zurückging. Von ihm ging auch wenn er es gar nicht ausdrücklich wollte – eine heilende Kraft aus, weil er sich betend in Gott versenkt hatte.
Beten heißt für mich nicht in erster Linie, Gott um etwas bitten, auch nicht Gott zu loben, sondern vor allem: bei Gott zu sein. Es längere Zeit und in Ruhe ohne Hetze bei ihm aushalten. Bei ihm bleiben, sich von ihm anschauen lassen. Man kann noch einen kleinen Schritt weitergehen und sagen: Beten bedeutet für den getauften Christen: zu Jesus in die eigene Seele hineinsteigen. Er wartet ja auf dem Grund der eigenen Seele auf uns.
Ich wünsche unseren Pilgerinnen und Pilger, dass Sie diese Erfahrung des Betens am Ufer des Sees machen können. Dass Sie einfach die Aussicht genießen, die Ruhe erfassen und Gott spüren können. Und ich wünsche uns zu Hause, dass wir diese Erfahrung in der Kirche, an den Orten, die für uns eine besondere Rolle spielen, ebenfalls machen können.

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Impuls zur Israelwallfahrt am 31. März – Impuls 01

Posted by michaelcziba - 31. März 2019

Liebe Israelpilger, liebe Gemeindemitglieder.
Mit diesen täglichen Impulsen zur Israelfahrt möchte ich sowohl die Pilgerinnen und Pilger, als die Gemeindemitglieder geistlich stärken und verbinden. Wir hier in der Heimat begleiten unsere Pilgergruppe mit Gebeten und Gedanken und unsere Pilgergruppe wird an den Heiligen Stätten unsere Gemeinde und unsere Anliegen vor das Angesicht Gottes bringen. Auf diese Weise sind wir im gemeinsamen Gebet verbunden.
Jesus ist mit etwa 30 Jahren – soweit die historischen Quellen einigermaßen exakt sind – von Nazareth weggezogen. Anders als in der Gesellschaft üblich hat er nicht geheiratet und wahrscheinlich – wir kennen das ja auch – hat sich seine Umgebung den Mund darüber zerredet. Er war vielen Menschen in den kleinen Dörfern aufgefallen, da er einfach anders war als die meisten anderen jungen Männer. Er wird sich zwar angepasst haben an die fromme, jüdische Ordnung und war regelmäßig am Sabbat in der Synagoge. Wir wissen auch, dass er an der jährlichen Wallfahrt nach Jerusalem teilgenommen hat – aber er war anders. Worin diese Andersartigkeit genau bestand, ist vor seinem öffentlichen Wirken nicht überliefert. Es gibt dafür zu wenige andere Quellen außerhalb der Bibel. Und in der Bibel liegt der Schwerpunkt auf seinem öffentlichen Wirken du nicht auf der Zeit davor.
Und dann war er erst einmal verschwunden. Dies wurde in Nazareth registriert. Dann kamen die ersten Nachrichten in seine Heimatstadt. Jesus zog durch Galiläa, vor allem rund um den See von Tiberias, und predigte dort über das Gottes Reich, über Gottes Gebote. Weitere erstaunliche Nachrichten waren die Berichte über seine Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen. Von überallher kommen die Leute und wollen Jesus hören.
Unsere Pilgergruppe wird genau dort in der Umgebung des Sees Genezareth mit ihrer Wallfahrt beginnen. Unsere Pilgerinnen und Pilger werden diese Orte der ersten Schritte und Predigten Jesu aufsuchen und an diesen Orten dem Glauben nachspüren. Beten wir für eine sichere Pilgerfahrt, eine sichere Rückkehr und dem gelingen aller guten Vorsätze.
Ich schlage Ihnen vor – sofern Sie sich geistlich durch diese Blogeinträge anregen lassen wollen – auch die vorgeschlagenen Bibelstellen zu lesen und vielleicht über diese Worte nachzudenken. Zu Beginn schlage ich den Psalm 122 vor, der von allen Jerusalempilger seit Jahrhunderten gebetet wird.

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Wallfahrtswoche zur Freudenreichen Mutter

Posted by michaelcziba - 29. August 2018

Liebe Gemeindemitglieder.

Herzliche Einladung zur Mitfeiern der Wallfahrtswoche zur Freudenreichen Mutter von Stammheim. Wir beginnen wie immer mit unserer Festmesse und anschl. Lichterprozession am 2. September 2018 um 19.30 Uhr in St. Mariä Geburt und enden am 9. September mit unserem Pfarrfest rund um St. Mariä Geburt. Alle nähere Informationen entnehmen sie bitte den aushängenden Plakaten zur Festwoche.

Plakat Festwoche 2018

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Pfarrwallfahrt nach Hessenthal

Posted by michaelcziba - 15. August 2018

Liebe Gemeindemitglieder. Am 17. Oktober 2018 werden wir unsere diesjährige Pfarrwallfahrt zur Mutter Gottes nach Hessenthal durchführen. Er zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Deutschlands. Der Fahrpreis beträgt 25,00 Euro. Die Abfahrtszeiten sind um 6.20 Uhr am Johanniterstift in Flittard, um 6.30 Uhr an der Kirche St. Hubertus und um 6.40 Uhr an der Bushaltestelle Friedhof Stammheim. Die Rückkehr wird gegen 19.00 Uhr erfolgen. Anmeldungen sind ab sofort über das Pfarrbüro möglich.

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Programm der Wallfahrtswoche zur Freudenreichen Mutter in Stammheim

Posted by N. Groeger - 14. August 2018

Vom 2. – 9.9.2018 findet in Stammheim wieder die Wallfahrtswoche zur Freudenreichen Mutter statt.
Plakat Festwoche 2018

 

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Schweigegang 17.03.2018

Posted by Florian Seiffert - 7. März 2018

Liebe Männer, liebe Schützenbrüder,

am 17.03.2018 findet der diesjährige Schweigegang der Männer nach Kalk und zum Dom statt. Treffpunkt ist die S-Bahn-Haltestelle in Stammheim. Wir nehmen die Bahn um 19:29h. Abmarsch an St.Petrus Canisius ist um 19:50h.
Wir laden alle jungen, mittelalte, alte, ganzalte, rüstige, junggebliebene, starke, echte, müde und muntere Männer herzlich ein!

Und jeder möchte bitte noch jemanden mitbringen!

Für die Schützenbruderschaft und den Pfarrgemeinderat
Florian Seiffert

Schweigegang

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