Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

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Ein neues Kirchenjahr und diesmal auch ein neues Lektionar (Lesungsbuch)

Posted by michaelcziba - 28. November 2018

Liebe Gemeindemitglieder.
Am Ersten Adventssonntag 2018 wird im deutschen Sprachgebiet ein neues Lektionar eingeführt. Das bedeutet: Mit dem Beginn des neuen Lesejahres C sind alle biblischen Texte, die zum Vorlesen in den Gottesdiensten an Sonn- und Festtagen vorgesehen sind, im Wortlaut der sogenannten revidierten Einheitsübersetzung aus dem Jahr 2016 zu hören. Es handelt sich um eine Überarbeitung der aus dem Jahr 1979 stammenden Einheitsübersetzung, mit der erstmals ein einheitlicher, verbindlicher deutscher Text für die Verkündigung und Liturgie der katholischen Kirche im gesamten deutschen Sprachgebiet geschaffen wurde. Änderungen in den Sprachgewohnheiten wie auch neuere Erkenntnisse der Bibelforschung machten eine Bearbeitung dieser ersten Fassung notwendig, die 2016 schließlich von Rom genehmigt wurde. Nun also werden die Texte der neuen Einheitsübersetzung auch im Gottesdienst vorgetragen.
In gewisser Weise wird damit der „Tisch des Wortes“, wie es das II. Vatikanische Konzil formulierte, neu gedeckt. Denn Änderungen in der Übersetzung bieten die Chance, in bekannten Texten Neues zu entdecken, sich persönlich neu ansprechen oder vielleicht auch irritieren zu lassen. Gleich die Lesungen des Ersten Advents bieten einige Beispiele: In der Ersten Lesung „sorgt“ Gott nicht für Recht und Gerechtigkeit, sondern er „wirkt“ sie. Es ist genau diese nie endende Wirkkraft des Herrn, die im Hintergrund steht, wenn am Ende einer jeden Lesung „Wort des lebendigen, d. h. wirksamen Gottes“ gesagt wird, worauf die Gemeinde Gott dankend antwortet.
Als weiteres Beispiel sei auf die Zweite Lesung verwiesen. Zwar galt bislang schon die Maßgabe der Deutschen Bischofskonferenz, dass am Beginn der Lesung aus einem Brief „Schwestern und Brüder“ zu lesen ist, doch der gedruckte Text schrieb nur „Brüder“. Im neuen Lektionar steht die Anrede „Schwestern und Brüder“ über jeder Brieflesung. So wird deutlich, dass innerhalb des Gottesdienstes der eigentliche Adressat des Wortes Gottes die versammelte Gemeinde und nicht mehr die Hörerschaft aus der Anfangszeit des Neuen Testaments ist. Zugleich ist die Rede von den „Brüdern und Schwestern“ in der neuen Einheitsübersetzung auch in den Schrifttext selbst gelangt, und zwar immer dort, wo tatsächlich beide Geschlechter gemeint sind. Denn Paulus konnte gemäß dem Sprachgebrauch seiner Zeit gemischte Gruppen als „Brüder“ ansprechen. Das ist heutzutage nicht mehr möglich. Diesem Wandel wurde in der Übersetzung entsprochen. Die weltkirchlich verbindliche Leseordnung, also die konkrete Auswahl der Textabschnitte für die einzelnen Sonn- und Festtagen wurde nicht geändert. Im Laufe der nächsten Jahre werden dann alle 7 Lektionare für den Gottesdienstgebrauch erneuert.

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Geistlicher Impuls zum Ersten Adventssonntag im Lesejahr C

Posted by michaelcziba - 28. November 2018

Liebe Schwestern und Brüder!
In der Ersten Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (Jer. 33,14-16) lautet das entscheidende Wort: Gerechtigkeit. Das Wort ist alt. Weil es oft nicht gerecht zugeht in dieser Welt, träumen Menschen schon immer von einer besseren Welt. Damals, in Israel, sprachen Propheten von Gerechtigkeit. Sie forderten Gerechtigkeit von denen, die Einfluss haben. Die Propheten haben uns gelehrt: Gerechtigkeit gehört zu dem, was Gott will. Aber Gerechtigkeit ist ein abstraktes Wort. Und trotzdem und in Anlehnung an den Wunsch Gerechtigkeit zu erlangen, gibt es konkrete Gesetze und Regeln, die eine gerechte Verteilung und gerechtes Handeln möglich machen. Aber es gibt auch Gesetze und Gesetzesänderungen, die wieder einen Schritt weggehen von dem, was an Gerechtigkeit verwirklicht werden kann. Abends, zwischen acht und viertel nach acht, nehmen wir vielleicht zur Kenntnis, dass wieder ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Lasten zugunsten der Besserverdienenden umverteilt.
Die Propheten in Israel haben sich für die Benachteiligten eingesetzt. Auch die Kirchen haben sich ins Gespräch gebracht. Jedenfalls für kurze Zeit, als sie einmal die gemeinsame Erklärung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland veröffentlichten und seitdem immer wieder daran erinnern. „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ haben sie gefordert, dass nicht nur Armut, sondern auch Reichtum ein Thema der politischen Debatte sein muss. Denn der Riss zwischen Wohlstand und Armut wird größer. Und Gerechtigkeit als Maßstab für politisches Handeln rückt anscheinend wieder in weite Ferne. Im Advent stehen die Kerzen vor uns und erinnern an die alten Hoffnungen. An ihnen können wir uns messen. An dem Traum von einer gerechten Welt müssen wir uns messen lassen.

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