Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

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Fragen an den Pastoralen Zukunftswegs Köln

Posted by Florian Seiffert - 14. Oktober 2020

Am 01.10.2020 schrieb ich an das Erzbistum Köln bzw. die Seelsorgebereichsforen des Pastoralen Zukunftswegs Köln:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Mentimeter konnte ich meine Fragen heute leider nicht loswerden. 250 Zeichen, sind zu wenig, um eine Frage mit Hintergrund zu stellen und zu erklären. Ich schreibe Ihnen deswegen diese EMail.
Ich bin seit über 40 Jahren in meiner Pfarrei engagiert. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber ich bin im Moment sehr wütend. Ich fühle mich nicht ernst genommen, Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände kommen im Pastoralen Zukunftsweg nicht vor. Die Nachricht der Reduktion von 180 Seelsorgebereichen auf 50-60 habe ich in einer Laufschrift auf NTV zuerst gesehen. Ist das das Schätzen des Ehrenamtes, was ich vor jeder KV- und PGR-Wahl von den Bistumsoberen lesen kann?

Ich habe schon ein paar Fusionen, das Pastoralgespräch, Zukunft heute, den Zwang in die Zentralrendanturen und ein furchtbares Gespräch zur Schließung von 7 katholischen Kindergartengruppen mit Generalvikar Feldhoff hinter mir. Es tut mir leid, wieder Worte zu hören, die ich schon kenne, Zusagen und Versprechen, die schon oft, ganz oft nicht eingehalten wurden. Mein Vertrauen in solche Worte ist eigentlich Null. Ich gebe Ihnen aber die 490zigste Chance. Ich kann nicht anders!
Ich würde mich freuen, sie nutzten sie. Und ja, ich freue mich über eine Antwort.

Hier meine Fragen zum Pastoralen Zukunftsweg:

1) Wo kommen die ganzen Leute her, die demnächst in der „Pfarrei der Zukunft“ das Gemeindeleben tragen? Wie motivieren wir auch junge Leute? Pfarrer Meurer sagt auf diese Fragen: „Dann kommen die ganz von selbst“ (siehe: https://www.domradio.de/themen/erzbistum-koeln/2020-09-15/wir-haben-es-selbst-der-hand-wie-wir-gemeinde-gestalten-auftakt-der-153-seelsorgebereichsforen-im)
Wir haben bei der letzten Fusion allein aus St.Hubertus in Flittard ca. 25 Ehrenamtliche aus PGR und KV verloren (um die anderen Kirchtürme war es ähnlich). Übrig sind in St.Hubertus heute noch 2 Personen in KV und PGR (Zwei!). Niemand in PGR und KV hat heute schon gesagt: Neue Struktur? Größere Einheit? Super, da möchte ich mitmachen! Worauf stützt der so gute Pfarrer Meurer die Hoffnung, dass Menschen „dann ganz von selbst kommen?“ Nicht jede(r) hat sein Charisma, seine Ausstrahlung, seine fünf Talente!

2) PGR und KV sind offenbar keine Ansprechpersonen! Die Meldung: 180 Seelsorgebereiche werden zu 50-60 zukünftigen Pfarreien und einer Vielzahl von Gemeinden
(https://www.erzbistum-koeln.de/news/Pfarrei-der-Zukunft-nimmt-Kontur-an/)
kommt ohne PGR und KV aus. In keinem der Texte, die wir für den heutigen Tag bekommen haben, kommt das Wort Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand vor. Auch wurden PGR und KV nicht als Multiplikator*innen oder vielleicht leichter Überzeugbare benutzt, noch wurde um die Mitglieder geworben, um in der Pfarrei der Zukunft oder auf dem Weg dahin eine Rolle zu spielen. Warum?

3) In unserer Gemeinde gibt es keinen ordentlichen Überblick über die Finanzen. Wir können nicht sagen, was uns das Pfarrheim St.Bruder Klaus im letzten Jahr an Strom, Wasser, Heizung, Reparaturen gekostet hat. Wir haben keine Jahresabschlüsse aus den letzten Jahren, schon gar keine, denen wir mit Herz und Verstand zustimmen können! Also jetzt ist das Chaos schon groß, eher sehr groß! Wie soll das erst werden, wenn die Einheit Pfarrei noch größer ist?

4) Köln hat, wie so viele andere Bistümer den Weg beschritten, die Zahl der Pfarreien der Zahl der Priester anzupassen. Weniger Priester bedeutet: Größere Pfarreien. Ist das nicht ein Weg in die Sackgasse? Wird es in Köln am Ende eine Pfarrei geben und der Dom ist die Pfarrkirche?

5) „Ich nehme wahr, dass die Menschen sich sehr nach Seelsorgern sehnen, die sich die Zeit nehmen und sich ihnen zuwenden“, sagt ganz zu Recht Bischof Timmerevers von Dresden-Meißen (https://www.katholisch.de/artikel/25731-krankenhausseelsorge-waehrend-corona-wir-konnten-unsere-arbeit-tun). Wo kommen unsere zukünftigen Seelsorger her? Warum setzen wir da offenbar nur auf Priester?

6) Wenn man sich unter
(https://www.erzbistum-koeln.de/news/Pfarrei-der-Zukunft-nimmt-Kontur-an/) den Artikel „Diözesanpastoralrat – Sondersitzung – Pastoraler Zukunftsweg“ durchliest, hat man den Eindruck, der Weg ins Paradies sei endlich entdeckt und wir werden alle durch diese Reform froh und immer nur glücklich sein. Und man fragt sich, warum sind wir nicht schon viel früher aufgebrochen? (Das Video heute war auch so!) Ich möchte eine solche Sprache mal „Hallelujasprache“ nennen. Dass es Sorgen und Ängste gibt, dass wir Menschen verlieren werden, dass vielleicht auch Pfarrer nicht mehr können oder überfordert sein werden, kommt in dem Text nicht vor. Man hat nicht das Gefühl, dass man Ernst genommen wird mit Sorge oder Not. Als Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand schon gar nicht. Muss das sein? Geht es nicht auch etwas nüchterner? Könnt ihr nicht auch mal die Gedanken mitteilen, die ihr zu den erwartbaren Widerständen habt?

Es grüßt Sie herzlich,
Florian Seiffert


PGR-Mitglied
St.Hubertus und Mariä Geburt

Gestern kam die Antwort des Erzbistums:

Sehr geehrter Herr Seiffert,
haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail im Nachgang des Seelsorgebereichsforums in Ihrem Seelsorgebereich. Ich gehöre zum Organisationsteam der Seelsorgebereichsforen und reagiere gerne auf Ihre Ausführungen. Zunächst vielen Dank für Ihr langjähriges Engagement in Ihrem Seelsorgebereich! Danke auch für Ihre Fragen und, trotz Ihrer Enttäuschungen aus der Vergangenheit, für Ihr offenes Feedback zu den verschiedenen Punkten. Sie können sich leicht vorstellen, dass nach den Foren, an denen insgesamt 175 unserer 180 Seelsorgebereiche teilgenommen haben, eine große Zahl von Rückmeldungen bei uns eingeht. Wir freuen uns darüber sehr und sind nach Kräften bemüht, allen zu antworten. Das wird aufgrund der Vielzahl der Zuschriften nicht immer sehr detailliert möglich sein. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, im Anschluss an die Seelsorgebereichsforen die am häufigsten gestellten Fragen in einer Übersicht von Fragen und Antworten („FAQs“) zu veröffentlichen.
Ich möchte kurz auf einzelne Aspekte eingehen, die Sie angesprochen haben:

Es wird in der Pfarrei der Zukunft selbstverständlich gewählte Gremien geben. Leider lagen zum Zeitpunkt der Seelsorgebereichsforen noch nicht die Überlegungen des Fokusteams „Gremienarchitektur“ vor. Feststeht, dass es auf den verschiedenen Ebenen des Erzbistums gewählte Gremien geben wird und so Mitbestimmung möglich und explizit gewünscht ist. So wird es z.B. auf der Pfarreiebene ein pastorales Gremium und ein Verwaltungsgremium (Kirchenvorstand) geben.
Besonders danke ich Ihnen für Ihre Hinweise zur Wahl der Sprache der Präsentationen, der Berichterstattungen und des Videos. Ich nehme das gerne in die jeweiligen Gremien und für die weitere Kommunikation mit.

Viele Ihrer Fragen decken sich mit den Hauptfragen, auf die wir schriftlich antworten werden. Diese werden allen Interessierten als „FAQs“ auf unserer Website http://www.zukunftsweg.koeln zugänglich gemacht und bis Ende Oktober veröffentlicht. Daher möchte ich Sie gerne auf diese vertrösten.

Herzliche Grüße

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