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Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

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#ZusammenFinden? #ZusammenSinken!

Posted by Florian Seiffert - 20. März 2022

Offenbar ist die Kritik der Basis im Erzbischöflichen Generalvikariat (eGV) angekommen. Der Weg zu neuen pastoralen Strukturen im Erzbistum Köln soll nun von uns in den Gemeinden begleitet werden. Vielleicht liegt es aber auch „nur“ am Apostolische Administrator Weihbischof Rolf Steinhäuser, der die Beteiligungsfrage anders einschätzt, als Kardinal Woelki und der #ZusammenFinden in Auftrag gegeben hat.

Was jetzt passieren soll ist die Klärung des „räumliche Zuschnitts der zukünftigen Pastoralen Einheiten“. Es wird zu Ostern 2022 einen Vorschlag des eGV geben, dann die Beratung in den neuen vorgeschlagenen Einheiten unter Beteiligung von Pfarrgemeinderäten (PGR) und Kirchenvorständen (KV) und den interessierten Gläubigen vor Ort. Der Vorschlag kann geändert werden „im Rahmen der Prozesskriterien“.

Im ersten Schritt geht es wohl nur um die Landkarte, es geht nicht um Personal oder Geld oder Liegenschaften oder das Verfahren als solches.

Die Frage der „pastoralen Ausgestaltung“ wird im Anschluss an #ZusammenFinden „ein eigener, mehrjähriger und in der jeweiligen Pastoralen Einheit individuell anzupassender Entwicklungsprozess“ sein.

Kann man sich in der Gemeinde weigern? Kann man nicht. Wer nicht mitmacht, bekommt die Landkarte, dies das eGV vorschlägt.

Kritik

Es ist schon sehr geschickt, wie das eGV gerade vorgeht. Ohne, dass wir im PGR (oder auch KV) eine Möglichkeit haben das Gesamtvorgehen zu beraten oder zu ändern, wird uns fest vorgegeben, wie nun die nächsten Schritte sind. Es wird Wert darauf gelegt, dass wir die Menschen in den Gemeinden breit beteiligen und ein Votum zur neuen Landkarte bis Oktober 2022 abgeben. In der Zeit von Ostern bis Oktober 2022 minus Sommerferien ist das schon sehr sportlich! Das sorgt dafür, dass alle Kritik, die dann noch in Köln ankommt mühelos an die Gremien vor Ort weiter gegeben werden kann, die dann nämlich die Basis nicht ausreichend beteiligt haben!
Eine Grenzverschiebung auf der Landkarte macht aber nicht so viel Sinn, wenn man die personelle und finanzielle Ausstattung nicht kennt, die man durch die Grenzziehung aber zwangsläufig und diesmal blind mitgestaltet. Was soll das werden?
Das, was eine Gemeinde braucht: Regelmäßige Gottesdienste, eine bekannte Ansprechperson (Pfarrer, Hauptamtliche(r), Schlüssel zu einen Pfarrheim/Raum kann man so nicht gestalten.
Wir wissen nicht, was eine Grenzziehung mit unseren Plänen zu einem neuen Pfarrzentrum macht. Ist es besser mit Nachbarn x zu fusionieren, dann geht nämlich das Pfarrzentrum oder ist es besser mit x nicht zu fusionieren, denn nur dann kann man das Pfarrzentrum bauen?
Keine Ahnung. Wir wissen es nicht!

Wie sollte man vorgehen?

(oder ganz frech: Was würden wir tun, wenn wir Erzbischof wären?)
Na ja, demokratisch halt: Man könnte z.B. in den heutigen Pfarreien und Seelsorgeeinheiten abstimmen lassen, ob man nicht z.B. eine Gemeindeleitung durch Laien haben möchte. Es gibt deutsche Bistümer, die das praktizieren – dortigem Bischof sei Dank!
Dann wäre z.B. das Problem dass man 2030 nur noch mit 50-60 Pfarrern in Köln rechnet und deshalb nur noch 50-60 Pfarreien haben will vom Tisch. Ich glaube, dass es genug Gemeinde- und Pastoralreferent:innen gibt, die Gemeinde leiten können und wollen.
Man könnte außer einer Landkarte auch veröffentlichen, wie reich ist eine Gemeinde an eigenem Vermögen, Liegenschaften, Personal etc. Was bedeutet es, eine ‚reiche‘ oder ‚arme‘ Gemeinde dazu zu bekommen? Was macht da Sinn, was nicht? Was bedeutet es für den Schlüssel zu einem eigenen Pfarrheim/Raum? Handelt man sich ein, dass man ein Pfarrheim nur noch z.B. in Deutz hat? Oder darf man in der Salvatorstraße bauen? Alles offen. Wir dürfen nur Grenzenverschiebungen vorschlagen. Welche Konsequenzen unsere Spielchen haben? Offen! Personale Ausstattung? Offen!
Das eGV kann aber zukünftig sagen: Ja, lieber Flittarder, was schimpft ihr: Eure Gremien haben doch für diesen Vorschlag votiert! Das war doch klar, dass bei der Finanzausstattung ein eigenes pastorales Zentrum nicht zu finanzieren ist (genervtes Kopfschütteln).

Wie macht man es, wenn man lästige Kritik loswerden will, um in Ruhe selbst zu entscheiden? Man gibt den Gemeinden etwas harmloses zum draufrumkauen mit insbesondere viel Text, vielen Bildchen, vielen neuen Vokabeln und wenig Zeit. Da können sie sich abarbeiten und im eGV wird geschaut, dass man noch ein bisschen mehr die Hoheit über Liegenschaften und Finanzen ausbaut. Dann dürfen die Gremien der Gemeinden noch die Handwerker kontrollieren und wenn sie denn noch wollen auch Pfarrfeste ausrichten. Das aber, was dem Erzbischof wichtig ist, nämlich die Finanzen und dass das Bistum nicht pleite geht (O-Ton Woelki 2018), das wird nicht (mehr) in der Gemeinde entschieden – wo kämen wir denn da hin. Demokratie? Klar, schiebt an den Gemeindegrenzen rum, aber mehr bitte auch nicht!
Neuer synodaler Geist – klar, aber bitte nicht in Köln!

Das ist kein #ZusammenFinden, das ist ein #ZusammenSinken

Florian Seiffert, Mitglied im PGR

Siehe auch:

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Synodaler Weg – Pastoraler Zukunftsweg

Posted by Florian Seiffert - 24. Juni 2020

Marie Löhrer mailt:

Was ist das denn?
von Marie Löhrer

Die Corona-Krise prägt unser Leben. Wozu sich also mit Themen auseinander setzen, die gerade gar nicht so wichtig sind?
Doch diese Zeit ermöglicht es manchem, mehr Muße zu haben. Vielleicht auch über Grundsätzliches nachzudenken oder auch Vertrautes in Frage zu stellen.
Also können auch Themen in den Blick genommen werden, die sonst im alltäglichen Getriebe zu kurz kommen….

Deshalb wage ich an dieser Stelle den Versuch, ein paar Informationen und Meinungen zusammen zu tragen.
Ich möchte Ihnen gar nicht vorgaukeln, ich sei objektiv. Aber Fakten bleiben dennoch klar erkennbar.

In Gesprächen mit verschiedenen Menschen unserer Gemeinde wurde mir immer wieder deutlich, dass viel Kritik gegenüber der katholischen Kirche besteht.
Und Viele spüren „So kann es nicht weiter gehen!“.

Zugleich gingen die Begrifflichkeiten ’synodaler Weg‘ und ‚pastoraler Zukunftsweg‘ oft durcheinander oder es war ganz unklar, was damit gemeint ist.

Wissen Sie, wovon ich rede? Kennen Sie die Unterschiede?
Wissen Sie, worum es geht?

Im Folgenden möchte ich Ihnen
1. den ‚Synodalen Weg‘
2. den ‚Pastoralen Zukunftsweg‘
vorstellen.

Und ich werde Stimmen dazu zu Wort kommen lassen, die ich für wichtig erachte.

1. Der ‚Synodale Weg‘

Der ‚Synodale Weg‘ ist eine Initiative der deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK1).
Viele Informationen finden Sie dazu unter: www.synodalerweg.de

Am ersten Adventssonntag 2019 ist der ‚Synodale Weg‘ begonnen worden. Er soll etwa 2 Jahre dauern.

Entstanden ist die Idee zum ‚Synodale Weg‘, als die deutschen Bischöfe nach der Missbrauchs-Studie (MHG-Studie) ratlos waren. „’Gutwillig‘ seien die Laien (…) den Bischöfen zu Hilfe geeilt‘, sagt die Vizepräsidentin des ZdKs, Karin Kortmann.2

Beim ‚Synodalen Weg‘ soll in vier sogenannten ‚Synodalforen‘ gesprochen werden über:

  • „Priesterliche Existenz heute“ – zur priesterliche Lebensform,
  • „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ – zur Sexualmoral,
  • „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“
  • „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ – zur Rolle von Frauen in der Kirche

Die Synodalforen sind mit jeweils etwa 35 Männern und Frauen aus verschiedenen Berufen zusammengesetzt; aus Geweihten und Hauptamtlichen; aus Ordensgemeinschaften und Mitgliedern des ZdK’s.
Die konkrete Zusammensetzung der Foren kann unter folgendem Link eingesehen werden: www.synodalerweg.de/struktur-und-organisation/synodalforen/

Der ‚Synodale Weg‘ ist keine Synode. Das bedeutet, dass alle Voten, die in den Synodalforen erarbeitet werden, „keinerlei Verpflichtungscharakter für die Bischöfe“ 3 haben.

Der Vatikan steht diesem Prozess zudem sehr kritisch gegenüber und hat bereits signalisiert, „bei umstrittenen Themen keine Zustimmung zu erteilen, (…) etwa Segnung homosexueller Paare, (…) Diakonat der Frau oder die gegenseitige Einladung zu Eucharistie und Abendmahl“ 4, denn dies bedürfe einer weltweit gültigen Entscheidung.

Jedoch sind sich führende Theologen und viele Gläubige sicher, dass Reformen notwendig sind.

Katrin Gallegos Sánchez formuliert es so: „Die Beispiele für Anweisungen, die nicht (mehr oder umfassend) befolgt werden, sind zahlreich:
Kommunionausteilung an Wiederverheiratete oder Nicht-Katholiken; (…)
die Weigerung, Sanktionen umzusetzen, die – etwa im Arbeitsrecht – von kirchlichen Verantwortlichen längst nicht mehr mitgetragen werden;
die unbeirrte Infragestellung des (…) erklärten Verbots der Frauenordination;“
die Nicht-Verlesung von bischöflichen Hirtenworten, weil sie zunehmend an der Realität der Menschen vorbei gehen;
die unverminderte Zunahme von Kirchenaustritten von Menschen, die zwar glauben, aber nicht länger bereit sind, das Herrschaftshandeln der Entscheider hinzunehmen.
„Die Liste ließe sich fortsetzen. Sie reicht bis hin zur Ablehnung angeordneter Strukturreformen, die Kirchenentwicklung begünstigen sollen.“5

Im Zeitraum Dezember 2019 bis zum 23. Januar 2020 ermöglichte eine Online-Umfrage6 allen Menschen unter Nennung des eigenen Namens, Meinungen zu den Synodalforen zu äußern.
Mehr als 5.300 Eingaben sind im Synodalbüro eingegangen.

Meines Erachtens waren die Informationen zu dieser Aktion sehr dünn gestreut. Und die Unmöglichkeit anonym an der Umfrage teilzunehmen, wird auch Einige abgehalten haben.

Vom 30.1. bis 2.2.2020 trafen sich die Teilnehmer des ‚Synodale Wegs‘ erstmalig zur Vollversammlung (Synodalversammlung), in der das Prozedere besprochen und die Mitglieder der Foren gewählt wurden.
Die Synodalversammlung besteht aus 230 Mitglieder, zudem nehmen der Apostolische Nuntius und 25 Beobachter aus verschiedenen Institutionen und dem benachbarten Ausland teil. 7

Vor der nächsten Synodalversammlung, die vom 3. bis 5. September 2020 in Frankfurt am Main stattfindet, ist erneut die Möglichkeit zur Partizipation angedacht, die sich aus der Arbeit der Foren ergibt.

Allgemeine Anmerkungen zum Synodalen Weg können jederzeit per E-Mail an das Büro des Synodalen Weges geschickt werden (kontakt@synodalerweg.de).

Bisher wird am festgelegten Zeitplan festgehalten.8
Jedoch ist meines Erachtens durch die Corona-Pandemie noch mit Änderungen zu rechnen.

Sie werden sich sicher erinnern, dass Kardinal Woelki nach der ersten Synodalver-sammlung mit deutlichen Worten auffiel.
Er sagte, er habe schon im Vorfeld die große Sorge gehabt, „dass hier quasi ein protestantisches Kirchenparlament durch die Art der Verfasstheit und der Konstituierung dieser Veranstaltung implementiert wird“.(…)
Sowohl in vielen Redebeiträgen als auch etwa beim Einzug zum Gottesdienst in den Frankfurter Dom sei der Eindruck erweckt worden, dass Bischöfe und Laien gleich seien; „und das hat eigentlich nichts mit dem zu tun, was katholische Kirche ist und meint“. Die hierarchische Verfasstheit der Kirche sei infrage gestellt worden. „Auch das organische Zueinander von Geweihten und Nichtgeweihten und die Unterschiedlichkeit der Aufgaben, die darin zum Ausdruck kommt, ist in der Tat auch durch die Sitzordnung und durch viele andere kleine Zeichen infrage gestellt und relativiert.“ Er halte das für „äußerst bedenklich“. 9

In der Rheinischen Post wird dazu Tim Kurzbach, der Vorsitzende des Diözesanrats des Erzbistum Kölns zitiert. Er sagt, man habe in der katholischen Kirche endlich etwas Neues gewagt. „Wir haben uns zusammengesetzt, in einem Raum und von Mensch zu Mensch, ohne jedes Standesdenken offen miteinander gesprochen.“ Anders als sonst in den Leitungsrunden seien die Traditionalisten in einer deutlichen Minderheit gewesen, wie es eben ihrer Anzahl in der gesamten Kirche entspreche. Dieser neue Synodale Weg sei nicht mehr zu stoppen, betonte Kurzbach.10

Der Osnabrücker Bischof, Franz-Josef Bode, bezeichnete den „Synodalen Weg“ als eine großartige Zukunftswerkstatt der Kirche, in der man generationenüber-greifend miteinander ins Gespräch gekommen sei.

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees, Karin Kortmann, sprach von einem „hierarchiefreien Raum“ und lobte die Beachtung des Prinzips der Geschlechter-gerechtigkeit. 11

2. Der ‚pastorale Zukunftsweg‘

Der ‚pastorale Zukunftsweg‘ des Erzbistums Köln setzt sich mit der konkreten Organisation der Gemeinden und Pfarreien in der Zukunft auseinander.

Kardinal Woelki schreibt, er möchte „gemeinsam mit [den Gläubigen] (…) eine gemeinsame Vision für das Erzbistum Köln im Jahr 2030 (..) entwickeln.“12
Viele Informationen finden Sie dazu unter: www.zukunftsweg.koeln/

Der ‚pastorale Zukunftsweg‘ hat 2015 begonnen, ab 2018 ist in Themengruppen gearbeitet worden und 2019 wurden die ’normalen‘ Gläubigen stärker beteiligt. In diesem Sommer soll er beendet werden.

Die Aachener Zeitung beschreibt es folgendermaßen: „Beim „Pastoralen Zukunftsweg” geht es darum, wie das Erzbistum angesichts des enormen Priestermangels künftig weitermachen soll. Dies ist ein zentrales Problem für alle katholischen Bistümer in Deutschland. Zurzeit bastelt jeder Bischof alleine vor sich hin. Woelki will unter anderem stärker auf ein Engagement von Ehrenamtlichen setzen. Gefordert sei ein „Mentalitätswechsel bei allen – vom einzelnen Gläubigen bis in die Verwaltung”, sagt Woelki-Sprecher Heckeley.“ 13

Die Westdeutsche Zeitung nennt Zahlen: “Bis 2030 wird die Zahl der Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Diakone von derzeit gut tausend auf 500 bis 600 sinken. „Wir möchten die Veränderungen gestalten und nicht nur passiv erleiden“, sagt der Kölner Generalvikar Markus Hofmann.” 14

Es wurden 2018 fünf Arbeitsfelder benannt, in der Berufene in Gruppen eingeteilt wurden und sich zur Bewältigung der anstehenden Veränderungen, Gedanken machten:

Diese Arbeitsfelder wurden mit hauptamtlich Tätigen des Erzbistums (aus Gemeinde, Leitung und Lehre), einigen Vertretern katholischer Sozialverbände und anderen berufenen Personen besetzt.
Die genaue Zusammensetzung der Teilnehmer kann unter diesem Link eingesehen werden: Personenverzeichnis_Arbeitsfelder_2019-09-02.pdf

Die 5 Arbeitsfelder haben ihre Arbeitsergebnisse an das Projektteam weitergegeben, dass dann wieder Entscheidungsvorlagen für das Lenkungsteam um Kardinal Woelki erarbeitete.

In verschiedenen Berufsfeldern (Religionslehrer, Kirchenmusiker etc.) wurden Befragungen durchgeführt.
In der Zeit von Ostern bis Pfingsten 2019 wurde eine Online-Umfrage durchgeführt. 15 
Aus den Antworten wurden sogenannte Word-Clouds (Wort-Wolken) gebildet. Die Größe der Darstellung der Worte entspricht der Häufigkeit der Nennung bei den Antworten der Befragten.

So nehmen die Teilnehmer der Umfrage das Erzbistum Köln wahr (Status Quo):

„Der Status Quo wird durch die Teilnehmenden an der Umfrage an vielen Stellen kritisch gesehen, wie die Nennung von Begriffen wie „veraltet“, „starr“ oder „ängstlich“ zeigt. Rückmeldungen dieser Art waren in der Vergangenheit ein wichtiges Motiv, sich auf den Pastoralen Zukunftsweg zu begeben, und unter-mauern an dieser Stelle die Wichtigkeit der Veränderung.“ 16, betont das Erzbistum.

So wünschen sich die Teilnehmenden das Erzbistum Köln in Zukunft:

„Viele der genannten Punkte sind bereits Bestandteil der ‚Leitlinien des Pastoralen Zukunftswegs‘. Die Rückmeldungen bestätigen das Erzbistum Köln darin, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen“, heißt es in der Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse. 17

Im Anschluss an die Umfrage und den Ergebnissen aus den Arbeitsfeldern wurde eine ‚Zukunftsskizze 2030’18 erstellt.
„Die Zukunftsskizze möchte abbilden, was vielleicht 2030 mal Wirklichkeit wird“, beschreibt Vera Krause, Leiterin der zuständigen Diözesanstelle, das Ergebnis der einjährigen Beratungen. 19

Im Spätsommer 2019 fanden 3 Regionalforen (in Köln, Düsseldorf und Euskirchen) statt, zu denen man sich im Juli 2019 online anmelden konnte, sofern man sich über diese Möglichkeit im Vorfeld informiert hatte.

Bei diesen ganztägigen Veranstaltungen konnten alle Interessierten erste Ergebnisse der ‚Zielskizze 2030‘ mit den Mitgliedern der fünf Arbeitsfelder der Etappe diskutieren.

Die Kern-Inhalte der ‚Zielskizze 2030‘ sind in der obigen Grafik zuerst einmal ansprechend dargestellt. Zwar etwas chaotisch, wie eine Seite in einem Kinder-Wimmelbuch, aber dadurch auch voller Leichtigkeit und Buntheit.
Die Verlautbarungen des Erzbistum Kölns hören sich sehr vielversprechend an: den Gemeinden soll mehr Autonomie eingeräumt und den Ehrenamtlichen mehr Verantwortung ermöglichen werden. Außerdem sollen die Verwaltungsstrukturen entschlackt und der Gemeindebegriff erweitert werden.
D.h. entlastet werden sollen die Pfarreien und Kirchenvorstände durch die Auslagerung von operativen Verwaltungsaufgaben (Immobilien-Verwaltung an externe Immobilienverwaltung, Auslagerung der KiTa-Verwaltung an externen Träger, Auslagerung der Finanzbuchhaltung an Externe) – so sollen wirtschaftliche Risiken professioneller erkannt und abgefedert werden.20
Was es bedeutet, wenn alle Zahlungen über die Zentralrendantur laufen, können viele in unserer Gemeinde (leitender Pfarrer, Verwaltungsleiter, Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat) leidvoll berichten. Es bedeutet keine Kostenkontrolle zu haben. Nicht für die vergangenen Jahre und erst Recht nicht für das laufende Jahr, weil die Zahlen durch die Rendantur nicht weitergegeben werden.
Was es bedeutet, nicht über die eigenen Immobilien verfügen zu können, wird am Beispiel der Kirche St. Johannes Evangelist deutlich.

Warum sollte sich dieser Umgang bis 2030 verändern? Oder zeigt uns das Erzbistum nicht bereits jetzt, was mit ‚Entlastung‘ gemeint ist? Keine Autonomie, sondern ‚Leitung‘ durch die Verantwortlichen in der Bistumsleitung.

In seinem Fastenhirtenbrief 2020 mit dem Titel „Die Freude am Evangelium wiedergewinnen“ fasste Kardinal Woelki den Weg und die Aussichten des ‚pastoralen Zukunftsweges‘ zusammen.

In seinem Ausblick auf 2030 spricht er von deutlich größeren Pfarrei-Strukturen und einer allgemeinen Kostenentwicklung, die es unmöglich mache alle 1.200 Kirchen und Kapellen zu erhalten, und dies gelte genauso im Hinblick auf Pfarrheime und weitere Gebäude. 21

Was dies im Hinblick auf die Zukunft unseres Gemeindesaals (‚Jugendheim‘ genannt) bedeutet, wissen wir ja.

Gregor Stiels, Vorsitzender des Katholikenausschusses in Köln sagt, das „größte Manko des Zukunftsprozesses“ im Erzbistum sei, dass er „zurzeit nur ein sehr breites Beratungsforum für den Kardinal“ darstelle. Erst eine Kirche, „die nach innen volle Beteiligungsgerechtigkeit für alle ihre Mitglieder realisiert, wird nach außen hin die Gerechtigkeit Gottes verkündigen können“. Er verlangt, eine konsequente Beteiligung von Laien, einen „Dialog auf Augenhöhe“ und eine „demokratische Entscheidungskultur“.22

Gregor Stiels führt weiter aus:„Absolutistische monarchische Strukturen wirken in unserer Gesellschaft weltfremd und abstoßend. Eine Sexualmoral, die auf einem antiquierten Menschenbild beruht, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriert, die Homosexualität als krankhaft und heilbar darstellt, wirkt in unserer Gesellschaft weltfremd und abstoßend. Und eine Institution, die wichtige Aufgaben, Tätigkeiten und Ämter Frauen vorenthält, weil sie Frauen sind, wirkt in unserer Gesellschaft weltfremd und abstoßend. Man jagt mit diesen Themen keinem Zeitgeist nach, wie man es von Kritikern des Synodalen Weges hört.“23

Schlußgedanken

Herzlichen Dank, dass Sie bis hierhin gelesen haben!
Warum mache ich Ihnen und mir diese Mühe?
Weil mein Eindruck im vergangenen Jahr war, dass diese beiden zukunftsweisenden Bewegungen zu wenig publik gemacht worden sind. Sie können Meilensteine für die Zukunft unserer katholischen Kirche sein.
Und die Möglichkeiten, der Mitgestaltung oder der Meinungsäußerung sind viel zu wenig öffentlich gemacht und genutzt worden. Ob dies aus Berechnung oder Betriebsblindheit erfolgt?

Beim ‚pastoralen Zukunftsweg‘ war eine Einflussmöglichkeit nicht wirklich gegeben, wie ja auch der Vorsitzende des Katholikenausschusses feststellt.

Auch beim ’synodalen Weg‘ sind die Einflussmöglichkeiten sehr gering. Denn die Bischöfe können alles ablehnen und sind zu nichts gezwungen.

Aber je länger wir unwissend sind oder uns zurücknehmen oder allein hoffen, dass alles ‚gut‘ wird, so lange sind wir meines Erachtens ein leichter Spielball.

Und ja, ich bin katholische Christin. Und ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten, dafür Sorge tragen, dass diese katholische Kirche sich weiter entwickelt.

Zuversicht geben mir dabei die Äußerungen der Vizepräsidentin des ZdK’s, des Vorsitzenden des Diözesanrats und der Vorsitzende des Katholikenausschusses, die Vertreterinnen von Maria 2.0, kritische Priester wie Thomas Frings oder Stefan Jürgens, die Unterzeichner des offenen Briefes des Weihejahrgangs 1967, Gleichgesinnte und Engagierte in unserer Gemeinde und, und, und…..

Ich kann nicht aufhören, die liebende und befreiende Botschaft Jesus zu glauben.
Ich hoffe, auf den Geist der befreit und Verkrustungen aufreißt.

Und ich glaube, dass es dabei auf jeden Einzelnen ankommt, der hofft und liebt und kämpft und verzeiht.

1) Laut Wikipedia ist das ZdK „das von der Deutschen Bischofskonferenz anerkannte Organ, das die Kräfte des Laienapostolats (Vertretern der Diözesanräte und der katholischen Verbände sowie von Institutionen der Laienvertretung und weiteren Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft) koordiniert und das die apostolische Tätigkeit der Kirche fördern soll. Die Mitglieder des Zentralkomitees fassen ihre Entschlüsse in eigener Verantwortung und sind dabei von Beschlüssen anderer Gremien unabhängig.“

2,3,4) Publik Forum, Dez. 2019, S.36

5) Herder Korrespondenz, Februar 2020, S. 50 ‚Macht statt Herrschaft‘

6) www.synodalerweg.de/ihre-stimme-zum-synodalen-weg

7) www.synodalerweg.de/struktur-und-organisation/synodalversammlung/

8) https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-03/deutschland-synodaler-weg-corona-virus-zdk-baetzing-foren-kirche.html

9) www.kirche-und-leben.de/artikel/kardinal-woelki-uebt-heftige-kritik-an-synodalversammlung/

10) rp-online.de/kultur/kardinal-woelki-im-eigenen-bistum-in-der-kritik_aid-48734257

11) www.faz.net/aktuell/politik/inland/synodaler-weg-in-frankfurt-ueberschattet-von-kritik-aus-koeln-16612308.html

12) Vorwort der Broschüre ‚Gemeinsam nach Vorne gehen‘, die in der Bruder-Klaus-Kirche ausliegt.

13) aus Aachener Zeitung 26.3.2018

14) Westdeutsche Zeitung 7.9.2019

15) https://www.zukunftsweg.koeln/wordpress/wp-content/uploads/2019/07/Ergebnisbericht-Online-Umfrage.pdf

16) www.zukunftsweg.koeln/wordpress/wp-content/uploads/2019/07/Ergebnisbericht-Online-Umfrage.pdf

17) https://www.zukunftsweg.koeln/wordpress/wp-content/uploads/2019/07/Ergebnisbericht-Online-Umfrage.pdf

18) www.zukunftsweg.koeln/#zielskizze

19) Westdeutsche Zeitung 7.9.2019

20) www.zukunftsweg.koeln/#zielskizze

21) s.o. S.4-5

22) www.ksta.de/koeln/-weltfremd-und-abstossend–scharfe-kritik-an-situation-der-kirche-in-koeln-33743376

23) www.ksta.de/koeln/-weltfremd-und-abstossend–scharfe-kritik-an-situation-der-kirche-in-koeln-33743376

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