Pfarrgemeinderat »Christen am Rhein«

Köln: Flittard – Stammheim – Bruder Klaus

Woelki Woelki Woelki

Posted by Florian Seiffert - 19. Februar 2022

Meinung:

Ich bin irritiert, dass es in den Medien so ein heftiges hin und her gibt, ob Kardinal Woelki nun Aschermittwoch zurück kommen soll oder nicht. Man liest, dieser Theologe oder jener Kardinal oder jenes Gremium hat sich (vermutlich) so oder so ausgesprochen. Hallo?

Ist es die richtige Methode die Rückkehr eines Kardinals über die Lautstärke in den Medien zu befürworten oder abzulehnen? Kann irgendwer einfach so einschätzen oder sicher sein, wie die Herde, also die Menschen im Erzbistum Köln die Lage sehen, empfinden, beurteilen und einschätzen? Ich glaube nicht!

Mich irritiert vor allem dieses schwarz-weiß in der Sache. Kardinal Woelki kommt zurück oder er muss zurücktreten bzw. Rom oder der Papst entfernt ihn? Geht es nicht auch ein bisschen christlicher?
Warum geht nicht auch: Er bittet! um Entschuldigung (für Empathielosigkeit und schlechte persönliche Kommunikation) und demütig um eine neue Chance? Vielleicht nicht gerade mit einem Pontifikalamt?
Beten wir nicht im ‚Vater unser‘ darum: Vergib uns so, wie auch wir vergeben? Warum räumen wir Kardinal Woelki keine (weitere) Chance ein, wo doch auch wir oft weitere Chancen brauchen?

Wollen wir wirklich eine Kultur: Kardinal versagt (in unseren Augen) und fott mit ihm, nächster Kardinal? Wäre ein: man sieht Fehler ein, macht sie gut, also heilt sie (so gut das halt geht) und bekommt dann noch eine Chance? – nicht viel besser, für uns und Kardinal Woelki?

Müssen wir nicht fürchten so gerichtet zu werden, wie wir selbst richten?

Wie wäre es mit einer demokratischen Abstimmung?
Kardinal Woelki bittet die Missbrauchsopfern oder die für die Seelsorge zuständigen Gremien, also die Pfarrgemeinderäte um ein Votum: Habe ich euer Vertrauen oder nicht? Oder er bittet alle Gottesdienstbrsucher:innen um dieses Votum?
Und was dann diese (oft schweigende) Mehrheit empfiehlt, das setzt Kardinal Woelki um. Das hätte Charm, Charakter, wäre demütig und innovativ. Oder?

Ich sehe das Neue Testament voll von guten Rezepten aus der Krise. Meist reichen: Gnade, Demut, Bitten und Vergebung.
Nein, leicht ist es nicht, aber es kann doch der Weg zu Christus und aus der Krise sein. Oder?

Herr Kardinal, Sie kommen doch aus unserer Gemeinde. Was sagen Sie?

12 Antworten zu “Woelki Woelki Woelki”

  1. theaseiffert said

    Da hast Du völlig Recht. Und würde es so ablaufen, verspreche ich, dass mein Termin beim Amtsgericht storniert wird. Bisher hat sich in der ganzen Sache leider aber kein Bitten um Vergebung, kein Kümmern um viele Opfer keine Demut gezeigt. Ich würde mich freuen, wenn alle unsere Hirten vormachen würden, was sie predigen!

  2. Maren Becker said

    Ich hab durchaus Mitgefühl für die alten Männer der Macht in der Kirche, die Ihre Welt davon schwimmen sehen. Sie scheinen noch gar nicht begriffen zu haben, dass diese Welt, in der sie Macht auf die Gesellschaft und die Gläubigen ausüben können, längst verschwunden ist.
    Der Missbrauchsskandal schwelt schon so lange. Ich finde, sie haben genug Zeit und Gelegenheit gehabt, es besser zu machen. Und haben zu viel Energie darauf verwendet, Verantwortung von sich zu weisen. Die Bitte um Entschuldigung von Kardinal Woelki war ebenfalls nicht überzeugend.
    Meiner Meinung nach ist die Zeit der Geduld vorbei. Und da gebe ich Dir recht: die Zeit der Demokratie in der Katholischen Kirche ist gekommen: Mitbestimmung! Transparenz! Gewaltenteilung!

  3. Franz U. Anneliese Esse said

    Wir stimmen deinen Ausführungen voll zu.

  4. Roland Morawietz said

    Warum und wofür soll sich Kardinal Woelki entschuldigen? Er macht eine sehr gute Arbeit bei Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe. Das bescheinigt ihm der Rat der Betroffenen und bittet ihn weiter zu machen. Und es kommt doch wohl auf die Betroffenen an oder nicht ?

    • Lieber Roland, wir müssen hier nicht einer Meinung sein! Ich bin der Meinung, dass Kardinal Woelki sich für seine persönliche Kommunikation entschuldigen könnte, die hat doch auch Papst Franziskus kritisiert, er könnte der Kanzlei WSW erlauben das erste Gutachten zu veröffentlichen, um mehr Transparenz herzustellen und um Entschuldigung bitten, dass er es nicht längst getan hat. Er könnte dafür um Entschuldigung bitten, dass er „Taufe nach Kindergartenbesuch“ in Flittard Peanuts nannte …
      Er könnte dafür um Entschuldigung bitten, dass er das Thema Missbrauch durch eine juristische Brille sieht und dem Anspruch, den wir in der Kirche eigentlich haben in meinen Augen nicht genügt. …

      • Roland Morawietz said

        Dieine Ausführungen zum ersten Gutachten sind sehr überraschend; denn das GV hat es überprüfen lassen duch auswärtigen Juristen. Diese haben festgestellt, dass das Gutachten formell fehlerhaft ist. Wenn es veröffentlicht wird, dann werden Personen dass Generalvikariat verklagen. Sollte der Kardinal diese Personen schädigen und das GV vielen Klagen ausliefern ?
        Er hat dafür gesorgt, dass diese Fehler schnellstens korrigiert werden, ein zweites Gutachten erstellt wird und die Betroffenen -und natürlich auch die Presse- beide Gutachten bekommen. Es kam noch mehr zu Tage als nach dem ersten Gutachten. Und deshalb sind die Betroffenen ihm so dankbar.
        Aber nicht Herr Frank vom Stadtanzeiger; dieser erwähnt den Betroffenenbeirat nicht und schreibt immer so, als ob der Kardinal das Erstgutachten vertuschen wollte. Das ist unwahr und eine Lüge.
        Der Stadtanzeiger sollte sich für seine eigenen Verfehlungen im Umgang mit dem Kindesmissbrauch entschuldigen; Der Spiegel hat es getan. Aber Herr Frank wird es niemals tun.

      • Wenn WSW das Gutachten auf seinen eigenen Webseiten veröffentlicht, tragen sie die Verantwortung und müssten auch für Fehler geradestehen. Oder?
        Für Fehler des Stadtanzeiger muss der Stadtanzeiger geradestehen.

        Ich wünsche mir selbst ein Bild machen zu können, ich wünsche mir ein eGV und einen Kardinal, die uns gut, behandeln, uns ernst nehmen, uns HELFEN, die uns helfen zu sparen, die unsere Finanzen transparent klären, die Versprechen halten – weisst Du ja selbst bestens.
        Der Anspruch an Kirche, an uns und an die Kirchenleitung muss doch das Hauptgebot der Liebe sein. In lieblosem Handeln vermag ich das nicht zu erkennen!

  5. Roland Morawietz said

    Nochmals, aber auch letztmalig: was der WSW macht ist unerheblich. Das GV hat das Gutachten in Auftrag gegeben und haftet als Auftraggeber bei einer eigenen Veröffentlichung. Die Personen hätten den GV verklagt und warum soll man sie rechtlich schädigen ? Das macht man nicht. Man löst das Problem und das hat der Kardinal veranlasst und die Betroffenen fanden das gut.
    Zum Schluss noch eines; die Kirche ist die einzige Institution, welche die Problematik des Kindesmissbrauchs in der Vergangenheit aufklärt. Sie entschuldigt sich bei den Opfern und entschädigt sie. Man kann einzelne Entscheidungen kritisieren oder verbessern. Keine Frage. Aber was machen die anderen ?
    Google bitte den Namen: Helmut Kentler und lese Dir die Berichte durch, insbesondere Der Spiegel und EMMA haben ausfphrlich berichtet wie es in den 70-er bis 90-er Jahren zuging.
    Und die Presse fand damals Sex mit Kindern gut und schön (wie manche Politiker die heute noch im Bundestag sitzen). Dafpr hat sich Der Spiegel entschuldigt. Der Stadtanzeiger nicht.

  6. Herbert Dasbach said

    Demokratie in der Kirche wäre natürlich das Ideal. Ein echtes Mitspracherecht wäre schon ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin. Aber auch das setzt die Bereitschaft zur Akzeptanz voraus. Diese ist nur bei einzelnen Amtsträgern in der Kirche sichtbar. Im Falle von Kardinal Wölki ist eine solche nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Der Weg dorthin führt über die Einsicht, sich nicht korrekt verhalten zu haben und eine ehrlich gemeinte Entschuldigung. Vergeben können wir nur dem, der sich auch schuldig fühlt. Und da simmer dabei.

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